Aktion des Künstlers Jeremy Shaw

Seit einigen Wochen, vielleicht auch Monaten, kann man in Berlin an alten, abgeranzten Altbauhäusern, manchmal auch an dreckigen Häusern im Bauhausstil, Plakate des Films "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" sehen. Auf einigen Plakaten blickt im Hintergrund Rocklegende David Bowie auf, im Vordergrund zeigt sich ein junges Mädchen, was damals das Leben der 13-jährigen Christiane Felscherinow, besser bekannt als Christiane F., im Film spielte. 

In den Medien fand man bisher wenig über die Filmplakate. Das verwundert, war Christiane F. doch das Drogenopfer Deutschlands der letzten 30 Jahre, ehe all die anderen englischen Rockstars, wie jetzt auch Amy Winehouse,  zur Spritze oder Crackpfeife griffen. Vor den Plakaten stehen Touristen, greifen zum Fotohandy und laden das Bild wahrscheinlich auf Facebook hoch. Das soll anscheinend die einzige emotionale Regung sein, die der Betrachter dieses Plakates empfindet? Die Bilder hängen in der ganzen Stadt, allerdings mehr im Osten, im  ehemaligen Westteil prangen nur wenige davon und wenn, dann in sicherer Entfernung - vielleicht aus Respekt - zum heutigen Bahnhof Zoologischer Garten. 
 
Initiiert wurde die Aktion von Jeremy Shaw und ist Teil einer Ausstellung von "Based in Berlin". 9000 Plakate, in verschiedenen Sprachen wurden gedruckt und an 37 verschiedene Plätze geklebt. Ein Kanadier, der Berlin vor 2001 - als er Berlin zum ersten Mal sah - nur aus eben jenem Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" kannte: Die dreckigen Hochhäuser Neuköllns Gropiusstadt, die jungen Teenager, die sich am Bahnhof Zoo den nächsten, vielleicht goldenen, Schuss setzen - so sah Shaws Vorstellung aus. Heute Szene- und Stylotypen. Am "Kotti", wo noch vor einiger Zeit die Junkies 30 Jahre lang ihr Zeug kauften, sieht man die schicken Beuteltaschen-Träger, die eigentlich nur diesen Ort besuchen, weil der gerade schick und angesagt sein soll. Die Dealer und die Junkies sieht man immer seltener dort - aber sie gibt es noch immer. 

Genau an dieses Berlin sollen die Plakate erinnern. Sicher möchte der Kanadier Shaw nicht, dass die Zeit der süchtigen Teenagers wieder zurückkommt, nur möchte er an diese Zeit erinnern und es in die Köpfe der Menschen rufen, auch wenn dieses alte Berlin nur eine Vorstellung seines Kopfes - ausgelöst von einem Film - ist. Die Bilder in der Ausstellung "Based in Berlin" hängen schon seit dem 24. Juli nicht mehr, die Plakate jedenfalls werden nachgeklebt, denn mittlerweile greifen nicht mehr nur viele zum Smartphone, sondern nehmen sich das Plakat gleich mit in die heimische Stube.