Stephan und Kassandra sind „I’m Not A Band“. Mit ihrem geigenuntermalten Elektropop sorgt das Berliner Duo für tanzbare Klänge mit Tiefgang. Stephan plaudert mit Slyle über Live-Erfahrungen, ungewöhnliche Instrumente, schwangere Sängerinnen und darüber, warum er sein Leben manchmal absurd findet.

Wenn ihr keine Band seid – was seid ihr denn dann?

Ab wann fängt man denn an, eine Band zu sein? Wir sind ein Duo und dann glaube ich, ist man noch keine Band. Wir spielen auch keine klassischen Bandinstrumente. Ursprünglich habe ich allein angefangen, Musik zu machen und dann eine Sängerin gesucht. Alleine ist es naheliegend, sich „I’m not a band“ zu nennen, und ich finde, zu zweit macht es immer noch Sinn. Es ist catchy und fällt auf und der ein oder andere stolpert vielleicht über den Namen. Das ist nicht schlecht.

Wie habt du und Kassandra euch denn gefunden?

Ich hatte ursprünglich eine andere Sängerin, Jana, gefunden. Damals wohnte ich noch in Leipzig. Sie ist dann schwanger geworden – nicht von mir – und ungefähr zur gleichen Zeit bin ich nach Berlin gezogen, sodass sich unsere Zusammenarbeit aufgelöst hat. Kassandra habe ich mit ihrer anderen Band zufällig im Radio gehört und sie einfach mal angeschrieben, weil ich es cool fand, dass sie auch Geige spielt. Wir haben uns getroffen und alles Weitere hat sich ergeben.

Dann hast du sie der anderen Band ausgespannt?

Nein, nein, mit der spielt sie weiterhin.

Wie würdest du euren Musikstil beschreiben?

Ganz abstrakt ist es Elektropop. Wenn ich mit Leuten spreche, die uns nicht kennen, zum Beispiel bei Mitfahrern in unserem Auto, wenn wir auf Tour sind, füge ich oft noch den „Geige und Gesang“-Aspekt hinzu.

Mitfahrer auf Tour?

Ja, wir bieten manchmal Mitfahrgelegenheiten an, wenn wir durch Deutschland touren, damit das Geld für das Benzin wieder reinkommt. Da wir nur beschränktes Equipment brauchen, passt alles in den Kofferraum meines Autos und wir haben noch Platz übrig.

Elektro mit Geige und Gesang ist nicht die gewöhnlichste Kombi. Wieso habt ihr euch genau dafür entschieden?

Man unterstellt einem oft, das wäre eine total ausgeklügelte Idee oder so, aber die entstand ganz banal: Ich habe kein klassisches Bandinstrument gespielt, nur Geige, wollte aber Musik machen. Da blieb eigentlich nur noch die Möglichkeit, den Laptop zu benutzen. Das alleine war mir aber zu langweilig, deshalb habe ich es mit der Geige kombiniert. Kassandra spielt auch Geige, und wir singen beide.

Benutzt ihr sonst gar keine Instrumente?

Wir haben noch einen Synthesizer dabei und immer mal wechselnde Percussion-Instrumente. Im aktuellen Programm ist noch ein selbstgebautes Xylophon dabei. Das ist wie so vieles durch Zufall entstanden: Beim Umzug habe ich auf einer Holzleiste rumgehauen und das dann aufgenommen und gesampelt. Daraus entstand später der Song „Woody“, der auf unserem aktuellen Album „Bandband“ zu finden ist. Um diese hölzernen Klänge bei Auftritten live spielen zu können, habe ich das „Woodyphon“ gebaut.

Habt ihr noch andere besondere Elemente in petto?

Auf dem ersten Album waren PET-Flaschen zu hören, die wir auf Barhocker geklebt haben.

Was inspiriert dich?

Das ist ganz unterschiedlich. Das ganze Umfeld beeinflusst einen, ob man es will oder nicht. Inspiration bekomme ich durch Alltägliches, das mir wiederfährt, was dann oft zu Emotionen führt. Emotion ist überhaupt das Wichtigste, auch negative. Wenn es einem immer gut geht, kann man nicht wirklich kreativ sein.

Was habt ihr bisher erreicht, worauf du besonders stolz bist?

Es ist die Sache an sich, wie sich „I’m not a band“ entwickelt hat. Man nimmt es nicht so wahr, weil es ein schleichender Prozess ist, aber mit Abstand betrachtet denke ich oft: Krass, dass ich davon gerade leben kann und das mache, was meine Leidenschaft ist. Auch, dass Leute sich dafür interessieren und ich dafür Anerkennung bekomme, ist keine Selbstverständlichkeit. Es kommt mir manchmal ziemlich absurd vor, wenn ich mir vor Augen führe, was sich alles ergibt dadurch, dass ich hier ein bisschen Musik mache.

Ihr seid auch schon durch Europa getourt…

Richtig, wir waren unter Anderem in London, Manchester, Birmingham, Warschau, Zürich, Rom und Mailand und sind in Clubs oder kleinen Konzerthallen aufgetreten. In Warschau haben wir in einem Underground-Club gespielt, das war vor ungefähr drei Jahren. Ich hatte den Eindruck, dass sich Warschau sehr stark an Berlin orientiert, die Clubszene, aber auch die Stadt an sich. Viele Leute, die ich dort getroffen habe, meinten, sie fänden Berlin unglaublich toll.

Merkst du einen Unterschied beim Publikum in den verschiedenen Städten?

Ja, definitiv. Man hat uns davor gewarnt, dass die Leute in Italien ihre Begeisterung nicht so zeigen. In Mailand war das auch wirklich so. Die Leute haben teilweise mit dem Rücken zur Bühne getanzt und auch nicht so doll geklatscht. Aber danach wurden wir immer wieder angesprochen, dass es cool war. Auch in Deutschland gibt es Unterschiede zwischen den Städten. In Leipzig zum Beispiel ist das Publikum ganz oft eher ruhig und hört sich alles einfach an, während die Leute in kleineren Städten wie Greifswald oder Bayreuth teilweise vollkommen ausrasten. Das sagt aber nichts darüber aus, wem es besser gefällt.

Für euer Video zum Song „Blister“ seid ihr für den Berlin Music Video Award in der Kategorie Best Editor nominiert. Wie seid ihr auf die Idee des Musikvideos gekommen? Grob zusammengefasst tanzt da ein Typ in freakigen Sportklamotten vor einem Spiegel.

Der Tänzer ist ein kanadischer Youtube-Star. Er hatte zu unserer ersten Single „I’m Not A Band“ von sich aus ein Video gedreht. Dadurch, dass er so ein Youtube-Phänomen ist, hatte es innerhalb von wenigen Tagen 10.000 Klicks. Wir haben das beim Selbst-Googeln entdeckt und waren vollkommen überrascht. Ich habe ihm daraufhin geschrieben und seitdem hatten wir ein bisschen Kontakt. Als wir dann ein Video zu „Blister“ drehen wollten, habe ich ihn gefragt, ob er Lust hat dazu zu tanzen. Mittlerweile hat er ein Management, das dafür massig Kohle haben wollte, was wir uns nicht leisten konnten. Der Tänzer selbst fand den Song aber ziemlich cool und hat dann am Management vorbei trotzdem mitgemacht. Zusammen mit einem Regisseur hat er das Video in einem Tanzstudio in San Francisco gedreht.

Wann entscheidet sich, ob ihr den Preis bekommt oder nicht?

Die Vorabstimmung durch Jury und Online-Voting ist mittlerweile beendet. Vom 24. Bis 28. April findet dann das Berlin MVA-Festival statt, wo das Publikum vor Ort nochmal abstimmen darf und dann stehen die Sieger der verschiedenen Kategorien fest.

Über euer aktuelles Album „Bandband“ stand in der Intro: „Die Band hat sich mit ihrer Anspruchshaltung leider ein wenig im Stilmix verfranzt.“ Wie gehst du mit solcher Kritik um?

Musik ist etwas sehr Subjektives. Ich nehme es dem Autor natürlich nicht übel, wenn er es so empfindet. Da gebe ich nicht so viel drauf. Ein anderer hätte es vielleicht positiv ausgelegt, dass wir so vielseitig sind. Wir probieren uns gerne aus und machen verschiedene Sachen. Ich glaube, das Publikum lässt sich gerade in der alternativen Szene nicht vordiktieren, was es toll finden soll und was nicht. Deshalb habe ich den Eindruck, es ist gar nicht mehr so wichtig, was Musikmagazine schreiben.

Zum Abschluss: Eure Musik in drei Worten!

Auf einem Konzert hat jemand einmal sehr treffend gesagt: „Keine Band schafft es so sehr, Melancholie tanzbar zu machen.“ Das finde ich schön beschrieben. In beinah drei Worten wäre das dann: Tanzbare Melancholie mit Geige.