Alles neu macht der März. Slyle Online freut sich über neuen Lack: Wir sind älter geworden. Frisch schauen wir kaum noch drein, der Schale auf unseren Köpfen sind wir entwachsen, das Kapitel Studentenleben hat ein Ende gefunden, stattdessen hüpft unser Herz beim monatlichen Gehaltscheck. Slyle Online war irgendwann nicht mehr zeitgemäß, war zu starr und passte optisch nicht mehr ganz zu unseren Vorstellungen. Der Relaunch war gewissermaßen überfällig. Im Februar wurde gewünscht, gebastelt und der neue Auftritt realisiert. Was sich mit Wordpress-Knobeleien und einigen wenigen Nachtschichten  schnell realisieren ließ, geht im "wahren Leben" allerdings nicht so leicht: Wie erfindet man sich neu? Wie lebt man Wandel? Das Thema hat uns neugierig gemacht, darum plauderten wir – hoch über den Dächern Berlins – mit Anton Weil über Wandel, Zukunft und den Alltag als Künstler. In der Fotostrecke ist vom Dach nicht viel übrig geblieben, dafür trafen wir auf einen facettenreichen Jungschauspieler mit großem Potenzial.

Anton, was bedeutet Wandel für dich in Bezug auf deinen Beruf?

Wandel in Bezug auf den Schauspielberuf ist für mich, zumindest wenn ich von einem Aufführungszeitpunkt spreche, der Moment vom Privatmensch Anton zu dem Bewusstsein, dass ich jetzt als Schauspieler vor einer Öffentlichkeit spiele. Wobei das nicht heißen soll, dass ich dann verwandelt und komplett jemand anderes bin. Meine Spielweise oder das, was ich präferiere, ist, dass ich die ganze Zeit weiß, dass ich den Leuten gegenüberstehe und dem Publikum dann quasi eine Rolle vorspiele. Ich denke nicht, ich sei jetzt Romeo und lebe im 17. Jahrhundert. Ich bin mir bewusst, dass ich im Hier und Jetzt bin, aber in einer Art und Weise oder einer Rolle, die sich während der Probenphase entwickelt hat.

Wie kamst du zur Schauspielerei?

Mein erster Berufswunsch war Astronaut. Da war ich fünf Jahre jung und wir hatten immer so große Bücher mit Bildern aus dem Weltraum, was ich total faszinierend fand. Als mir dann mein Vater erzählte, wie gefährlich dieser Beruf sei, begann ich, mir halbwegs realistische Ziele vorzunehmen. Die Sehnsucht Schauspieler zu werden, kam dann als Kind vor dem Fernseher oder im Kino mit der ganz kindlichen Einstellung von „Oh, das will ich auch, voll die spannenden Sachen, da will ich mitmachen!“ Seitdem habe ich ganz klassisch mit Darstellendem Spiel in der Schule angefangen und mir daneben eine Jugendtheatergruppe gesucht, bis ich letztendlich an die Staatliche Schauspielschule kam.

Wie sieht es in der Realität aus: Lässt sich von den Gagen in Berlin gut leben?

Es ist schon schwierig. Es kommt natürlich immer auf den Status an. In einem festen Gagement eines Theaters würde man um die 1000 Euro Netto pro Monat verdienen. Als freier Schauspieler hingegen ist es davon abhängig, was für Projekte ich habe. Beispielsweise hatte ich dieses Jahr  zwei Drehs, bei denen ich im Vergleich zu einem Theater-Festgagement gutes Geld verdient habe. Damit kann ich mir dann die Monate finanzieren, in denen ich mich Projekten widmen kann, bei denen ich kein Geld bekomme.

Wenn du eine neue Rolle bekommst, wie lange dauert es, bis du dich in die Figur hineinversetzt hast?

Das kann ich so nicht genau sagen. Mal ein Beispiel: Bei dem Diplomstück ist es eine Stückentwicklung, wo der Text noch nicht steht und wir zusammen Texte schreiben oder Inhalte zusammentragen und man nur ein grobes Gerüst hat. Im Laufe der Arbeit bekommt man raus, womit sich die eigene Figur beschäftigt. Man probt circa sechs Woche. Es ist daher mehr ein Prozess, als das man sagen kann, ab einem bestimmten Zeitpunkt ist man komplett in der Rolle.

Gab es bisher Sachen beziehungsweise gibt es etwas, was du nicht spielen würdest?

Nein, eigentlich hab ich Lust auf alles! Es kommt eher auf Arbeitsweisen oder Regisseure an. Wenn ich in der Arbeit merke, dass es in eine falsche Richtung geht, würde ich darauf entsprechend reagieren.

Wie bist du zu der Kunstfigur Toni Steil gekommen?

Soll ich die Wahrheit oder die Legende erzählen? (lacht) Ich habe an sich nichts mit Toni Steil zu tun! Ich kenne ihn nicht persönlich, wir sehen uns nur erstaunlich ähnlich. Wir haben einen ähnlichen Musikgeschmack, aber er traut sich mehr in Klischees zu gehen oder schnulzige Sachen aufzunehmen und herauszubringen, die mir vielleicht peinlicher wären. Der macht einfach!

Würdest du dich für eine Rolle verändern?

Ja! Wenn ich beispielsweise fett und hässlich werde und wenig schlafe, viel Alkohol trinke, kann ich behaupten, es wird meiner Rolle abverlangt. Ich habe kein Problem, mich für eine Rolle zu verändern, macht ja Spaß!

Wie ist es für dich, mit Filmpartnern intim zu werden?

Kommt immer auf die Situation an. Ich hatte in der Ausbildung Situationen, in denen es Spaß  gemacht hat. Natürlich ist man vorsichtiger, es gibt Regeln, wie nicht mit Zunge küssen, aber es macht auch Spaß sich auszuprobieren. Es kann aber auch sehr unangenehm sein, wenn man den Partner nicht küssen will und dann macht man das mehr oder weniger einfach technisch und ist froh, wenn es vorbei ist.

Wo willst du hin in Zukunft?

Natürlich will ich erfolgreich sein und habe Lust auf mehr Theater und Film. Einerseits wünsche ich mir mit Leuten, die ich jetzt schon toll finde, zu arbeiten – große Schauspieler, Vorbilder oder Regisseure. Das sind beispielsweise Wolfram Koch, Herbert Fritsch, Quentin Tarantino, Martin Scorsese. Solche Leute kennenlernen zu dürfen, das wäre fantastisch! Andererseits würde ich aber auch gerne mehr mit den Leuten zusammenarbeiten, die ich bereits kennengelernt habe; seien es Regisseure, Spieler, oder Schreiber – gemeinsam erfolgreich sein und einfach gute Filme machen.

Du bist bisher als Toni Steil auch musikalisch unterwegs, wird man noch mehr von dir hören?

Da bin ich noch mehr am Anfang. Ich habe schon immer Texte geschrieben, aber fand sie einfach zu schlecht. Wenn ich sie gelesen habe, dachte ich einfach: „Oh Gott wie peinlich.“ Aber dann lernte ich Toni Steil kennen und habe gemerkt, dass er gut mit den Texten arbeiten kann. Ich habe total Lust, weiter daran zu arbeiten und würde mir natürlich wünschen, dass ich professionell Musik machen kann. Oft habe ich gute Ideen und weiß, wie es klingen könnte, aber es fehlt mir noch an den richtigen Kontakten.

Vielen Dank! Und zum Schluss: Vervollständige doch bitte folgende Sätze:

Skripte lernen dauert bei mir…

Etwa zwei bis drei Tage. Ich lerne den ersten Tag und über Nacht zeigt sich, ob ich es verinnerlicht habe; dann probe ich.

Eine Rolle, die ich gern verkörpern würde, wäre…

Frank Lehmann in dem dritten Teil von „Der kleine Bruder“ von Sven Regener.

Wenn ich nicht Schauspieler geworden wäre, wäre ich vermutlich…

sicher irgendetwas mit Kindern, Musiker, Designer oder Radiomoderator geworden.

Emotionen auf Knopfdruck funktionieren…  

nur oberflächlich. Wenn man in einer konkreten Situation ist, lässt es sich einfacher darstellen.

In der Zukunft konzentriere ich mich vor allem…

auf den Spagat zwischen glücklich und erfolgreich sein.

Danke!

Aktuelle Projekte:
Musik und Videos von Toni Steil unter www.facebook.com/tonisteil - oder www.youtube.com/tonisteil

Kontaktdaten:
Anton wird vertreten durch die Agentur – Above The Line: www.abovetheline.de