Vorbei. Was bleibt ist Zukunft! Die heilt die Zeit, weiß Autor Joscha.

Man hat sich daran gewöhnt. Man mag es, nein man liebt es, man kennt es nicht mehr anders. Und dann bricht es weg, entweder auf einen Ruck, oder in einem langen, schleichenden Prozess. Es hat nichts miteinander zutun, das Genießen von Zweisamkeit, mit dem, was zwischenmenschlich passiert. Das Zwischenmenschliche ist also nicht mehr das, was in dem Moment das Richtige erscheint, also entscheidet man sich für Neuland. Ja und dann bemerkt man, dass ein ganzer Apparat den Geist aufgibt.

Die Sicherheit der Zweisamkeit, die kontinuierliche Pflege des Selbstwertgefühls, der inspirierende Antrieb, die Wolke der Sinnhaftigkeit – verweht. Profillos. Scheinbar die Kontur in der Zeit der Hingabe verwischt. Nicht in ihr aufgelöst, sondern im Ich nicht mehr erkannt. Es ist die berühmte Hälfte, die sich zusammenfaltet und verschwindet.

Diese höchste Destruktivität, ist die Geburt für neues Leben. Auch biologisch entsteht Neues aus Zersetzung. Wunden lecken ist erlaubt, sogar gewünscht. Rastlosigkeit normal.

Und langsam regt sich etwas: Die Ersatzbefriedigung, gefunden im Alltag, darf wieder unwichtiger werden. Man selbst rückt ins Zentrum, es schärft sich eine Kontur, das Auge erkennt sich im Spiegel.

Der Mensch ist ein Multitasker, er lebt von Vielinteraktion. Sein Ich ist stets an der Schwelle zwischen dem Innern und der Welt. Lehnt er sich zu weit aus dem Fenster, fällt auch er, wie alles nach Newton. Er kann das, er tut das und bindet so seine Fäden in der Welt. Jeder Faden hat seine eigene Sensibilität und Wichtigkeit und doch sind sie alle ursprünglich und notwendig. Im Alter steht man dann hoffentlich vor einem Netz aus Leitern und Rutschen, die in ihrer Anzahl so viel vorhanden, dass auch mal eine Sprosse brechen und ein Loch in einer der Rutschen klaffen darf. So rückt man eben das Netz näher zusammen und beginnt mit der Reparatur. Der Mensch als Virus im Modus des self-assembly. Aus eigenem Innern bauen, auch durch Zerstörung. Durch die richtige Infrastruktur ist nämlich dann das Ich in der Welt und bei dir. Die Dualität, die eigentlich keine ist.

Es ist also kein Problem, wenn man auf einmal die Lieblingsmusik nicht mehr hören kann, weil sie belegt ist – aber es ist die riesige Chance darin wieder jeden einzelnen Ton wahrzunehmen und zu lieben. Das ist man nämlich, die Musik!