zwei Jahre schwarz-gelbe Koalition

Deutschland, ein Sommermärchen. Das dachte die bunte Republik, als Schwarz, die CDU und CSU, und Gelb, die FDP, einander die ewige Liebe schworen und sich auf den Weg machten zum Traualtar. Fast zu sinnig schien ihre Liebe 2009. Geheiratet haben sie nie – auch nach zwei Jahren nicht.

Ein Blick zurück: Als im September 2009 die Bundestagswahl auf dem Plan stand, gab es eine Schwarz-Rote Koalition. Schwarz-Rot? Eine Beziehung aus der sozialen SPD und der christlich orientierten CDU? Das konnte nicht passen. Und so kam es, wie es kommen musste. Die CDU spielte in dem Liebestheater die Frau, die in ihrem trauten Heim mit den Kindern sitzen bleiben darf und die SPD, die das Weite und ihr Heil in der Gegenargumentation – der Opposition – suchte. Die CDU jedenfalls hatte schnell einen neuen Lebenspartner gefunden. Die SPD sucht danach noch heute, das aber nur nebenbei.
Als dann CDU und FDP ihre Liebe vor der Öffentlichkeit bekannt gaben, schien die Verwunderung groß. Wenn man genauer hinschaut, war es dann sogar eine polygame Beziehung, denn schließlich gibt es die CSU auch noch. So machten sie sich also auf den Weg zur Verlobung, die dann im September 2009 stattfinden sollte. Der Rest ist bekannt.

Nun zwei Jahre später scheinen riesige Fragezeichen über der Beziehung zwischen CDU/CSU und FDP zu hängen. Die einen wollen nicht mehr, die anderen wollten eh nie und einer wurde dazu animiert, keine Lust mehr zu haben. Die einen, die CDU, haben anscheinend schon seit längerem keine Lust mehr auf die FDP. „Das einzige Problem an der Regierung ist die FDP“, sagt Reiner Geisler, der Ur-Vater, weise über die Regierungsarbeit. Andere CDU-Stimmen sagen indes nichts anderes, sie bringen es nur knapper auf den Punkt: „Gurkentruppe!“
Die CSU hat sowieso nichts zu sagen, sie klammert sich an den Rockzipfel von Angela Merkel und hofft, nicht abgeschossen zu werden. Da wollte man auf einmal sowieso nie etwas mit der FDP am Hut haben, allerdings hat Mutti Merkel dazu ein Machtwort gesprochen: „Wer in dieser Form übereinander redet, muss sich nicht wundern, dass der Respekt vor der Politik insgesamt weiter abnimmt“
Und dann ist man auch schon wieder bei der FDP. Bei der „Wildsau“, wie sie von der CSU lieb genannt wurde, schoss man mit Guido Westerwelle den Vogel ab, setzte Milchbubi Philipp Rösler, als Vizekanzler, an vorderste Politfront und nun lobt man Veränderung und Verbesserung. Allerdings blieben bei den Herren der FDP bis heute immer noch die Gesichtszüge steif und immer noch liegen die Umfragewerte nahe der Erdkruste, also gleich Null.

Bei solch Beziehungsproblemen darf schon einmal gratuliert werden, dass wenigstens etwas geklärt wurde: Gesundheitsreform,   Wehrpflicht-Absetzung, Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und die Nicht-Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke.

Bei all der Liebe, die sie zueinander hegten, hatte man das Gefühl, dass sie nie so recht zueinander passen würden. Bei der Bundestagswahl hatte die FDP sich als „neue Mitte“ angeworben. Die Partei, die sonst die Unternehmer wählten, wollte sich sozial ausrichten und „mehr Netto vom Brutto“ für die Bevölkerung, so dass sich „Arbeit wieder lohnt.“ Bei der FDP schien es wenigstens eine Konstante zu geben: die Wahlversprecher. Und weil alles irgendwie dann doch nicht umgesetzt wurde, flüchtete man sich in Ausreden, dass an allem die CDU, nicht zu vergessen die CSU, schuld sei. Anstatt Politik zu machen, bezogen sich beide darauf, dem jeweils anderen Vorwürfe an den Kopf zu werfen. Die CDU hatte ihre beste Freundin, die CSU, mit der sie über ihren Partner FDP lästern konnte. Die FDP hatte irgendwie niemanden. Fast schon eine traurige Erkenntnis, schließlich konnte die FDP bei der Bundestagswahl im September 2009 noch mit 14,6 Prozent Stimmen prahlen. Aber mit leeren Versprechungen soll jetzt Schluss sein, denn schließlich haben die grauen Männer im Anzug schon genug Nackenschläge einkassieren müssen. Beim letzten Bundesparteitag der FDP in Rostock schien die Idee, sich wieder mehr der vergangenen Wählerschaft zuzuwenden, Anklang zu finden. Das wären dann wieder die Bankiers, Hoteliers und die obere Mittelschicht. Verständlich, schließlich sagten letzte FORSA-Umfragen, dass nur vier Prozent der Bevölkerung die FDP wählen würde.

Bei der CDU und dem Anhängsel CSU gibt man sich zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, schließlich „stehe Deutschland nach der Finanzkrise richtig gut da“, hört man aus Parteikreisen. Laut aktuellen FORSA-Umfragen würden 33 Prozent der Deutschen wieder die CDU und CSU wählen.

Man darf sich jedenfalls auf die nächsten zwei Jahre freuen und auf weitere Intrigen, Lästereien und Schuldzuweisungen ebenso. Bleibt zu hoffen, dass beide Seiten nicht das Wesentliche vergessen: die Politik. Denn es scheint so, als wäre das in der vergangenen Zeit ins Hintertreffen geraten. Schon vor der Sommerpause gab es einen Trailer für das Kino-Spektakel im Herbst. Da soll dann nämlich der Streit um Steuersenkungen gelöst werden. Und auch in den nächsten zwei Jahren wird es unwahrscheinlich sein, dass geheiratet wird. Der 15. September 2013 wird aller Voraussicht nach die Trennung bedeuten – das Datum, an dem die Bundestagswahlen stattfinden. Vielleicht auch ganz gut, schließlich wurde Polygamie in der Kirche nie gern gesehen.