ein Artikel über eines der besten Top-Models und eine der größten Skandalnudeln überhaupt

Im Hintergrund beginnt langsam eine Melodie zu spielen. Das Bild ist schwarz, ab und an leuchten weiße, ungleichförmige Pünktchen auf, die sich dann aber wieder auflösen und verschwinden - Laufstreifen des Filmbandes, das schon über unzählige Rollen gelaufen sein wird. Das Bild wird heller, die Musik lauter. Das Bild, das sich ergibt, bleibt zum größten Teil leer, an den Seiten schwarz, innen weiß. Nur in der Mitte erkennt man ein kleines Podest, auf dem eine Frau anfängt, sich mit der Musik zu bewegen. Und umso rasender die Melodie wird, umso schneller führt diese zierliche Person ihre Bewegungen aus. Der Bass der Musik bebt, sie hebt ihren Kopf plötzlich und schüttelt ihr Haar auf. In wiederkehrender Folge macht sie das immer wieder und immer schneller. Es ist das Lied „I don‘t know what to do with myself“ von den White Stripes. Die Kameraperspektive lässt nun das Gesicht der dünnen, fast zu schlanken Frau erkennen: Es ist Kate Moss.

Als sie im jungfräulichen Alter von 14 Jahren am JFK-Flughafen von einer Model-Agentin entdeckt wurde, dachte wohl niemand daran, welches Leben die heute 37-jährige Skandalnudel führen würde. Ein Leben zwischen Schall und Rauch, ein Leben voller Exzesse und Highlights. Ein Leben zwischen Front Row und Entzugsklinik. In einem Interview mit der Gala gesteht sie, dass sie auf diese „Sexgötter des Rocks“ steht, wie sie selber sagt. Ein unschuldiges Mädchen, das auf den Laufstegen dieser Welt läuft und wie eine Elfe in der Luft schwebt, steht auf dreckige Rockstars, die sich immer mal wieder bei einem Konzert in den Schritt fassen. Ihre Biografie sagt indes nichts anderes. Wer all die Skandale sucht, wird schnell fündig: Koksnase mit Ex-Freund und Britten-Rotzgöre Peter Doherty, Gerüchte, Moss sei magersüchtig halten sich ebenfalls in der Räucherluft, wie einschlägige Meldungen berichten, Kokain-Kate hätte sich ihre Nase rekonstruieren müssen, weil das Koks sie zerfressen habe. Lässt man die vielen Negativschlagzeilen um ihre Person außen vor, erkennt auch so mancher Hinterwäldler, dass sie weit mehr erreicht hat als so manches Otto-Katalog-Model.

Ein Tag, wie sie sich das vorgestellt hat, müsste das Fazit von Kate Moss zu ihrer Hochzeit mit Jamie Hince, dem Rocker von The Kills, lauten. Gerüchten zufolge nannten Nachbarn von Moss das Ereignis scherzhafter Weise „Mosstock“. Das Topmodel nahm sich das natürlich zu Herzen und stellte sich erstmal sechs Zirkuszelte in den Vorgarten. Von Champagner-Brunnen bis hin zu Pedi- und Manikürzelte durfte natürlich nichts fehlen. Auf der Bühne bildeten US-Rapper Snoop Dogg und Libertines-Mitglied Carl Barât die musikalische Untermalung des Ereignisses. Ein Abend wie er im Buche steht also. Dabei passt das Topmodel eigentlich gar nicht so richtig in die Modelbranche: Mit 1,70 Metern gleicht sie eher einem Standgebläse. Dennoch sind ihre Läufe über dem Catwalk fast schon so legendär und großartig, dass man sich fragen müsste, wo sie ihre Laufstelzen unter dem knieknappen Kleid gelassen hat. Wie eine Diva tummelt sie sich auf dem Laufsteg, die symbolische Kippe darf natürlich auch dort nicht fehlen.

Das Phänomen Moss

Dass Moss polarisiert, rechtfertigen ihre ständigen Exzesse und ihr ganz persönlicher Catwalk: Der Lauf auf des Messers Klinge. Die Modewelt bezeichnet sie aber als so rücksichtslos, dass sie dies selbst nur mit Drogen aushalten könne. Stichwort: Drogen. Kate Moss‘ brittischer Spitzname „Cocain Kate“ kommt nicht von ungefähr, denn das Kokain gehörte bei ihr einst dazu, wie ihre glamourösen Auftritte, bei denen sie wie eine Katze über den Laufsteg schleicht. Das Bild, das sich in den Köpfen der Modewelt fest brannte, war das 2005 vom Daily Mirror veröffentlichte Bild, als Kates Nase sich im Tonstudio des Skandalrockers Peter Doherty in ein paar Linien weißer Substanz wiederfand. Daraufhin kündigten ihr hochrangige Werbekunden wie H&M, das eine Anti-Drogenhaltung führt, und die britische Luxusmarke Burberry die Verträge. Einem Entzug und einem Entschuldigungsschreiben später war Kate „back for good“, wie man im Englischen so schön sagt. Und nicht nur das, sie war besser als je zuvor und stieg wie ein Phönix aus dem Koksbeutel in die Lüfte der Modewelt. Moss hat eben dieses gewisse Etwas und weit mehr als das. Sie hat etwas an sich, was andere Models nicht haben und auch nicht haben sollten, denn genau das macht das Topmodel, auf Platz 3 der bestbezahlten Models der Welt 2011, laut Forbes-Liste, so erfolgreich. Sie prägte den „Heroin Chic“ wie keine andere und ihr zierlicher Körper bringt auf dem Maßband nicht im Ansatz das für Models typische 90-60-90 zustande. Ihre schwarze Ringe unter den Augen kaschiert sie, indem sie ein Smokey-Eyes-Make up trägt und dabei riecht wie ein Duftsack in der Kombination Lilienblüte, Marlboro Lights und Rock´n´Roll – jedenfalls,  wenn man den Gala-Journalisten Roland Rödermund fragt, der sie Ende Mai zum Interview treffen durfte. „Durfte“ ist hier das richtige Wort, denn man muss schon fast von der Queen zum Ritter geschlagen worden sein, bevor man an der Tür der Diva kratzen darf.

Zusammenfassend kann man Moss Leben als „dressed for excess“ und das mit „success“ bezeichnen. Das Musikvideo der Band White Stripes ist nicht das einzige, in dem sie einen Glanzauftritt hinlegte: In dem Song „La Belle et la Bete“ der Babyshambles, der Band von Doherty, sang und fragte Moss mit rauchiger Stimme „Is she more beautiful than me?“