Es war ein Zufall, Karla Stereochemistry (28) zu treffen. Es war an einem Abend, an dem eine ganz andere Geschichte, die der Blood Rites, entstehen sollte. Karla war mit ihrem Soloprojekt Stereochemistry Vorband. Irgendwann, als dann Zustände zwischen Delirium und Vernunft sich abwechselten, sprachen wir das verrückte und auffällige Mädchen an. Wir wollen nicht zu viel über unser neues Cover-Gesicht verraten, deshalb lest lieber selbst.

Stereochemistry ist dein Künstlername. Wie ist dein richtiger Name?
Karla Hajman. Ich habe einen österreichischen Nachnamen. Es wurde eigentlich wie das deutsche „Heimann“ geschrieben, aber in Jugoslawien haben sie es falsch aufgeschrieben, so dass meine Schwester und ich einen „falschen“ Nachnamen haben und mein Vater den Deutschen.

Rauchst du?
Nein.

Und warum hältst du auf dem Bild eine Zigarette in der Hand?
Weil der Direktor des Shootings eine schöne Idee hatte, er ist mein Meister und ich habe auf ihn zu hören.

Aus welchem Land kommst du?
Das ist etwas schwierig, ich wurde in einem Land geboren, das nicht mehr existiert – in Jugoslawien. Ich wuchs in Italien auf und lebte in Schweden und Spanien. Ich komme von überall.

Und was machst du jetzt in Deutschland?
Ich nehme ein neues Album auf und arbeite an einem kleinen Filmprojekt. Ja, eigentliche mehrere kleine Filmprojekte.

Was aber hat es mit Stereochemistry auf sich?
Stereochemistry ist mein Soloprojekt. Es ist eine Art Ein-Frau-Pop-Kabarett-Show. Seit fünf Jahren ist es mein Soloprojekt. Ich habe es 2006 gegründet und habe meinen Job vor vier Jahren aufgegeben um mich nur der Musik widmen zu können und eine Straßenmusikerin in Barcelona zu werden. Zur großen Freude meiner Eltern – sie haben zwei Monate lang nicht mit mir geredet. Jetzt sind sie meine größten Fans.

Wie klingen die Lieder?
Die Songs sind meistens autobiographisch, es sind kleine Geschichten über Liebe, Reisen, was eben so in der Welt passiert, was mich beeindruckt. Dinge, die im Leben einer ganz normalen Person passieren oder in meinem Leben. Ich war jetzt ein Jahr auf Tour und mein neues Album ist sehr beeinflusst davon, neue und verschiedene Leute an allen möglichen Orten der Welt zu treffen. Mein neues Album heißt „Vagabond Cabaret“, das Kabarett, das herum reist.

Wo schreibst du deine Songs?
Wo ich sie schreibe? Überall. Ich habe manche am Flughafen geschrieben. In einem Tour-Jahr hatte ich 36 Flüge und musste soviel Zeit am Flughafen verbringen, dass ich dort Songs geschrieben habe. Aber auch in Zügen oder  in irgendeiner Wohnung, in der ich gerade bin, da ich meistens irgendwo bei Freunden schlafe, wenn ich reise. Jede Wohnung ist irgendwie inspirierend.

Du schreibst deine Songs selber. Woher kommen deine Ideen und woher nimmst du die Inspiration?
Aus meinem Leben. Leute, die ich treffe. Zum Beispiel habe ich in Berlin einen Mann am Valentinstag kennen gelernt, als ich eine Show hatte. Nach der Show sind wir bei ihm gelandet.  Am nächsten Morgen – anstatt einfach mit dem Spaß weiterzumachen – sagte er plötzlich „Verlieb dich nicht in mich“ und ich sagte „Kannst du nicht einfach die Klappe halten und mich ficken? Keine Sorge, ich habe dich gerade erst kennen gelernt und geh morgen wieder nach Italien.“ Dann habe ich meine neue Single geschrieben, die „Shut up and fuck me“ heißt, die eben von dieser Situation handelt. Stefan und ich sind jetzt sehr gute Freunde und ich habe seinen Namen in die Widmung des Songs einsetzen lassen – als „director of pornography“.
Aber eigentlich hast du doch Biochemie studiert, oder?
Etwas ähnliches: Biotechnologie und ich habe sogar einen Master-Abschluss.

War das Studium sehr hart?
Ich denke, wenn du etwas wirklich machen willst, dann machst du es einfach. Nichts ist hart, wenn du es wirklich willst. Du musst nur geduldig sein.

Als abschließende Frage: Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Es ist wirklich schwer, diese Frage zu beantworten, weil ich in den letzten drei Jahren fünf oder sechs Mal in andere Länder gezogen bin und eigentlich fast jede Woche oder zumindest alle zehn Tage in einem anderen Land oder einer anderen Stadt war. So ist es schwer, so weit in die Zukunft blicken zu können. Aber sagen wir mal so, was der ideale Traum wäre: Ich mit einem Slyle-Magazin in der Hand, während ich mit meiner Freundin und Kollegin Lady Gaga ein Interview bezüglich unseres neuen Projekts gebe.