Wie jeden Dienstag steht er mit mir vor dem Institut: gebatikte Aladin-Hose, gräuliches Leinenhemd und beige Hanfschuhe. Wild gestikulierend schimpft er auf Benetton, H&M und überhaupt, die Produktionszustände in Bangladesh. Recht hat er.

Ich denke an Indonesien, Taiwan und Südamerika und schaue an mir herunter: die Jeansjacke aus dem Second-Hand-Shop um die Ecke, ist ja irgendwie hip gerade, auch meine Leggins von AA. Da blitzt mir weißes Gewissen schwarz in der Sonne entgegen und dann esse ich Bulgur, kaufe Bio-Milch und -Eier und überhaupt verzichte ich auf Fleisch.

Eine Beweiskette der Unschuld, deren roter Faden sich vor Grausen zusammengerollt und in die Ecke geworfen hat. Denn das eine hat nichts mit dem anderen zu tun, allein mir helfen die zusammengeschmissenen Halbargumente eine dünne Schicht einer Weltretter-Farce vor mir selbst aufrechtzuerhalten und ganz ehrlich gesagt funktioniert nicht mal das.

„Du bist nicht die Einzige,“ hört sich in meinen Ohren, mehr nach Drohung als Trost an. Gerade diejenigen meiner Generation, die aufgrund hervorstechender Individualität in der Masse der Alternativen untergehen, preisen ihr Ökotum.

Sie gehen auf den Markt und hängen ihr Umweltbewusstsein in Form von weisen weltverbesserer Werbepostkarten als Türschild an ihre WG-Toilette.  33 Sklaven arbeiten momentan für den Luxus, den ich mein spärliches Studenteneigen nenne, zumindest nach Berechnung von slavery-foot-print, ein erschreckendes Ergebnis, das im Alltag doch schnell vergessen ist.

Verschämt popel ich ein wenig in der Nase und wünsche mir mehr Ehrlichkeit, wahrscheinlich ist auch der indienreisende Weltretter nur ein Schauspieler seiner selbst, doch trotz allem wäre ich manchmal lieber ein bisschen mehr wie er.