Das Nokia 1112 und Samsung E10802

Neukölln, Kreuzberg und jetzt sogar Mitte: aus der Welt der Hipster und Szene-Leute ist das digitale Telefonieren und Sms-Versenden nicht mehr wegzudenken.
Besonders beliebt sind dafür das Nokia 1112 und das Samsung E1080w. Zwei Handys, die das multimediale Gesamtkunstwerk versprechen. Ob in Szene-Clubs, -Bars, oder bei der neusten Magazin-Release-Party: überall sieht man sie am Ohr der trendigen 16-36-Jährigen originelle Informationen über das neuste „Weeknd“-Album oder die aktuellste „Garage“-Uniform transmitten.
Wir haben uns einmal für euch die Mühe gemacht, dem Phänomen Hipster-Handy auf den Grund zu gehen und seine wichtigsten Features zusammengestellt.

Das Ironie-Feature:
Das  Nokia 1112 und das Samsung E1080w strotzen nur so vor Ironie und Ausdruck einer antimaterialistischen kapitalistischen Grundeinstellung. Das innovative „no camera“-Konzept erlaubt es dem uniquen Individuum, vor allem in Touristengegenden so richtig aufzutrumpfen. Wer hier mit einem Samsung E1080w oder noch besser mit einem Nokia 1112 auftritt, wird gesehen und will gesehen werden. Der Vorteil: neuste Ironen-Technik ironisiert jeden Fehltritt. So kann man mit dem Hipster-Handy in der Hand auch mal den Schritt zum Bockwurststand oder zu ZARA wagen. Dabei liegt das oldschool Nokia 1112 knapp vor seinem Konkurrenten, der mit Farbdisplay und modernem Design dis-fällt. Für den ganz Trendigen kann dieses Meta-Ironie-Gimmick jedoch auch den subtilen Reiz des Samsung ausmachen. Für diejenigen, die der Ironie mit Ironie über die Ironie entkommen möchten, ist dieses Handy also genau die richtige Wahl. Dem Otto-Normal-Hipster, der die subversive Erfahrung nicht sucht, reicht hingegen das Nokia 1112.

Das Konnekting Feature:
Laut Hersteller erlauben einem das Nokia 1112 und das Samsung E1080w, mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, die einem besonders wichtig sind. Es soll uns einfach leichter gemacht werden, „die kleinen Freuden des Lebens zu genießen“. Dieses Versprechen halten beide Handys! Der begrenzte Speicher im Telefonbuch macht es möglich, nur mit den angesagtesten Freunden in Kontakt zu bleiben und das Löschen alter Bekannter aus dem Heimatdorf wird durch intuitive Menüführung zum Kinderspiel. Innerhalb weniger Handgriffe schafft man so Platz für neue, bessere „Leute“. Dabei sehen sich die Hipster-Handys als erfrischendes Komplement zu Facebook und Co., wo man auch mal schnell zum Szene-Verlierer degradiert werden kann, wenn man zu wenige Freunde sein Eigen nennt.
Mit der begrenzten Anzahl an Klingeltönen gelingt es einem zudem, seinesgleichen durch Anklingeln schon von Weitem im nächsten Szenecafe ausmachen zu können. Oft kann dies jedoch zu peinlichen Missverständnissen führen, wenn man beispielsweise den verloren gegangenen besten Freund in der Szene-Crowd anruft und von überall die Handys gezückt werden. Laut Hersteller können  aus solchen Peinlichkeiten aber auch neue Bekanntschaften entstehen.

Das „I Don‘t Care“-Feature:
Das Samsung E1080w macht es besonders leicht, nicht zugeben zu müssen, dass man ein Hipster- Handy besitzt, weil man ein Hipster ist. Durch den billigen Preis kann man seine prätentiösen Absichten einfach auf das unschlagbare Angebot und sein kleines Graphikdesign-Einkommen schieben. Wie kein anderes Handy erlauben diese beiden, eine Unbekümmertheit vorzutäuschen, die schier unglaublich ist: „Das war einfach das Handy, das die mir dazugegeben haben! Ich wusste nicht, dass es ein Hipster-Handy ist!“.
Leider ist das Nokia 1112 nicht mit dem „I don‘t care“-Feature ausgestattet, denn um ein Exemplar des Klassikers in Besitz nehmen zu können, bleiben einem viele anstrengende Stunden vor Ebay nicht erspart.

Das Kapitalismus-Feature:
Das Samsung E1080w trumpft noch mit einem weiteren Feature auf!
Die unzähligen Tastenkombinationen, die bei Tastensperre einen Emergency-call auslösen, erlauben es, in jeder peinlichen Gesprächspause – aus Versehen – den ersehnten Notruf auszulösen und damit auf seine körperliche Unversehrtheit und hohen potenziellen gesellschaftlichen Mehrwert aufmerksam zu machen. Das Nokia mit seinen lediglich drei Emergency-Tastenkombis lässt es hingegen äußerst unglaubwürdig aussehen, wenn man schon wieder 112 angerufen hat. Hier besteht sogar die Gefahr, als aufgeflogener Hipster schnell ins virtuelle Abseits zu geraten.

Das Entertainment-Feature:
Da sich Szene-Menschen nicht gerne über den neusten „Diablo“-Teil oder das neuste „Call of Duty“ unterhalten, bieten das Nokia 1112 und das Samsung E1080w ein Unterhaltungskultur-Gesprächsthema der etwas individuelleren Art. Nicht über den neusten Blockbuster muss dann philosophiert werden; die beiden Handys machen es möglich, sich intensiv über Snake 2 oder dieses komische Indiana Jones-Spiel auszutauschen. Da Snake 2 auf dem Nokia sogar Labyrinthe enthält, ist für unbegrenzten alternativen Gesprächsstoff gesorgt.

Abschliessend stellen wir fest, dass beide Handys mit ihren Features das Leben des Hipsters erleichtern und seinem vita superficiale den gewissen Touch geben können. Das Nokia 1112 besticht durch auffälliges Oldschool-Design und schlichtes Schwarzweiß-Display. Die etwas anspruchsvolleren Hipster werden jedoch lieber zum Samsung E1080w greifen, da seine Ironisierungs-Funktion ausgefeilter und seine „I don‘t Care“-Attitüde abgestimmter ist.  
Preislich bewegt sich das Nokia 1112 neu bei 40€ (erhältlich bei Ebay, Ebay-Kleinanzeigen und anderen). Das Samsung ist mit 20 € weitaus günstiger und bei jedem Mediamarkt, bzw. meistens bei Abschluss eines Base-Studenten-Vertrags umsonst von „Hinter der Ladentheke“ erhältlich.
Wir sind von den beiden Handys begeistert und haben mit dem Samsung gleich die ganze Redaktion ausgestattet. Leider mussten wir sie wieder zurückgeben, da der Klingelton unisono einfach unerträglich ist.  Hipster Hitler hat bestimmt auch eins!

Leserschreiben:
Auf Ihren Artikel in der Augustausgabe hin habe ich mir das Samsung E1080w gekauft. Ich muss leider sagen, dass ich von dem Handy nicht so begeistert bin wie Sie. Die Knöpfe sind meiner Meinung nach viel zu unsensibel und Speicherplatz ist noch genug da, um auch den letzten Deppen ins Telefonbuch aufzunehmen. Zudem muss ich bei Ihrem Artikel anmerken, dass hier Szene-Menschen und Hipster in einen Topf gesteckt werden. Diese Verallgemeinerung gefällt mir überhaupt nicht. Als Szene-Kenner kann ich von mir behaupten, dass meine Freunde eher Smartphones besitzen als das Samsung. Bei den Hipstern bin ich gut damit angekommen, aber aus der Szene bin ich jetzt raus. Danke!