Auf unserer Titelseite und im Heft: Lea-Marie Becker ist mit Herz und Seele Musikerin. 2007 veröffentlichte sie ihr erstes Youtube-Video, das bis heute über zwei Millionen Mal angeklickt wurde. Sieben Jahre später arbeitet die sympathische Hessin an immer neuen Songs und dem ersten eigenen Album. Autorin Dschamila hat Lea-Marie zum Interview getroffen.

Lesefaul? Hier gibts das Interview auf Video: http://slyle-magazin.de/279/video-lea-marie-im-interview/

Hi Lea-Marie, wie bist du zur Musik gekommen?

Ich spiele seit meinem 6. Lebensjahr Klavier. Mit etwa zwölf Jahren habe ich dann angefangen, meine eigenen Lieder zu schreiben um alles, was ich so wahrnahm und was ich im Alltag erlebte, zu verarbeiten. Das hat mir unglaublich geholfen, denn so konnte ich meine Gedanken und Gefühle ordnen. Seitdem schreibe ich meine eigenen Lieder. Das hilft mir einfach über den Alltag hinweg. Es unterstützt mich – und hoffentlich auch andere Leute.

Alltagssachen und so... Das ist also das, was dich bei deinen Texten inspiriert?

Ja, auf jeden Fall. Nicht alles passiert mir. Auch was bei Freunden geschieht oder was ich mir so vorstelle, findet sich in meinen Texten wieder. Teilweise sind es auch ausgedachte Situationen, gar nichts Reales.

Warum schreibst du deine Texte auf Deutsch? Heutzutage ist es doch super „in“, dass man vieles auf Englisch macht. Viele sagen, das wäre auch einfacher.

Ich kann mich einfach auf Deutsch am besten ausdrücken. Das ist meine Muttersprache, so finde ich einfach die besten Worte.

Wo war für dich der Punkt, dass du für dich gesagt hast: „Jetzt will ich gerne weiter damit“? Wie kamst du dazu, deine ersten Videos auf Youtube zu veröffentlichen?

Das war eigentlich eine ganze spontane Aktion: Wir waren damals zehnte Klasse und hielten uns in der Pause im Musikraum auf. Wir haben uns eine Kamera von einem Lehrer ausgeliehen und haben ein Stück aufgenommen. Ich dachte: Warum nicht mal schauen, was andere Leute dazu sagen? Also Menschen, die ich nicht kenne. Aber dass es irgendwie so viele Leute sehen, das hätte ich nie gedacht!

Deine ersten Videos bei Youtube haben ja mittlerweile über zwei Millionen Klicks. Das sind ja schon völlig krasse Zahlen, finde ich. Wie war das Erlebnis für dich?

Finde ich übrigens auch. Das war total abgefahren. Es war irreal und überhaupt nicht zu verstehen. Also ich hätte mir das nie vorstellen können. Was mir, glaube ich, gut getan hat und was ich auch nicht bereue, ist: Youtube ist so eine ganz eigene Welt für sich. Die Welt, in der ich mit 15 Jahren gelebt habe, war total normal.

Deine Freunde und dein Umfeld haben sich nicht verändert, als dann der Erfolg kam?

Überhaupt nicht. Ich habe einfach mit der Musik immer weiter gemacht, habe neue Songs aufgenommen und wieder etwas hochgeladen. Noch immer ist es beeindruckend, was man so für Worte und auch Dankbarkeit bekommt. Dass sich Leute in meine Lieder reinversetzen können und dass sie Situationen auch so wie ich empfunden haben... Das hat mich eigentlich immer angetrieben. Youtube war ein großes Glück für mich.

Du bist ja dann auch irgendwie auf Tour gegangen. Das ist ja schon was anderes: vor echtem Publikum zu sitzen. Bei Youtube hat man ja kein direktes Publikum, was einen sieht.

Ja, das stimmt. Vor Leuten live zu spielen – das ist das Schönste, was man machen kann! Man bekommt einfach so viel zurück. Wenn man ein Lied spielt und schaut, wie die Leute reagieren und wie sich die Emotionen in ihren Blicken widerspiegeln, das ist einfach der Wahnsinn.

Was ist dein Plan für 2014?

Ich möchte gern ein Album aufnehmen. Ich habe mir dafür viel Zeit genommen. Damals, mit 15 Jahren, war ich natürlich noch nicht so weit. Ich wusste noch nicht, wer ich selber bin und was für Musik ich machen will. Ich glaube, in den letzten Jahren habe ich mich dann relativ gut gefunden. Ein anderer Punkt ist: Ich muss viel schreiben. Ich schreibe viele neue Lieder, das ist auch wichtig, weil man sich ja von Lied zu Lied weiterentwickelt. Ich hoffe sehr, dass wir ein Album aufnehmen können. Mal schauen, wie das so wird.

Machst du das komplette Album allein oder hast du für einzelne Lieder Features oder eine Band, die dich unterstützt?

Bisher noch nicht. Aber die Songs werden nicht nur am Klavier sein, sondern schon mit anderen Instrumenten von Studiomusikern eingespielt.

Zum Abschluss: Bitte beschreibe doch deine Musik in drei Worten.

Ehrlich. Ich. Tief.