Antonia Wille, 27, Amelie Kahl, 22, und Milena Heißerer, 23, gehören zu Deutschlands bekanntesten Bloggerinnen. Im vergangenen Jahr starteten die Münchnerinnen ein gemeinsames Projekt: das Blogazine „amazed“.

Unter www.amazedmag.de ist euer Blogazine zu finden. Davor hattet ihr alle eure eigenen Blogs. Warum habt ihr die aufgegeben und euch quasi „verbündet“?

Wir haben fünf Jahre lang auf unseren eigenen Blogs geschrieben. In dieser Zeit verändert man sich und auch wir hatten irgendwann das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Wohin soll es gehen mit den eigenen Blogs? Der Anspruch an unsere Herzensseite wurde größer, wir wollten täglichen Content und lange, gehaltvolle Texte. Dies war nur durch einen Zusammenschluss erfüllbar. Wir drei haben uns gefunden, ohne uns zu suchen!

Bei der Namensgebung habt ihr euch für „amazed“ entschieden. Was steckt dahinter?

Wir wollten einen kurzen, prägnanten Namen, der im Gedächtnis bleibt, der ein schönes Schriftbild hat und zu unserem Content passt. Nach langem Überlegen sind wir auf „amazed“ gekommen!

Mal ehrlich: Wie lange vor dem Launch im März 2013 habt ihr an „amazed“ gewerkelt? Sicher unterschätzen viele die ganze Vorarbeit...

Ziemlich lange – im Oktober haben wir den Beschluss gefasst, „amazed“ ins Leben zu rufen und im März 2013 war es dann endlich soweit. Das Layout wurde bis ins kleinste Detail diskutiert, ein Programmierer musste her, das Logo musste gebaut werden, das gesamte Konzept für „amazed“ erstellt. Schon allein die Namensfindung hat uns in den Wahnsinn getrieben! Wir waren sehr perfektionistisch mit dem Endergebnis, aber wir könnten jetzt, ein Jahr später, kaum glücklicher damit sein.

Was bietet ihr euren Lesern auf „amazed“ so alles, was unterscheidet euch von „den anderen“?

Wir haben viele textlastige Kolumnen, einen starken Bezug zur Mode, haben unseren eigenen Stil und verbinden unseren Blog mit Münchenthemen, da wir alle drei kleine München-Patriotinnen sind. Unsere Leser kommen auf „amazed“, weil sie sich mit unserem Stil identifizieren können und Interesse an langen Texten haben.

Euer „Baby“ feiert sehr bald sein Einjähriges. Was ist euer Fazit nach zwölf Monaten mit „amazed“?

Wir haben nie mit so einem Erfolg gerechnet! Nach einem Jahr können wir sagen, dass unser Schritt, das alte Baby aufzugeben und „amazed“ ins Leben zu rufen, die beste Entscheidung überhaupt war.

Das Jahr ist noch jung. Was bringt 2014 für „amazed“?

Wir möchten zukünftig einen noch größeren Fokus auf High Fashion und München legen. Wir planen häufiger Interviews und möchten mehr Münchner Größen portraitieren. Uns kribbelt es in den Fingern, wir haben noch viele Ideen, die wir verwirklichen wollen!

Wie sieht euer Blogalltag so aus, wenn ihr nicht auf Fashion Weeks unterwegs seid?

Wir treffen uns mindestens zweimal die Woche in unserem Büro und beantworten Anfragen, besprechen neue Themen, schreiben natürlich unsere geplanten Artikel und treffen uns mit Kooperationspartnern.

Ihr teilt euch ein Büro mit einem Filmemacher, Grafikern und dem Modefotograf Christoph Schaller. Warum der Schritt zum eigenen Office?

Das Büro ist uns zufällig in die Hände gefallen. Wir sind mit Christoph Schaller befreundet, der gemeinsam mit seinem Kollegen Ferdinand Feldmann weitere Büropartner gesucht hat. So kam eins zum anderen – wir waren bereits auf der Suche nach einem Büro und das Stu, unser Büro, war ein absoluter Glücksgriff!

Auf die Mode bezogen: Seht ihr da einen großen Unterschied zwischen München und Berlin?

Auf jeden Fall. Schon allein, weil in Berlin viele junge Leute hinziehen, ist die Mode aufregender, experimenteller und losgelöst von Konventionen. Hinzu kommen die vielen jungen Designer, die ihren Sitz in Berlin gefunden haben. München ist ruhiger, klassischer, die Szene ist kleiner.

Was sind denn die drei ultimativen Teile, die jede Frau im Schrank haben sollte?

Neben gut sitzenden, klassischen Basics, die für jede Frau (und auch Mann) essenziell sind, möchte Antonia auf keinen Fall ihre Acne Pistol Boots missen, Milena setzt auf ihre kleine Ledertasche von Paul & Joe und Amelie möchte ihren fliederfarbenen Canada Schal von Acne gar nicht wieder ausziehen.

Wo kauft ihr denn am liebsten ein?

Wir sind klassische Onlineshopper. Wir kaufen sowohl gerne bei Monki ein, stöbern immer wieder auf Kleiderkreisel und Ebay. Und wir gehen bei Mytheresa auf Schnäppchenjagd. Offline statten wir regelmäßig neben den Klassikern wie COS, dem Oberpollinger in München, Sprout und Ragrepublic einen Besuch ab.

Welches ist euer Lieblingstrend für den kommenden Sommer?

Schlappen in jeglicher Form und Farbe! Unser Favorit ist das Modell von Isabel Marant.

Ihr seid natürlich auch auf der Berlin Fashion Week gewesen und habt eifrig über Shows und Messen berichten. Welche Show ist euch warum am meisten in Erinnerung geblieben?

Mit der Kollektion von Malaikaraiss konnten wir drei uns am besten identifizieren – die Sachen sind ein absoluter Traum. Die Show von Achtland war im Bärensaal in Berlin beeindruckend und die Kollektion mutig und spannend.

Und was hat genervt?

Dieses Mal war die Fashion Week sehr entspannt – wer schon ein paar mal auf der Fashion Week Berlin war, weiß, welche Shows und Events sich lohnen und Spaß machen. Der Rest wird gekonnt umgangen.

Auf vielen Blogs war nach der Berlin Fashion Week zu lesen: Das Halstuch – oder in der Fachsprache:  „Foulard“ – feiert sein Comeback. Habt ihr euch denn schon welche zugelegt?

Nein – man muss auch nicht jeden Trend mitmachen. Obwohl uns die Tücher auf dem Catwalk gut gefallen haben, passen sie im Alltag nicht wirklich zu uns!

Mit UMASAN war das erste, wirklich vegane Modelabel bei den Modenschauen am Brandenburger Tor dabei, im Green Showroom und auf der Ethical Fashion Show zeigten umweltbewusste Modedesigner ihre Kreationen. Wird Nachhaltigkeit zum Trend?

Definitiv. Ein Trend, der in eine gute Richtung weist. Zum Glück machen sich immer mehr Modefans Gedanken über Konsum, Produktionsbedingungen und Materialien. Das merken wir auch stark an unseren Lesern, deren Interesse an Nachhaltigkeit sehr groß ist. Dass es immer mehr nachhaltige Labels gibt, freut uns deshalb sehr.

Nahtlos schließt sich die letzte Frage an: Auf was achtet ihr beim Shoppen?

Wir versuchen, Spontankäufe zu vermeiden und uns nicht zu sehr von Trends verführen zu lassen. Wir legen Wert auf gute Materialien und zeitlose Klassiker. Wir vermeiden so gut es geht, Klamotten aus fragwürdigen Produktionsbedingungen zu kaufen und sparen lieber auf vertretbare Teile, auch wenn das nicht immer umsetzbar ist. Wenn wir ausgefallene Trendteile kaufen, sind das Stücke, die zu unserem Stil passen und an denen wir lange Freude haben.

Vielen lieben Dank!