Von Kitsch und koreanischen Dramen, die unsere Vorstellung von der großen Liebe beeinflussen - und was wir daraus lernen.

Wie jeden Donnerstag traf ich mich mit einer Freundin zum wöchentlich, dekadenten Dinieren in der Hochschulkantine. Das ist unser kleines Ritual, die Vorlesung ausfallen lassen und dafür in der Mensa essen und den neusten Gossip austauschen. Man hat ja sonst kaum Zeit, weil man als Student sehr beschäftigt ist, naja meistens. So trafen wir uns also mehr oder weniger zwischen Tür und Angel, zwischen Schnitzel und Kartoffelbrei in einem Meer von hungrigen und durcheinander sprechenden Studenten. Nachdem wir endlich einen Platz ergattert hatten und wir unser wohl verdientes Essen zu uns nahmen, dauerte es auch gar nicht lange, bis wir anfingen uns den neusten Tratsch zu erzählen. Irgendwann kamen wir schließlich auch auf die Liebe zusprechen, klar wie sollte es auch anders kommen. „Und, was läuft da eigentlich zwischen dieser Beatrix und diesem Felix? Sind die jetzt schon zusammen? Die haben sich doch erst kennengelernt! Das ging irgendwie voll schnell ... “, fragte mich meine Kommilitonin a.k.a. my sister from another mother.

Was wusste ich schon. Mir doch egal, sollen die doch zusammen sein, dachte ich mir. Aber eigentlich war ich ein bisschen neidisch, denn anscheinend hatten sich zwei - in Rekordzeit - gesucht und gefunden.

„Ist doch schön wenn man den Traumpartner gefunden hat.“, erwiderte ich nur.

Na klar, ist es schön wenn man die richtige Person getroffen hat, mit der man bis ans Lebensende gehen kann. Doch dieser besagte Traumpartner: Wie sieht der eigentlich aus? Was macht eine Person überhaupt zu einem Traummann beziehungsweise zu einer Traumfrau? Um ehrlich zu sein, wusste ich das nicht. Und weiß es immer noch nicht. Außerdem sind Geschmäcker bekanntermaßen verschieden. Ich weiß zum Beispiel, dass viele meiner männlichen Freunde auf Megan Fox stehen oder diese Kate Upton, die einem Komplexe macht, weil sie noch so jung ist, aber irgendwie total gut aussieht. Trotzdem habe ich von nichts eine richtige Ahnung. Weiß nichts Ganzes und nichts Halbes. Doch bei einer Sache bin ich mir so ziemlich sicher: Ich weiß, wie mein Traummann aussehen soll, besser gesagt wie er sein soll.

Zurück zu den Schnitzeln. Ich zählte also die verschiedensten Eigenschaften auf, die in dieser Kombination gar nicht zusammenpassten. Zumindest nicht in der Welt, in der wir leben.

„Gut aussehen sollte er, intelligent sein, vielleicht noch aus einem gutem Hause kommen, sportlich, musikalisch, treu, lustig, lebensbejahend und ein Herz für Kinder, alte Menschen sowie Tiere haben. Ach und wenn er noch umweltbewusst ist, wäre das ein Traum. Oder anders gesagt: Perfekt! Leider, gibt es solch einen Mann wahrscheinlich nicht im realen Leben, das heißt ich habe ihn noch nicht gefunden. Ich bin schließlich ein optimistischer Mensch.“

Als ich das sagte musste ich lachen, über mich und über meinen Traummann.

Die Antwort, die ich darauf erntete waren nur ein schiefer Blick und die Feststellung, dass ich wohl zu viele Filme schaue. Stimmt! Obwohl - ... vielleicht waren es diese koreanische Dramen, die mich glauben ließen, da draußen gäbe es solch einen Mann.

Vor einiger Zeit bin ich zufällig auf „Boys Over Flowers“ aufmerksam geworden und die Kenner unter euch werden wissen, dass dieses Drama ein mächtiger Erfolg war.

Koreanische Dramen, oder auch K-Drama genannt, sind circa 20 Folgen lange Miniserien aus Südkorea.
Es gibt natürlich verschiedene Arten von Dramen, aber die Rede hier ist von diesen kitschigen, total romantischen und verträumten Dramen, in denen alles perfekt ist und am Ende immer alles gut wird. Koreanische Dramen sind schön, aber leider total an der Realität vorbei. Trotz oder gerade wegen dieser Realitätsferne sind sie vor allem in Ost- und Südostasien sehr beliebt, da sie eine perfekte Liebesgeschichte projizieren, ja ein modernes Märchen könnte man meinen. Die Protagonisten in den Dramen weisen alle ein makelloses Erscheinungsbild auf, leben in einem schönen Haus und haben neben intriganten Familienmitgliedern vor allem Geld. Der vermeintliche Traumboy kommt natürlich aus einer solch wohlhabenden Familie und alle Mädchen stehen auf ihn. So cool wie er ist, lässt ihn das alles kalt – naja, ein bisschen „bad boy attitude“ kann ja auch nicht schaden. Nach dem Motto „Harte Schale, weicher Kern“ ist er tief im Inneren eigentlich ein echter Romantiker und würde alles für seine große Liebe tun.

Und da wären wir auch schon bei dem unscheinbaren, netten Mädchen, welches aus einer einfachen Familie kommt – sozusagen das Aschenputtel. Die Rolle dieses Mädchens ist eher einfach gestrickt. Sie ist das Mädchen von nebenan, mit der sich jeder identifizieren kann. Für sie zählt nur die große Liebe, das erste Herzrasen, das erste Händchen halten, eine zärtliche Umarmung und der erste Kuss. Und was passiert also? Genau, der Traumboy verliebt sich ausgerechnet in dieses unscheinbare Mädchen. Fortan versucht er alles um ihr Herz zu erobern, denn er will sie oder gar keine. Auch wenn die unterschiedlichen, sozialen Umstände ein kleines Hindernis in der jungen Liebe darstellen, gibt es nach etwa 20 Folgen – was haben wir auch anderes erwartet – ein Happy End.

Ja, es ist süß, ja es ist nicht die Realität, aber das ist gut so. Denn letztendlich zeigen solche Dramen eigentlich das, was Frau sich insgeheim wünscht, oder?

Wieder die Schnitzel. Nach unserer Diskussion über koreanische Dramen, die uns ein verblendetes Bild von der Liebe geben, war ich frustriert. Denn mein Essen war längst kalt geworden und ich musste mir eingestehen, dass mein Ideal von Mann nicht von dieser Welt ist. Mein Fazit lautet also: Der Mann im echten Leben muss für mich kein reicher Schönling sein, viel wichtiger ist es, dass man auf der selben Wellenlänge ist, sich gut versteht und viel miteinander lachen kann. Schließlich ist ein Traumpartner erst dann perfekt, wenn er bei all den Klischees und Vorstellungen auch wirklich zu einem passt. Denn wie heißt es doch so schön - „Zu jedem Topf passt ein Deckel“. Ergo, der Deckel kann also noch so schön sein, aber wenn er nicht auf den Topf passt, ist es wohl nicht der „Traumdeckel“.