Dobré – das bedeutet gutgelaunter Indie-Folk zwischen München und London. Seit sieben Jahren basteln die Musiker nun schon zusammen an ihrer eingängigen Indie-Folk-Mischung mit einer Prise Pop und Rock’n‘Roll. Nach dem Album-Debut „Do the Dobré“ 2011 ist am 25. Oktober der Nachfolger „United“ erschienen, inklusive sonniger Ohrwurm-Single „Going under“. Auf ihrer Release-Tour passten wir die Band in Berlin ab. Sänger Johannes Dobroschke stand Autorin Anita vor einer Traumkulisse an der Spree Rede und Antwort.

Vor einigen Tagen ist euer neues Album „United“ erschienen. Was unterscheidet es von seinen Vorgängern? Seid ihr reifer geworden?

Das Album zeigt mehr Seiten von uns, auch ein paar reifere und ernstere. Es sind einige Spaßnummern dabei, die einfach live total abgehen. Trotzdem haben wir diesmal darauf geachtet, auch bei den Bandfotos und Videos, dass wir ein bisschen aus der Spaßecke rauskommen. Wir wollen zeigen, dass wir durchaus ernsthafte Musiker sind. Wir sind ja nicht mehr so blutjung.

Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?

Nicht so lange. Letztes Jahr im Sommer haben wir aufgenommen, dann nochmal an Weihnachten. Insgesamt war es eine relativ effektive Geschichte von ein paar Tagen. Die meisten Lieder spielen wir schon eine Weile live, deshalb war relativ klar, wie alles abläuft. Dann ist jeder schön unromantisch nacheinander allein ins Studio gegangen und hat seinen Teil eingespielt. Am Ende haben wir uns noch einmal zusammengesetzt und dann war es fertig.

Eure Musik klingt so fluffig-leicht und fröhlich. Was ist euer Tipp für ein entspanntes Lebensgefühl?

Oh, ich weiß nicht. Das ist einfach unser musikalischer Stil. Das ergibt sich so. Wir sind keine verkrampfte Band, wir haben diese Leichtigkeit wohl so an uns.

In euren Songs spielt die Liebe – anders als bei vielen anderen Musikern – eine untergeordnete Rolle. Welche Themen bewegen euch stattdessen?

Es sind eher verschiedene Facetten von zwischenmenschlichen Geschichten, so wie Freundschaft. Auch Veränderungen im Leben sind ganz wichtig. Richtige Liebeslieder sind eigentlich gar nicht drauf. Sogar sowas wie Langeweile kann ein Thema sein. In dem Prozess des Liederschreibens bin ich weggezogen von München, das hat sich darin schon niedergeschlagen.

Vor zwei Jahren bist du nach London gezogen, der Rest der Band lebt noch in München. Schreibt es sich in London anders als in München?

Ja, es schreibt sich anders, aber das liegt daran, dass das Leben anders ist. Ich habe weniger Zeit als vorher, deswegen verändert sich dieser ganze Prozess. Wenn man Neues erlebt, inspiriert das natürlich zu neuen Dingen. Aber das ist nicht London-spezifisch, das hätte auch in Baden-Baden passieren können oder wo auch immer. Generell interessiert mich ja das Zwischenmenschliche am meisten. Und dafür gibt es in London natürlich genug Anschauungsobjekte – da leben sehr viele Menschen.

Ihr habt es geschafft, trotz der Distanz die Band am Laufen zu halten. Wie funktioniert eine erfolgreiche Fernbeziehung?

Es muss einer dahinterstehen, der alles antreibt, sonst schläft es ein. Und wir verstehen uns generell sehr gut und haben Lust, zusammen Musik zu machen. Wir versuchen, die Band so in unser Leben einzubauen, dass es für jeden passt und für niemanden eine Belastung ist. Da muss man natürlich kompromissbereit sein.

Bis jetzt habt ihr fast nur in Bayern, London und Berlin gespielt. Bayern und London sind eure Heimat. Welche Beziehung habt ihr zu Berlin?

Berlin hat sich eher so ergeben. Viele unserer Freunde wohnen hier, aber von uns hat nie jemand hier gelebt. Die Stadt ist schon irgendwie faszinierend, aber wir waren nie diejenigen, die unbedingt nach Berlin ziehen wollen. Dadurch, dass Flux FM angefangen hat unsere Sachen zu spielen, ist die Beziehung zu Berlin dann intensiver geworden. Mittlerweile kennen uns so ein paar Leute hier. Und zum Spielen ist es fast die beste Stadt überhaupt, es gibt sehr interessante Locations.

Mit Berlin und London habt ihr zwei der wichtigsten Musikstädte erobert. Was folgt?

Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Lücken füllen und dann auch mal in Hamburg spielen oder in Köln. Das ist glaube ich wichtiger, als nach Paris oder nach New York zu gehen. Erstmal Deutschland weiter erobern.

Gerade läuft es ziemlich gut für euch. In eurem Song „Time“ beschäftigt ihr euch mit der immer schneller laufenden Zeit. Habt ihr Angst, dass es irgendwann nicht mehr bergauf geht?

Doch, klar. Die Gefahr ist da. Außerdem leben wir nicht davon, es ist für jeden von uns ein Hobby. Wir haben daneben alle richtige Jobs, teilweise auch schon Kinder, insofern wird es nicht leichter. Aber wir haben nie viel geplant. Wir leben da sehr im Moment. Und solange es weiter geht, ist es cool.

Was ist das besondere an eurer Musik?

Wahrscheinlich muss man das andere Leute fragen, wir stecken da zu weit drin. Wir sind ziemlich unverkrampft, würde ich sagen, und was musikalische Einflüsse angeht relativ offen. Aber um dazu mehr zu sagen, kenne ich uns zu gut. Andere könnten dann vielleicht sagen: „Dobré, das sind die mit diesen Mitsing-Liedern“, dann könnte ich sagen: „Ja, das stimmt schon, aber das ist nur eine Seite.“ Melodien sind bei uns sehr wichtig, wenn man es auf irgendwas reduzieren möchte.

Kannst du trotzdem versuchen, euch in drei Worten beschreiben?

Melodie, das habe ich eben schon gesagt. Dann Spaß-an-der-Freud, das ist ein Wort. Und Ironie, auch ein bisschen im schwarzen Sinn, sozusagen. Wenn ich jetzt nur Melodie und Spaß an der Freud sage, klinge ich ja wie eine Bierzeltband. Aber bei uns gibt es immer eine Ebene, die das bricht, wenn sich die Texte beispielsweise mit ernsteren Sachen beschäftigen. Und mit Spaß an der Freud ist die Einstellung gemeint und nicht, dass es immer nur lustig zugeht bei uns.