Die Mighty Oaks touren gerade durch Europa. Mit ihrer eingängigen Indie-Folk-Mischung versucht die dreiköpfige Band, die Menschen in ihren verträumten Melodien gefangen zu nehmen. Das musikalische Netz, das sie bereits um die deutsche Fangemeinde geschlungen haben, wird größer und größer. Sänger Ian erzählt Autorin Anita, welche Lektionen ihm das Leben gelehrt hat, warum ihn Hipster nerven, und verrät ihr sein Rezept gegen ein gebrochenes Herz.

In den letzten Jahren ist ein regelrechter Indie-Folk-Hype ausgebrochen. Seid ihr nur eine von vielen Bands? Wie wollt ihr aus dieser Masse herausstechen?

Wir sind überhaupt eine von vielen Bands. Es gibt jede Menge Bands in allen Genres, dass es sowieso schwierig ist, aus der Masse herauszukommen. Wir denken nicht darüber nach, wie wir das schaffen können. Wir machen das, was uns gefällt, was aus uns innerlich herauskommt. Wenn wir damit Zuhörer finden und Fans gewinnen können, dann ist es eine riesen Freude für uns. Wir denken, dass wir da einfach Schwein haben.

Euer Debütalbum, das im Februar rauskam, stieg auf Anhieb in die Top Ten der deutschen Charts ein. Kommt jetzt der große Durchbruch? Wollt ihr nicht lieber ein Geheimtipp bleiben?

Wir haben auf jeden Fall noch einen sehr, sehr langen Weg vor uns, was den Erfolg angeht. Wir haben es noch nicht geschafft oder so. Dass die Platte in Deutschland Top Ten wurde... und auch in der Schweiz, überraschenderweise! Ich weiß gar nicht, wie das kam. Vor Kurzem haben wir in Zürich gespielt und es war der absolute Wahnsinn. Die haben alle mitgesungen! Ich war total geflasht. Der Erfolg hat uns überhaupt sehr überrascht. Aber wir gucken gar nicht so sehr auf die Charts. Der Erfolg geht auch schnell wieder weg. Gehypte Bands kommen und gehen. Wir machen einfach das, was uns gefällt.

Über das Geheimtipp-Stadium seid ihr wahrscheinlich schon hinaus, oder?

Es kommt darauf an, wo man ist. In Deutschland und in der Schweiz sind wir jetzt ein bisschen bekannter, aber trotzdem überhaupt nicht bekannt. Ich kann auf die Straße gehen, ohne erkannt zu werden. Was cool ist. Aber ein Geheimtipp zu sein, ist etwas Schönes. Es gibt immer Leute, die dich zuerst entdecken, und die begleiten dich oft die ganze Karriere lang. In den USA sind wir zum Beispiel gar nicht bekannt. Wir wollen unser Glück überall versuchen und gucken, wo wir ankommen.

Ihr stammt aus drei verschiedenen Ländern – merkt man die verschiedenen Einflüsse in eurer Musik, auch wenn du die Songs schreibst?

Ich glaube, wenn überhaupt, dann hat die Musik ein bisschen US-Flair. Viele sagen auch Irland. Aber ich habe auch die doppelte Staatsbürgerschaft mit Irland. Meine Mutter kommt aus Dublin und mein Vater spielt seit Ewigkeiten in einer Irish Band. Damit bin ich groß geworden. Aber unsere Hintergründe und Heimatländer spielen eigentlich nicht wirklich eine Rolle. Die gemeinsame Sprache ist unsere Musik und das was rauskommt, wenn wir im Proberaum zusammensitzen und einfach jammen.

Du kommst von der Westküste der USA, hast in Portland und München studiert und bist dann nach Berlin gezogen, wie die anderen Bandmitglieder auch. Was war dein Antrieb, nach Berlin zu ziehen? Und was hat die Stadt, dass ihr hierbleibt?  

Germanistik war mein Hauptfach an der Uni. Deshalb habe ich ein Jahr lang in München studiert. In den Semesterferien habe ich in Berlin im Bundestag gearbeitet und mich in die Stadt verliebt. Ich bin nach drei Monaten wieder weggereist, als es anfing so schön zu werden und die Sonne rauskam. Ich habe mir geschworen, dass ich irgendwann wieder zurück nach Berlin komme. Nach dem Studium bin ich erst nach Hamburg gezogen, wo ich die anderen beiden kennengelernt habe, und bin dann wegen Jobs wieder nach Berlin. Ich hab eine Weile bei Soundcloud gearbeitet zum Beispiel. Die Stadt ist einfach einzigartig. Es ist eine Weltstadt, fühlt sich aber an wie ein Dorf. Und es ist alles machbar, irgendwie. Wir haben ein relativ gutes Leben im Vergleich zu anderen Musikern und Künstlern in anderen Hauptstädten der Welt. In so einer Stadt sammelt man Ideen und Einflüsse aus aller Welt und lernt, anders zu denken, als wenn man immer in seiner Heimat bleibt.

Rein äußerlich passt du sehr gut in das Hipster-Berlin: Holzfällerhemd, langer Bart, ausgewaschene Jeans… Spielst du mit dem Klischee oder ist das einfach dein Style?

So bin ich halt. Wenn man eine Reise in die USA macht, dorthin wo ich herkomme, im Nordwesten in Richtung Seattle, wird man sehen, dass fast alle jungen Leute so aussehen wie ich, und das schon seit Ewigkeiten. Man legt dort Wert auf haltbare Klamotten und kauft deshalb dicke Flanellhemden oder Boots, weil sie ewig halten, auch wenn sie etwas teurer sind. Mit dieser Kultur bin ich groß geworden. Es sind eigentlich Arbeiterklamotten. Und dann kommen die Stadtkinder und denken „Boa, coole Klamotten“ und „Als Folk-Musiker muss ich sowas haben“. Das nervt mich, denn die verstehen das einfach nicht.

Lass uns mal zu einem anderen Thema kommen. Auf eurer Facebook-Seite habe ich gelesen, dass eure Songs „tales about love, loss and the beauty of all that surrounds” sind. Du verarbeitest auch Trennungen in den Liedern. Was hilft gegen ein gebrochenes Herz?

Oh, schwierig. Ich kann ganz gut von vielem abschalten. Ich gehe einfach immer vorwärts. Die Jungs in der Band sagen, dass ich da sehr amerikanisch bin. Wenn mir etwas weh tut, dann versenke ich mich einfach in Arbeit. Es gibt so viele Menschen auf der Erde und man kann sich jeden Tag verlieben, wirklich. Sich sehr lange mit Liebeskummer zu beschäftigen, ist nicht meine Art. Es ist gut, wenn man sich stark für etwas interessiert, dann kann man sich dahin flüchten, und das ist für mich die Musik. Ich habe meine Mutter 2012 verloren und so habe ich angefangen, die Band wirklich ernst zu nehmen. Ich habe über mein Leben nachgedacht und mir gesagt: Ich mache jetzt einfach das, was mein Herz bewegt, denn ich könnte auch früh sterben. Es ist scheißegal, wie viel Geld ich am Ende des Monats auf dem Konto habe. Ich mache das, was mich interessiert und mir vielleicht die Welt eröffnen könnte. In den letzten zwei Jahren habe ich einfach nur geschuftet mit der Band, damit das funktioniert, und viel Feuer und Energie reingesteckt. So habe ich den Verlust meiner Mutter verarbeitet und gar nicht darüber nachgedacht, wie es mir dabei geht. Ich stecke einfach alles in die Musik.

Das klingt sehr weise. Welche Lektionen hast du denn sonst noch vom Leben gelernt?

Ich habe sehr viel Glück gehabt. Ich bin in einer guten Familie aufgewachsen, meine Eltern haben sich sehr um mich und meine Schwester gekümmert. Auch meine Tanten und meine Großeltern haben mir viel beigebracht. Das sind super-bodenständige, ehrliche Leute. Ich habe immer viel Freiraum bekommen. Ich habe auch mit Alkohol und Drogen experimentiert in der High School und auf dem College. Sie haben mich immer meinen Weg finden lassen und mich begleitet und darauf aufgepasst, dass ich ehrlich und bodenständig bleibe und nicht in den falschen Kreisen lande. In den letzten Jahren, in denen ich weggezogen bin und in der Stadt gelebt habe, bin ich noch ein Stück erwachsener geworden. Und es gibt immer noch viel zu wachsen und zu lernen. Es gibt so viel, das ich noch in meinem Leben machen möchte, und Charaktereigenschaften, an denen ich arbeiten muss. Ich muss viel mehr Bücher lesen und mehr reisen. Aber gerade ist die Band und arbeiten das einzige, was ich mache.

Aber es ist ja gut, noch Pläne und Ziele zu haben. Es wäre langweilig, wenn du sagen würdest, dass du schon alles erreicht hast.

Ja. Aber ich glaube eh, ich bin nie so wirklich zufrieden. Leider. Es gibt immer etwas zu tun.

Euer Song „Brother“ ist eine Hymne auf die Freundschaft. Ist Freundschaft wichtiger als Liebe?

Nein, wichtiger als die wahre Liebe auf jeden Fall nicht. Liebe ist Freundschaft und Freundschaft ist Liebe, zu einem gewissen Teil. Aber Liebe ist vor allem Freundschaft. Der Partner, der Mensch, den man im Leben wirklich für sich findet und der einen das ganze Leben lang begleiten wird, ist dann der beste Freund der Welt. Das kann nicht anders sein. Freundschaft ist extrem wichtig, vor allem in der Kindheit. Wenn man klein ist, denkt man nicht an Liebe. Man denkt an Freunde.

Kannst du eure Musik in drei Worten beschreiben?

Unsere Musik ist auf jeden Fall sehr ehrlich. Und sie ist ganz natürlich und durch Bauchgefühl entwickelt. Wenn wir ins Studio kommen, machen wir einfach das, was uns zuerst in den Sinn kommt. Ehrlich, natürlich,… und zu einem gewissen Teil melancholisch und nachdenklich.