Am 11. September 2001 flogen zwei Passagierflugzeuge in das World Trade Center in New York. Die Welt hielt den Atem an und schien still zu stehen. Unzählige Tote, eine Stadt in Chaos und der Start des Krieges gegen den Terror. Doch war es wirklich al-Qaida, die unter der Führung von Osama bin Laden die Anschläge verübt haben? Der 11. September ist nicht nur ein Tag der Trauer, sondern auch ein Geburtstag. Der Geburtstag der Verschwörungstheorien.

Die Frage, wieso es Verschwörungstheorien gibt, gleicht der ewigen Frage nach dem Ei. Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei oder gar eine dritte, ganz andere Macht? Bezieht man sich auf den 11. September 2001, müsste die Frage nach dem Ursprung anders lauten: Waren es die Flugzeuge, die in die Türme flogen oder beispielsweise die Theorie, dass die angebliche Flugnummer „Q33 NY“ in der Schriftart Wingdings ein Flugzeug, zwei Blätter Papier, einen Totenkopf und einen Davidstern ergibt.  Zuerst kann man sich wundern, weshalb es Verschwörungstheorien gibt. Entstehen sie, weil die Bevölkerung mit der Arbeit einer Regierung unzufrieden ist, also sozusagen, als Konsequenz dessen seine Hilflosigkeit in Theorien auszudrücken, damit Minderwertigkeitskomplexe verschwinden? Oder beruhen sie wirklich auf handfeste Fakten, die nicht nur dem Unterhaltungsfaktor dienen? Sicherlich macht es Spaß, Sachen zu widerlegen, offizielle Erklärungen so auszuziehen, dass Regierungen und Personen aus der Öffentlichkeit nackt dastehen und sich die Hand vor das beste Stück halten müssen, damit sie nicht vollends im Gelächter des Publikums, der Bevölkerung, versinken. Meist jedoch weisen manche Theorien nicht unbedingt einen Funken von Ernsthaftigkeit auf.

Neben der Theorie, dass die Flugnummer in einer bestimmten Schriftart die oben beschriebenen Zeichen ergibt, gibt es noch unzählige andere irrsinnige Überzeugungen, die in Verbindung mit 9/11 stehen. Diese Flugnummer jedenfalls gab es nie. Hört man dabei das Wort Hoax, denkt man vielleicht erst einmal an Zaubersprüche aus „Harry Potter“, dabei ist damit nichts weiter als ein Schwindel gemeint, der sich rasend schnell durch die sozialen Netzwerke verbreitet. Neben dem Unterhaltungssinn profitierte auch Wikipedia von diesem Schabernack. Der Flug „Q33 NY“ gilt dort jetzt als Symbolbild für die Definition von einem Hoax. Auch die Spirituellen auf dem Planeten brauchten nicht lange um ihre ganz eigene Theorie aufzustellen - oder sie waren einfach nur schlecht im Mathematikunterricht. Wie sonst soll man sich erklären, dass sie aus dem Datum 11.09.2011 die Quersumme 23, das Symbol der Illuminaten, errechneten? Illuminaten bezeichneten man auch als „die Erleuchteten“, also nicht mehr als eine Sekte, die der Menschheit die Herrschaft abspricht. Dumm nur, dass sie selber Menschen sind und Fehler vorprogrammiert sind. Die Quersumme des Datums ergibt nämlich nicht 23, sondern 14 – und das ist nicht einmal eine Primzahl.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Verschwörungstheorien schon einen Sinn haben. Im Hinblick auf 9/11 äußert sich das in der Kritik an der kapitalistischen Haltung der Amerikaner, die auch hierzulande angeprangert wird. Im Wesentlichen stellt man sich den „Ami“, wie er im Volksmund auch genannt wird, so vor, dass er erzkonservativ - mit anderen Worten auch prüde – ist, sein Land durch irgendwas höheres bedroht sieht, ob das Aliens oder die bösen Iraker sind sei dahin gestellt, oder aber eben der kapitalistische Grundgedanke einer zugrunde gehenden Weltmacht, die sich trotzdem in jede Belange einmischt, damit sie und kein anderer den Preis der Welt regelt.

Was kostet die halbe Welt? Der Amerikaner nimmt die ganze.

Und so erstaunt es kaum, dass man der amerikanischen Bevölkerung und insbesondere der ehemaligen Bush-Regierung alles zutraut. Beispielsweise auch die Theorie - wohl die populärste und wichtigste - dass die Bush-Regierung die Anschläge nur inszeniert hätte, dass sie so zusagen den Massenmord, bei dem 3000 Menschen starben, ausgeübt haben, damit sie den Irak angreifen können. Eine sehr spektakuläre Behauptung, die nun handfeste Beweise braucht und nicht spirituell angehauchte Thesen wie die oben erläuterten. So makaber es allerdings klingen mag, wenn eine Theorie Sinn hätte, dann die eines inszenierten Massenmordes. Und so wundert es nicht, dass sich diese Ansicht seit über zehn Jahren so hartnäckig hält, wie die Frage nach dem Ei und der Henne. Schließlich hat es in der Weltgeschichte schon einmal eine Inszenierung im großen Stil gegeben. An einem Sommertag 1939 ertönte so im Volksempfänger, bisweilen auch als Radio bekannt, dass Polen die Radiostation Gleiwitz in Oberschlesien überfallen hätte. In Wirklichkeit war es ein von der SS fingierter Überfall. Grund: So hatte man einen Grund, Polen anzugreifen. Der Rest der Geschichte ist bekannt und Polen wurde innerhalb von zwei Wochen komplett überfallen. Natürlich ist Nazi-Deutschland nicht Amerika, allerdings zeigt dieses Beispiel, dass ein solches Szenario nicht gänzlich undenkbar wäre.

In den Theorien zu den Anschlägen am 11. September stützen sich die meisten auf Aussagen von Experten. Diese sagen, dass man an den Stahlträger-Resten der Türme Thermit nachweisen konnte. Dieses Eisengemisch ermöglicht, dass man durch Stahl schneiden kann „wie ein heisses Messer durch Butter“, berichtet die Website „alles-schallundrauch.blogspot.com“. Außerdem, so sagen die Theoretiker, kann man auf Videoaufzeichnungen Explosionen in einzelnen Stockwerken erkennen, die vor den Flugzeugeinstürzen stattgefunden hätten. Auch die Tatsache, dass das World Trade Center ein Jahr vor den Anschlägen insbesondere auf Flugzeugabstürze versichert wurde und Gerüchte, dass die Sprengstoffhunde zwei Tage vor 9/11 abgezogen wurden, unterstreichen die Thesen der Verschwörer. Dies sind allerdings nur ein paar Indizien, die für einen von der US-Regierung inszenierten Anschlag sprechen. Die wirkliche Liste der angeblichen Beweise ist um einiges länger.  

Letztlich aufklären können wird man allerdings nie, was wirklich am 9. September 2001 gegen 8.10 Uhr Ortszeit in New York passiert ist. Dafür kam die offizielle Erklärung der USA damals zu schnell.

Auch wenn viele Verschwörungstheorien an den Haaren herbeigezogen sind, so unterstreichen sie doch den kritischen Blick einer ganzen Bevölkerung – eine Art Gesellschaftskritik. Zusätzlich bieten sie eine Chance für Menschen, sich mit dem politischen Geschehen auf eine ganz andere Art und Weise auseinanderzusetzen. Und so haben auch die Verschwörungstheorien ihre ganz eigene Berechtigung im großen Politikrad. Allein aus diesem Grund darf man ihnen zum Geburtstag gratulieren, wenngleich die Ereignisse an jenem Tag so grausam und unwirklich erscheinen. In diesem Sinne: Alles Gute, Verschwörungstheorien.