Wenn sich rechte und linke Hand die Hand geben und von der Mauer der Liebe träumen:
oder „Der hitler hat ja auch mit demokratischen Wahlen die Macht an sich gerissen!“

Wie will man in einer Satirezeitschrift satirisch über eine Satirepartei um die Satirezeitschrift Titanic  sprechen? Wir von Slyle sagen: Indem man sie und seine Vertreter ernst nimmt!
Wir denken: Einmal Satire reicht an Satire – zu viel Satire wäre doch irgendwie zu viel Satire – würde die Satire ja irgendwie wieder de- oder aussatieren.
Wir haben uns deshalb mit Anna Bauer (kein Künstlername), der Kandidatin für das Bürgermeisteramt der Partei „Die PARTEI“ für den Berliner Bezirk Neukölln, getroffen und sie endlich einmal so richtig ernst genommen.

Eigentlich ist „die PARTEI“ nur wieder so eine weitere Partei, die man eigentlich schon satt hat. Korrupt, opportunistisch – eine weitere „Partei der extremen Mitte“, wie sie sich selber nennt. Wäre da nicht die charmante Anna Bauer.
Anna Bauer lebt und kandidiert in und für Neukölln. Das Auffangbecken für Exzentriker jeder Art. Besoffene. Studenten. Dönerland. Anna Bauer bildet in diesem Drecksloch allerdings die Ausnahme. Sie gehört laut FORSA und Bild-Umfragen zum Mainstream. Ihr Plan: Wie ca. 30% der Deutschen möchte sie „Die Mauer“ an ihrem gewohnten Platz sehen.

Mit der Mauer hatte die 21-Jährige jedoch zu Anfang herzlich wenig zu tun. Noch vor zwei Jahren lebte die betont graue Maus in dem kleinen niederbayrischen Dorf Niederviehbach (Name nicht geändert) und wuchs dort idyllisch zwischen Kühen und Schweinen auf einem Bauernhof auf. Politisch war bei ihr damals, abgesehen von einem Klassensprecher-Posten, tote Hose.

Rekrutiert wurde sie dann von dem, wie sie ihn nennt: „Größten Vorsitzenden aller Zeiten“,  Martin Sonneborn. Sie zog nach Berlin und ließ sich für eine Partei instrumentalisieren, deren Slogan „Politik mit Profil – Politiker mit Sexappeal“ lautet und die von „der Zeit mit dem Schießbefehl“ nur ohne Schießbefehl träumt. Von „Der Zeit“ eben.
Und wie gesagt: Sie will eine Mauer, aber eine „Mauer der Liebe“.
Genau damit wurde sie schließlich von dem 25 Jahre älteren Sonneborn nach Berlin gelockt – die genaue Beziehung zwischen den beiden bleibt unklar.

Dass gegen Anna Bauer nun ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz (für jene, die uns das nun wirklich nicht glauben:
http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/354767/index.html) läuft, stört sie nicht. „Also darüber sind wir anderer Meinung“, sagt sie im verblendeten RAF Terroristen-Ton.

Mit der Berliner Hau-ruck-Polizei kam sie in Kontakt, als sie rechte Wähler „fischen“ wollte und mit ihren Parteigenossen beim „Fackelmarsch“ durch das Brandenburger Tor erwischt worden war.  
Während andere Eltern bei einem solchen sozialen Abstieg das Kind gleich wieder in das heimische Niederviehbach abtransportieren würden, seien dort alle stolz auf die Beauftragte für Bikinimode und Atomtests. „Meine Familie unterstützt mich da voll und ganz!“

Parteien wie Die PARTEI sind derzeit schwer in Mode. Mit jedem Tag sprießen neue rechtsextreme Linksparteien und linksextreme Nationalsozialisten aus dem Boden unserer Putin-liberalen Parteienlandschaft. Selbst die etablierten Volksparteien lässt dieser Hype der Widersprüche nicht kalt. Längst wurden sie alle an einem Tisch gesichtet, dieselbe grüne Brühe süffelnd – und sogar die FDP schließt unter ihrem neuen Namen „Die Neue FDP“ das Label der Arbeiterpartei nicht mehr aus.

Anna Bauer ist halt eine echte Politikerin. Opportunistin war sie ja eigentlich schon immer, erzählt sie stolz. Die Leistungskurse Mathe und Französisch belegte sie nur, weil sie sich gute Noten erhoffte. Jetzt studiert sie Kunstwissenschaft in Berlin. Nicht zufällig der hippste Studiengang der Szene-Stadt.

Auf die Frage, ob sie glaubt, mit der PARTEI so ganz an die Spitze kommen zu können, kontert sie: „Der Hitler hat es ja auch mit demokratischen Wahlen geschafft!“
Wo sie Recht hat, hat sie Recht und so arbeitet sie sich langsam aber gewissenhaft durch die mediale Unterwelt der Freaks und Freakinnen.
So wurde zuletzt von ihrem Absturz auf der CDU-Facebook-Party berichtet, wo sie halbnackt und bemalt auf sich und die PARTEI aufmerksam machen wollte.
Eigenen Angaben zufolge wurde sie sogar von der party-affinen Crowd herzlich willkommen geheißen. Zustimmung fand sie auch oder gerade bei den CDU-Alteingesessenen, so Bauer. „Sex sells“ eben. Das gilt auch auch für die Oppas der CDU. „Die älteren Herren sind für alles mit nackter Haut zu begeistern und deren Frauen sowieso“, strahlt das immer mehr an Unschuld verlierende Landei Anna.

Alles in allem beeindruckt das Engagement der jungen PARTEIgenossin! Dass sie der Gesellschaft jedoch die iPhone-Spiegel-App vor die Nase hält, scheint ihr bei dem ganzen Theater nicht bewusst zu sein. Dass wir Normalos, die wir die Politik doch auch ernst nehmen, uns mit unseren hässlichen Grimassen jetzt schon fast nicht aus dem Haus trauen, interessiert die junge und attraktive Wahlkämpferin der PARTEI nicht. Den Todesstoß nimmt sie in Kauf.
Dass Politik keinen Spaß macht, haben wir ja schon früh gelernt, aber dass er uns so zur Reflexion treibt, dass es uns sogar bis hin zum Selbstmord des eigenen Selbstverständnis führt, dazu hat keiner Lust. Vor allem nicht in unserer „der Inhalt dieser Verpackung enthält keine großartigen Zusatzstoffe“-Gesellschaft. Dann wählen wir lieber die „Neue FDP“ und wissen was wir haben.

P.S. Die Partei hat noch alle möglichen Führungspositionen zu vergeben! Bei Interesse bitte auf keinen Fall melden! Die finden euch!