Steve Jobs ist tot. Dieser Fakt wird seit Mittwoch dieser Woche auf allen Zeitungen der Welt angepriesen. Die Welt: trauert. Apple: trauert. Apple-Geräte-Besitzer: trauern. Und auch hier verhält es sich wie mit einem verstorbenen Musiker: stirbt er, steigen die Verkaufszahlen seiner Platte. Bei Jobs ist das ähnlich - oder besser gesagt und geschrieben bei Apple.

Denn wie es scheint, ist Jobs alleinverantwortlich für all die blinkenden und angefressenen Äpfel, die man auf der Rückseite eines jeden Gerätes sieht.  Denn allein aus diesen Grund hat Apple - weil sie eben „Weltverbesserer“ und Hellseher sind - gewusst, dass Jobs am Mittwoch stirbt oder hat eben genau deswegen das am Dienstag vorgestellte „iPhone 4S“ genannt. Weil das eben ein iPhone für Steve ist - logisch. Doch dass das iPhone 3GS auch ein ‘S‘ in der Gerätebezeichnung hatte, will nun keiner realisieren. Selbst wenn dieser Name nur für Jobs wäre, dann hat zwar dies auch seine Rechtfertigung, allerdings spiegelt das nicht ganz das wirkliche Bild der Realität wieder.Denn dass Apple nur aus Jobs besteht, denken nur die, die zu stark in den Apfel geschaut haben. Jobs ist tot - das kann keiner mehr ändern, genauso wahrscheinlich wie sich das Schicksal unzähliger Arbeiter in Longhua nicht ändern wird.

Jobs Tod dürfte bei ihnen jedenfalls nicht als Erlösung gefeiert worden sein - trotz der vielen Restaurants, Kinos und Schwimmbäder, die es in Longhua gibt, wie Jobs einmal gesagt hat. Longhua, in China, ist eines der größten Fabrikanlagen der Welt. Hier sitzt auch Foxconn. Die taiwanische Firma ist der größte Elektronikzulieferer der Welt. Also für Sony, Dell, Hewlett-Packard, Nokia und eben auch Apple. Im vergangenen Jahr versuchten sich 16 junge chinesische Wanderarbeiter das Leben auf dem Werksgelände von Foxconn zu nehmen. Für zwölf von ihnen war es eine Erlösung, denn sie starben bei der Wahl des Freitods. Sie alle waren nicht älter als 25 Jahre. Denn bei Foxconn wird ohne große Sicherheitsbestimmungen gearbeitet, ohne Rücksicht auf Verluste und Gesundheit - und das rund um die Uhr und bei mageren Monatslohn, wofür man sich hierzulande höchstens ein Brötchen kaufen kann. Daraufhin waren Foxconn und die Auftraggeber, darunter auch Apple, gezwungen, eine Stellungnahme abzugeben. Sie wiesen die Verantwortung von sich, denn Apple-Gründer Steve Jobs sagte, dass die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung durch Kinos, Schwimmbäder und Restaurants gegeben sei, und dass es auch Krankenhäuser gebe. Das ist sicherlich richtig, was Jobs gegenüber dem englischen Sender BBC sagte. Allerdings sagte er nicht, dass die Arbeiter bei Foxconn gar keine Zeit dazu hätten - geschweige denn das Geld - etwas dort zu unternehmen oder aber in den Genuss einer medizinischen Versorgung in einem von Jobs angesprochenen Krankenhäusern zu kommen. Und an dieser Stelle haben auch die recht, die immer wieder gegen den Kapitalismus wettern. Denn Jobs Aussage, es stehen Möglichkeiten zur Verfügung, unterstreicht die materialistische Form des Kapitalismus, macht die Welt aber eben auch nicht besser. Und das erscheint nicht nur unfair gegenüber denen, die In Longhua jeden Tag, manchmal mehr als 24 Stunden, unter anderem auch für den angebissenen Apfel, schuften. Es ist unfair und menschenwidrig.

In Longhua jedenfalls nimmt man den Tod von Jobs wahrscheinlich ebenfalls genauso gelassen wie den berühmten umgefallenen Reissack hin. Denn an den furchtbaren Arbeitsbedingungen in einem der größten Industrieparks wird auch diese Tatsache nichts ändern. Diese Menschen weinen wahrscheinlich nicht mehr um ihr Schicksal. Sie haben sich damit abgefunden oder nehmen sich das Leben - als Erlösung. Aber Jobs, der „Weltverbesserer“, wie ihn einige Zeitungen nannten, sagte einmal: „Der Tod ist die beste Erfindung des Lebens.“ Recht hat er - denn für die Menschen in Longhua und bei Foxconn ist das die Einsicht und Lösung ihres Lebens.