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Kann ein weltbekannter DJ noch unerkannt feiern? Paul van Dyk verriet es Slyle und plauderte mit Autorin Anita über seine Lieblingsfestivals, Musikerfreundschaft und darüber, ob es beim Tanzen Regeln gibt.

Du legst in Amerika, Asien, Australien auf. Jetzt bist du zurück in deiner Heimatstadt Berlin. Wie ist das für dich?

Paul van Dyk: Immer super. Ich bin halt ein Homie. Ich fühl mich besonders wohl hier und find’s auch immer wieder toll, in Berlin zu spielen. Das ist noch ein Stück weit mehr eine Herausforderung.

Was verbindest du mit Berlin?

Na, ich bin hier groß geworden. Meine prägenden Jahre als Teenager habe ich hier verbracht, somit verbinde ich natürlich einiges damit. Auch die elektronische Entwicklung in Berlin habe ich miterlebt.

Was hat sich an der Berliner Clubkultur verändert von der Zeit, als du als DJ angefangen hast, bis heute?

Aus der kleinen Subkultur ist die größte Musikkultur der Welt geworden. Berlin ist einer der Zielorte von Leuten aus der ganzen Welt, die diese Musik aufsaugen wollen und die Atmosphäre, die bei Veranstaltungen hier herrscht.

Also herrscht in der Musikstadt Berlin eine besondere Atmosphäre.

Das sowieso, aber nicht nur im Bereich der elektronischen Musik. Berlin ist an vielen Ecken, wo’s um Kreativität geht, einfach ganz, ganz weit vorn.

Ist es dann auch anders, hier aufzulegen im Vergleich zu anderen Städten oder Ländern?

Es ist überall anders, dazu muss ich nicht mal in verschiedene Städte gehen. Wenn ich in einer Stadt in zwei verschiedene Clubs gehe, wird auch das Publikum anders sein. Ich habe eine klare Vorstellung von dem, was ich musikalisch machen möchte. Alles andere ist abhängig von der Interaktion mit den Leuten. Insofern ist letztendlich jede Show anders.

Scheinbar kommt das überall an.

Wir tun unser Bestes.

Du legst auch viel auf Festivals auf. Was war denn dein erstes Festival, auf dem du als Besucher warst?

Das hieß Technozith und muss um 1990 gewesen sein, irgendwo in Lichtenberg in einem Warehouse mit zwei- bis dreitausend Leuten. Für die Verhältnisse damals war das relativ groß.

Hast du ein Lieblingsfestival?

Da gibt’s einige, die besonders sind. Coachella in den USA ist ziemlich klasse. Hier in Deutschland finde ich, ist Nature One nach wie vor eines der coolsten Festivals. Ansonsten stechen Greenfields oder SW4 in London heraus.

Gehst du privat gerne feiern?

Ich bin nicht so der Festivalgänger, der sich sein Survival-Pack packt und dann loszieht. Wenn ich zuhause bin, treffe ich mich lieber mit Freunden zum Essen. Meistens verquatschen wir uns und gehen dann nicht mehr weg. Aber wenn wir mal nicht so viel zu erzählen haben, gehen wir auch aus.

Kannst du denn noch inkognito feiern gehen?

Das Gute an Berlin ist, dass die Clubs alle ziemlich dunkel sind, da geht das dann. Man schlüpft so rein und dann ist man drin.

Du hast vorhin von einem Festival-Survival-Pack gesprochen. Was darf auf einem Festival nicht fehlen?

Wasser. Wenn man ein altes Telefon hat, eine extra Batterie für’s Telefon, ansonsten so ein Recharge-Ding für’s iPhone. Als Besitzer eines iPhones ist man ja Energie-Nomade: Man kommt irgendwo an und sagt ‚Kann ich mal?‘. Auch eine Zahnbürste sollte besser nicht fehlen.

Dein neues Album heißt Politics of Dancing 3. Gibt’s denn Regeln beim Tanzen?

Ja, ungeschriebene Regeln. Man ist nicht allein auf der Tanzfläche und sollte schon ein wenig aufpassen, dass man alle um sich herum umhaut. Die Namensgeben hat allerdings einen anderen Hintergrund:. Als die erste Politics of Dancing-Platte rauskam, sind sehr viele Clubs zugemacht worden. Es gab viele Probleme mit den Authorities, gerade in Großbritannien und den USA. Bei der Platte ging es ein Stück weit darum, darauf aufmerksam zu machen, dass die Tatsache, dass so viele Leute zusammenkommen, friedlich, und miteinander eine gute Zeit haben, letztendlich auch ein Politikum ist. Das ist heute auch noch so.

Deshalb drei Politics of Dancing Platten?

Ja, natürlich. Das hat sich nicht verändert. Es ist ja tatsächlich so, dass diese Musik sehr, sehr viele Leute zusammenbringt, auch aus unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen. Da feiern die Israelis und Libanesen gemeinsam. Es geht nicht darum, dass es Differenzen gibt, sondern darum, die Gemeinsamkeiten zu finden und die entsprechend auch miteinander zu zelebrieren.

Musik, die verbindet.

Absolut.

Apropos Politics: Gibt es ein Thema, das in der Politik zu wenig behandelt wird?

Ich glaube, dass in die Richtung Förderung von Kindern viel zu wenig passiert und vor allem im verkehrten Rahmen. Es geht nicht darum, den Eltern Geld zu geben, damit die Kinder zuhause bleiben. Dieses Geld sollte lieber in die Ausbildung unserer Sprösslinge gesteckt werden, um ihnen damit die Möglichkeit zu geben, eine wirkliche Option im Leben zu haben. Da muss noch viel mehr passieren! Man kann nur an die Politiker appellieren, endlich die richtigen Weichen zu stellen.

In deiner Laufbahn hast du schon mit sehr vielen Künstlern zusammengearbeitet. Hat dich jemand besonders fasziniert oder auch überrascht?

Meistens ist es tatsächlich so, dass es nicht die größten Popstars sind, die einen am allermeisten faszinieren. Durch die Musik habe ich einen meiner allerbesten Freunde kennengelernt, Johnny McDaid. Mittlerweile haben wir schon viel Musik gemeinsam gemacht. Er ist einfach ein fantastischer Musiker. Ob mit Snow Patrol oder beim Album von Ed Sheeran, das er mitgeschrieben hat – der Mann ist einfach begnadet. Und solche Freunde haben zu dürfen, finde ich, ist ein großes Privileg.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Als MTV noch Musikvideos gespielt hat, bin ich eines Abends vor dem Fernseher gesessen und habe ein Video seiner damaligen Band gesehen. Am nächsten Tag habe ich mir direkt die CD gekauft und bin ein riesiger Fan dieser Band geworden. Ich werde immer gefragt, was ich noch so höre außer elektronischer Musik und hatte in einem Interview in einem Magazin in Malaysia die Band Vega4 erwähnt, was die wiederum gesehen haben, als sie auf Tour in Asien waren. Sie hatten die Befürchtung, es gäbe vielleicht einen Act im Bereich der elektronischen Musik, der auch so heißt und haben sich im Büro gemeldet. Ich habe dann gesagt: ‚Ne ne, ich mein schon euch‘. Das nächste Mal haben wir uns in London getroffen und dann relativ schnell auch zusammen Musik gemacht.

Gibt es einen Kandidaten auf deiner Wunschliste, mit dem du unbedingt noch zusammenarbeiten möchtest?

Nein. Ich hab einfach nicht so eine Liste. Es gibt viele Leute, die ich sehr wertschätze, die fantastische Musiker sind oder Songschreiber, die was auch immer sie machen, sehr besonders machen. Aber es ist nicht so, dass ich eine Liste habe, die ich gerne abarbeiten möchte.