Man glaubt, in Berlin schon alles gesehen zu haben: wortgewaltige Poetry Slammer, sprechende Kuscheltiere in Schmusetiersoaps, leidenschaftliche Diary Slammer bis hin zu Kiezbingo mit Travestie-Moderatoren. Doch unter den Slammern hat sich in den letzten Jahren eine neue Gruppe hinzugesellt, die gerne voreilig als Nerds abgestempelt werden – die Science Slammer. Wissenschaft als Abendunterhaltung? Ob das funktioniert, hat sich Autorin Josefine mal angeschaut.

Wie unterhaltsam Wissenschaft sein kann, wissen wir spätestens seit der Comedy Sitcom „The Big Bang Theory“, in der Dr. Sheldon Cooper und seine Freunde mit abstrakter Quantenphysik und physikalischen Naturgesetzen unsere Herzen im Sturm – oder besser in „c“ Lichtgeschwindigkeit – eroberten.

Während es für mich in der Serie an vielen Stellen doch an der nötigen fachlichen Verständlichkeit mangelt, versuchen Science Slammer dagegen recht erfolgreich, Laien die kleinen und großen Alltagsphänomene aus Physik, Medizin, Geisteswissenschaft oder Chemie in experimenteller Weise näher zu bringen.

Aber wo verstecken sich dem Klischee nach Wissenschaftler? In dunklen, abgeschlossenen Räumen, abgeschottet von der Außenwelt. In den alten Gemäuern des SO36 in Kreuzberg werde ich fündig. Die Räume sind bereits gut besucht, freie Plätze eher die Seltenheit. Das Publikum ist jung, dynamisch, multikulti. Einmal im Monat treten hier Nachwuchswissenschaftler auf unterhaltsame Weise in einem Wettstreit gegeneinander an und versuchen dabei, wie bei anderen Slams auch, den lautesten Applaus des Publikums für sich zu gewinnen.

Die Regeln sind ganz einfach: 100% eigene Forschung, 100% Authentizität, 0% Fremdwörter, keine Langeweile – und das alles verpackt in zehn bühnenreife Minuten. Dabei kann es schon mal zu irrwitzigen und spannenden Erkenntnissen kommen: Anakondas haben Beine und machen Gang Bangs, neben Mutter Erde könnte es auch noch einen Vater Mond geben, und wenn man etwas beobachtet, dann bewegt es sich nicht. Oder so ähnlich.

Aber was fasziniert uns so an der Wissenschaft?

„Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, dass die Dinge sind, wie sie sind“, meinte schon Aristoteles vor gut 2300 Jahren. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Neugier, den Dingen ganz genau auf den Grund gehen zu wollen, hat auch Science Slam Moderator Simon Hauser beobachtet:  „Irgendwann stellen die Menschen fest, dass ihre Existenz nach Antworten verlangt und dass wir nach Sinn suchen; und wir wollen auf unserer Bühne Antworten präsentieren.“

Wahrscheinlich macht genau das auch den Reiz beim Science Slam aus: Es geht nicht darum, abstrakte wissenschaftliche Phänomene und Formeln bis ins letzte Detail zu verstehen, sondern neugierig zu bleiben und vielleicht ab und zu über die komische Logik unseres Universums zu staunen, zu lachen und immer wieder mal über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Neugierig geworden? Science Slams gibt es auch in Hannover, Heidelberg, Potsdam, Rostock und anderen größeren Städten. In Berlin findet der nächste am 6. Januar 2014 statt.