Dass Mode und Musik gut zusammenpassen, beweisen die Jungs von The Sexy Kids Revolution. Das junge Modelabel hat schon mit verschiedenen Künstlern kooperiert. Im entspannten Kreis traf sich unsere Autorin Thu mit Dax und Vitali von TSKR, die im Interview Rede und Antwort standen.

Hallo, stellt euch doch bitte erst einmal vor. Wer seid ihr, was macht ihr und woher kommt ihr?

Dax: Ich bin Dax, wohne seit 1,5 Jahren in Berlin, studiere nebenbei im Master und mache seit knapp zwei Jahren dieses „TSKR Ding“. Seit dieser Kollektion ist Vitali mit dabei. Wenn es gut läuft und das tut es im Moment ja, dann wird es in der Zukunft noch mehr Sachen in dieser Collabo geben.
Vitali: Vitali Gelwich – mein Name. Ich komme ursprünglich aus Russland, wohne aber mittlerweile seit fünf Jahren in Berlin. Wenn ich nicht gerade in der Uni bin, dann fotografiere ich viel. Seit kurzem bin ich auch bei TSKR und für den ganzen visuellen Kram zuständig.

Woher kam die Idee ein Modelabel zu gründen?

Dax: Es kam eines sehr spontanen Weges. Ich habe das ursprünglich mit meinem besten Freund Gerrit gestartet, der nebenbei auch als Musikproduzent arbeitet. Dadurch hatten wir erste Kontakte zur Musikindustrie. So haben wir mit einigen Künstlern zusammengearbeitet und Parties veranstaltet. Irgendwann dachten wir, dass es vielleicht ganz lustig wäre Shirts für unsere Freunde zu machen. Dann haben mit der Zeit immer mehr Leute gefragt, wo man die Sachen kaufen kann und so kam alles peu a peu. Es war nie geplant ein Label zu gründen. Wie gesagt: Es war alles sehr spontan und ist nach und nach großer geworden.

The Sexy Kids Revolution – wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Dax: Das ist eigentlich eine ganz banale Geschichte und zwar war das Gerrits Idee. Gerrit hatte ein Lied produziert, für einen Künstler namens RAF Camora aus Berlin. Er hat sich den Namen quasi aus dem Nichts ausgedacht. Da ich früher immer die ganzen Beats von Gerrit bekommen habe, um sie Probe zu hören, bin ich auf den Namen gestoßen und fand ihn sehr cool. Mit „Revolution“ kann man immer was machen, dachte ich mir und „sexy kids“ hat auch ganz gut gepasst, weil wir damals noch etwas jünger waren. Wir haben eigentlich nicht lange darüber nachgedacht, wir fanden den Namen einfach cool.

Mit welchen Schwierigkeiten musstet ihr euch zu Beginn der Labelgründung auseinandersetzen?

Dax: Am Anfang war es schwierig, da wir keine wirkliche Struktur hatten – sprich kein E-commerce, keinen Onlineshop. Wir haben alles per Mail abgewickelt, was sehr aufwendig war. Auch hatten wir noch keine große Reichweite und sind auch mal auf den Sachen sitzen geblieben. Aber das ist bei jedem Label am Anfang so – man geht ein Risiko ein.

Facebook ist eine Plattform, auf der ihr sehr aktiv seid. Auf eurer Facebook-Page gibt es zum Beispiel oft Zitate aus Songtexten. Würdet ihr sagen, dass die Musik euch am meisten inspiriert? Was hört ihr so?

Dax: Ja, auf jeden Fall! Musik ist mir sehr wichtig und inspiriert wahnsinnig. Ich achte bei Songs auch sehr stark auf die Texte. Wenn ich sehe, dass man so eine Plattform wie Facebook hat, mit Leuten, die das ebenfalls feiern, dann möchte ich das auch weitergeben.
Vitali: Ich denke auch, dass Musik und Mode auf einer gleichen Wellenlange sind. Bei Künstlern wie Asap oder Jay-Z sieht man das auch ganz gut. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Labels zusammen und konstruieren selbst ein bestimmtes Bild nach außen. Ich denke, dass das aufeinander aufbaut und beide Seiten sich gegenseitig inspirieren.
Dax: Wir identifizieren uns ja auch mit den Künstlern. Ich würde nie etwas posten, was ich nicht abfeiern würde. Das wollen wir auch transportieren, weitergeben und supporten. Support von Künstlern, die wir gut finden, ist ein toller Nebeneffekt. Ich persönlich höre verschiedene Sachen. Aber wenn ich mich für ein Genre entscheiden müsste, dann wäre es Rap.
Vitali: Ich höre auch viel Rap. Aber auch Pop, Indie und elektronische Musik. Es ist ein Mix aus verschiedenen Richtungen.

Neben musikbezogenen Posts kann man hin und wieder Posts mit einem Bezug zu Vietnam sehen. Beziehungsweise gab es auch die Bezeichnung „a German – Vietnamese friendship“? Ist es euch wichtig Vietnam auf irgendeine Art und Weise zu repräsentieren?

Dax: Ja, dass stimmt. Am Anfang war es auch noch relevanter für uns, da wir noch Parties veranstaltet haben, auch Asia Parties. Der ursprüngliche Gedanke war beide Kulturen zusammen zu bringen – sowohl die asiatische als auch die westliche. Jetzt gehen wir in eine andere Richtung und es ist nicht mehr so im Vordergrund. Die Leute, die sich damit befassen, wissen: „Okay, da ist vielleicht einer dabei, der vietnamesische Wurzeln hat.“ Aber wie gesagt: Das hatte in der Vergangenheit mehr Priorität und ist jetzt für uns nicht mehr so ausschlaggebend.
Vitali: Wir wollen das uneingeschränkter von einem gewissen Standpunkt machen, internationaler und uns nicht auf ein bestimmtes Land oder Sonstiges festlegen. Es soll jeder angesprochen werden und unterschiedliche Menschen sollen sich mit dem Label identifizieren können. Der Wandel im Namen macht es auch nochmal deutlich: Wir wollen nicht nur sexy und cool sein, sondern alle Leute ansprechen, die unsere Sachen gut finden und deswegen auch der Begriff „Revolution“ für diese kleine Bewegung.

Heutzutage ist es vor allem im kreativem Bereich en vogue verschiedene Elemente zu verbinden. Wie Vitali bereits angesprochen hat: beispielsweise bei Mode und Musik. Collaborations sind also eine tolle Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und gemeinsam etwas Schönes zu schaffen. Wie kam es zu der Collaboration zwischen TSKR & VTL GLWCH?

Beide: Über Lance Butters.
Vitali: Eine Freundin aus einer Modelagentur und ich haben uns mal unterhalten und irgendwie sind wir auf das Thema Rap gekommen. Sie meinte: „Ey, mein Homie ist Lance Butters.“ Ich kannte ihn auch über einen Kumpel, der mir mal Videos auf Youtube gezeigt hat. Dann haben wir uns in Verbindung gesetzt, woraufhin ich später ein Shooting mit Lance hatte, wo Dax auch dabei war. So haben wir uns kennengelernt, sind ins Gespräch gekommen und haben über die Zeit entschieden zusammen zu arbeiten.

Des Weiteren sind eure Kollektionen streng limitiert. Setzt ihr auf Nachhaltigkeit oder wollt ihr den Rahmen der Exklusivität eingrenzen? Quality over quantity?

Dax: Sowohl als auch. In Zeiten des Internets kann man das ja schlecht kontrollieren, wer die Sachen kauft. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Aber wenn jetzt ein Kunde kommt, mit dem ich mich vielleicht nicht so gut identifizieren kann, dennoch vor dem PC „campt“ um die Sachen zu bestellen, dann ist es eben so. Persönlich ist es uns schon wichtig, dass nicht jeder die Sachen trägt beziehungsweise nicht so viele. Denn übersteigert man den Wert einer Sache, zeigt es die Raritat dieser. Wir wollen rar bleiben.
Vitali: Wir wollen damit auch „Danke“ an die Fans sagen, die die Seite verfolgen. Durch die Limitierung gibt es die Sachen – logischerweise – ab einem gewissen Punkt nicht mehr. Dann ist es halt weg und wird auch nicht nachproduziert. Wir sagen „Danke“ an die Leute, die an uns glauben und unser Zeug kaufen und dafür jetzt ein Teil besitzen, welches es je nach Auflage nur 100 oder 150 mal gibt.

Ich komme nochmal auf das „sexy“ zurück. Was ist für euch sexy, was findet ihr sexy?

Beide: Frauen und Autos.
Vitali: Eine goldene Leica.
Dax: Die ganzen oberflächlichen Sachen. (lacht)
Vitali: Ja, es kann auch gut möglich sein, dass es noch ziemlich sexy wird bei uns.

Da wir schonmal beim Thema „Sexiness“ sind. Was unterscheidet euch von anderen Labels? Was macht euch besser, sexier?

Vitali: Ich glaube, das sind die Kooperationen mit gewissen Leuten wie zum Beispiel Lance Butters und der Fakt, dass wir immer ein bisschen an die Musik denken und das verinnerlichen. Es gab auch schon ein Musikfestival oder Parties mit K.I.Z. und Casper. Und ich habe noch eine etwas modeaffine Seite und kann das ebenfalls mit einbringen.

Interessant finde ich auch den Boom an Modelabels: In letzter Zeit scheinen immer mehr junge Menschen ein Label zu gründen. Alle bedrucken plötzlich Shirts oder Jutebeutel – hauptsächlich aus Spaß, aber vielleicht auch um ein kleines Label aufzubauen, wovon man eventuell leben kann. Wie steht ihr dazu? Heißt ihr das gut oder denkt ihr eher: „Nein, muss nicht sein.“?

Dax: Auf der einen Seite finde ich das gut, denn ich bin ein Fan von Leuten, die was eigenes starten und für eine Sache kämpfen. Es ist natürlich eine Frage der Qualität, aber ich kann das auch nicht haten. Dennoch finde ich es etwas albern gleich eine Fanseite bei Facebook zu erstellen – das muss nicht sein. Vom Prinzip her finde ich es aber sehr cool und unterstütze das sehr – egal ob jemand Musik macht oder Klamotten produziert. Das finde ich sehr gut und am Ende des Tages wird sich auch die Qualität durchsetzen und die Spreu vom Weizen trennen. Letztendlich werden die Leute mit dem längerem Atem sich durchsetzen. Ich denke, da wird dann sehr gut selektiert.
Vitali: Ja, sehe ich persönlich genauso. Nervig ist, dass es so eine allgemeine Bewegung ist und plötzlich jeder und alles eine Fanseite haben muss. Sei es der Hund von einer Person, jedes Model, wo ich mir dann persönlich denke: „Muss nicht wirklich sein.“ Aber teilweise muss ich auch sagen, dass ich auch mit meiner Seite angefangen habe und meine ersten zehn, 50 Likes hatte, was mir viel gebracht hat. Und das ist der Punkt: Man muss den Leuten beweisen dass man es ernst meint! Wichtig sind Langlebigkeit, Mut und Wille. Und wenn das alles gegeben ist, dann Vollgas!

Ihr habt mittlerweile eine relativ große Fanbase und die Leute feiern eure Sachen. Wie fühlt sich das an? Seid ihr bis jetzt zufrieden mit dem, was ihr erreicht habt?

Dax: TSKR ist zum Teil eine Sache, mit der wir mittlerweile unseren Lebensunterhalt verdienen, was natürlich super cool ist, wenn man mit seinen eigenen Sachen sich eine Pizza kaufen oder die Miete zahlen kann. Das wollte ich immer damit schaffen und das fühlt sich sehr sehr gut an. Aber trotzdem haben wir noch so viel Demut und gehen nicht auf die Straße und sagen, dass wir die Allergrößten seien. Ganz im Gegenteil: Wir wollen TSKR einfach noch größer und in unseren Augen noch cooler machen. Es muss auch nicht mal erfolgreicher sein, das kommt dann mit der Zeit. Wir wollen uns weiterentwickeln und immer weiter machen. Wie gesagt: Es fühlt sich gut an etwas eigenes geschaffen zu haben.

Und wie war das in eurer Jugend, habt ihr damals viel Taschengeld bekommen?

Dax: Ich glaube mit 13 habe ich mein erstes Taschengeld bekommen, das waren so fünf Euro die Woche. Mit 14 habe ich auch angefangen nebenbei zu jobben und alles Mögliche gemacht. Zeitungen ausgetragen, in der Imbissbude gearbeitet, ... Mir war es schon früh wichtig mein eigenes Geld zu verdienen. Ich habe auch gemerkt, dass für andere arbeiten nicht so mein Ding ist. Ich glaube, ich kann da auch für uns beide sprechen, dass wir unsere Kraft und Energie lieber in eigene Projekte stecken. Die Freude ist umso großer, wenn es geklappt hat und man nicht mehr auf andere angewiesen ist.
Vitali: Bei mit war es ähnlich. Meine Mutter war alleinerziehend und ich habe damals vielleicht so 20 Euro im Monat an Taschengeld bekommen. Mein erster Nebenjob war mit 13 Jahren. Ich habe Zeitungen ausgetragen und auch sehr viel an der Kasse gearbeitet. Nach dem Gymnasium und dem Zivi bin ich nach Berlin gekommen und habe bisschen in der Modebranche und viel in der Gastronomie gearbeitet und viele Leute kennengelernt. Als Fotograf habe ich auch viel Equipment und da wird man auch mal gefragt wie ich mir so eine teure Kamera leisten kann. Aber alles, was ich bis dato hatte, habe ich mir selbst erarbeitet. Es ist schön, mit dem was man macht auf eigenen Beinen stehen zu können. Auch ist es schön zu wissen, wie hart Arbeit sein kann und zu wissen, wie es ist sich für andere Leute den Rücken krumm zu arbeiten. Ich will nicht sagen, dass meine Arbeit nicht hart ist, vielleicht teilweise sogar härter? Aber ich mache das mit sehr viel Liebe und das ist halt das Größte. Seine Arbeit zu machen, die einem auch noch Spaß bereitet. Ja, das ist ziemlich nice.

Aller guten Dinge sind drei, aus diesem Grund: Nennt uns drei Websites oder Songs, auf die ihr nicht mehr verzichten wollt.

Vitali: Bei mir ist das momentan Instagram, dass habe ich vor einigen Monaten für mich entdeckt. Ich folge da vielen Labels und Künstlern und man bekommt unheimlich viel Input. Dann noch das HUH Magazine und natürlich highsnobiety.com.
Dax: highsnobiety.com verfolge ich auch regelmäßig und was ich mir nicht täglich, aber schon jede Woche anhöre, ist das erste Album von Nas „Illmatic“. Dadurch habe ich angefangen mich intensiv mit Musik zu befassen. Was momentan auch noch im Loop lauft: „AM“, das aktuelle Album der Arctic Monkeys.

Last but not least: Bitte ein paar abschließende Worte auf Russisch und Vietnamesisch!

Vitali: Nastrovje. Das heißt „Zum Wohl“ oder „Prost“. Das sagen wir in Russland, wenn wir mit unserem Wodka anstoßen. (lacht)
Dax: Chuc suc khoe. Viel Gesundheit.