Wenn andere dich und deine Mitbewohner anschauen als hättet ihr ein Verhältnis, wie zwielichtige Cousins, deren Geheimnis man lieber nicht wissen möchte; wenn einer von euch das Gefühl hat von einem gleichgeschlechtlichen Ehepaar adoptiert worden zu sein und wenn ganz prinzipiell immer von dir im Plural gesprochen wird, dann könnte man meinen es läge ein psychisch pathologisches Gruppenproblem vor. Ganz falsch ist dieser Kurzschluss vielleicht nicht, doch möchte ich die Diagnose konkretisieren. So ist den Begrifflichkeiten des ersten Satzes der Kern meiner Analyse schon zugeschrieben, doch mache niemandem einen Vorwurf, der die dezent eingeführten Schlagworte in jeder einzelnen Zeile der Einführung übersehen hat.

Nun wo ihr den ersten Satz noch einmal gelesen habt, kann ich ja fortführen. Es geht also um die absurde Zusammengehörigkeit in Wohngemeinschaften, um die abstruse Vertraulichkeit, der vorweggenommen wird, dass herkömmlich freundschaftliche Beziehungen ihr nicht standhalten können. Wobei es mir genau genommen, um die Undurchschaubarkeit des Verhältnisses von Mitbewohnern für Aussenstehende geht. Vielleicht beziehe ich mich auf einen Einzelfall und doch hoffe ich, dass manche von euch verstehen wovon ich spreche.

Der meist beschränkte Raum den man mit mehr oder weniger fremden Menschen teilt, baut Spannung auf. Denn egal ob du, am Morgen nach einer wilden Nacht aussiehst wie, ich zitiere: „vom Teufel zerhackt“ oder aber enthusiastische Telefonate führst, deren Inhalt nicht für die Ohren Dritter bestimmt sind, genau das sind die Momente in denen dein Mitbewohner dir gegenübersteht und dich angrinst. Du kannst dich nicht verleugnen und das ist der Punkt der Entscheidung: entweder du ziehst aus oder du gibst dich hin. Gehen wir von Letzterem aus, denn darin liegt der Kern meiner Diagnose. Ihr werdet im romantischsten und gleichzeitig abartigsten Sinn Familie. Abartig, da ein Charakteristikum von Familie darin liegt, dass man sich die Mitglieder nicht aussuchen kann und du dich ganz freiwillig ähnlichen Zwängen und damit meine ich natürlich verschobene Forderungen und Erwartungen unterwirfst, denen du dich gerade entzogen hast. Romantisch, weil du trotz der Ferne zur Heimat ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entwickeln kannst.

Jede Herausforderung ist dieses Erlebnis wert. Denn auch, wenn die Anderen, wer auch immer sie sind, sich trockene Münder darüber reden, dass ihr zu selbstverständlich vertraut seid, um einfache Freunde und zu unähnlich um Geschwister zu sein, euch aus Unverständnis jegliche existente und nicht anerkannten sexuelle Orientierung andichten. Doch ist es eines der schönsten Dinge, die ihr erleben könnt. So ziehet zusammen und werdet Cousins und Cousinen, adoptiert euch gegenseitig, denn das Gefühl sich in der Gemeinschaft verlieren zu können bedeutet zu Hause zu sein.