Am Kanalufer sitzen und Vanilla Latte schlürfen, danach mit dem Hollandrad die neue Metropole erkunden: Autorin Anne Juliane hat im vergangenen halben Jahr genau das gemacht. Die folgenden Tipps verraten, wie man Amsterdam am besten genießt. Unbedingt nachmachen!

Rollend den Kanal entlang

Mit dem „fiets“ durch die Stadt: Ganz Amsterdam ist ein Fahrradweg, nirgendwo sonst ist diese Art der Fortbewegung so schön und unanstrengend. Das Motto: Hauptsache es rollt! Hollandräder, die eiern oder total verrostet sind, dienen dem Schutz vor Langfingern. Und weil hier niemand Helm trägt: Zopfgummi lösen und mit offen Haaren dem Wind entgegen düsen. Los geht die Stadterkundung!

Startpunkt mit Fahrradverleih: Leidseplein/Weteringschans 2

60er Jahre im Café Latei

Eingangstür auf, schon wird die Zeit zurückgedreht: An den Wänden klebt Omas Tapetenmuster, im Hintergrund tönen die Beach Boys, Kitsch ist allgegenwärtig. Diese Retro-Perle ist voll gepackt mit Möbeln, Geschirr, Ramsch – sorgfältig ausgesucht auf Flohmärkten in Belgien und Frankreich. Alles ist käuflich – auch die Teekanne, aus der es wohlig nach Pfefferminz duftet. Tipp: Unbedingt den „Dutch Applepie“ probieren! Hier gibt’s das beste (und wohl größte) Stück der Stadt. Serviert wird selbstverständlich mit fettem Sahneklecks.

Zeedijk 143, 1012 Amsterdam

Bunt, bunter, Albert Cuyp Markt

Hollands populärsten Markt gibt es seit 1905 und noch immer lockt er gleichermaßen Schnäppchenjäger, Feinschmecker und Straßenmusikanten. Ob Obst, Gemüse und Frischblumen aus der Region, Fisch, französische Parfümflakons, Perücken, gemusterte Stoffe und selbst gebastelter Schmuck aus Somalia oder warme Sirupwaffeln: Die 250 Marktstände erfüllen aber auch jeden Wunsch. Und wund gelaufene Touristenfüße zaubert die chinesische Fußmassage garantiert wieder fit.

Albert Cuypstraat, 1072 Amsterdam

Entspannt im Vondelpark

Rennende Rentner, gut gebaute Skateboarder und begabte Freizeitmusiker bestaunen: Der Vondelpark macht‘s möglich. Wer genug vom Menschenbeobachten hat, der kann auch rauchend im Gras liegen, das stört hier kaum jemanden. In der unmittelbaren Umgebung finden sich zahlreiche Coffeeshops, die seit den 1970er Jahren das Stadtbild prägen. Trotz diverser Gesetzesentwürfe tun sich niederländische Behörden (und erst recht die Ladenbesitzer) schwer mit dem Verbot von Haschisch- und Marihuanakonsum. In dem Sinne: Guten Zug!

Museumkwartier Amsterdam

Goodbye Geldschein!

Zu viel Knete im Portemonnaie? Mein Glückwunsch, etwas Neid und dieser Tipp: Ab zu den „De Negen Straatjes“, einer Einkaufsmeile, die sich auf neun ansehliche Gassen verteilt. In den Häusern aus dem 17. Jahrhundert verbergen sich nicht nur kleine Boutiquen, Kunstausstellungen, Souvenir- und Delikatessengeschäfte, sondern auch Stores talentierter Nachwuchsdesigner.

Was für echte Mädchen: Im „The Darling“ gibt’s zu den angesagten Klamotten pastellfarbene Cupcakes. Dazu spendiert die Besitzerin Cappuccino, Stylingtipps und die neusten Modetrends – herzallerliebst!

De Negen Straatjes, 1016 Amsterdam

Zum „Tatort“ ins Café Brecht

Sonntagabend und Bock auf Gemütlichkeit? Dann ab ins Café Brecht, dort flimmert tatsächlich der „Tatort“ über die Leinwand. Allerdings: Sich auf die Mördersuche zu konzentrieren, fällt nicht leicht – zu einzigartig ist die Einrichtung. Mit Samt bezogene Vintage-Möbel wollen bewundert werden. DDR-Geschirr weckt mitunter Kindheitserinnerungen und irgendwie ist alles sehr Ost-Berlin. Nur die Hipster am Nachbartisch geben sich herrlich unbeeindruckt.

Weteringschans 157, Amsterdam