Zum 15. Mal bietet das Immergut Festival in Neustrelitz wieder drei Tage feinste Popkultur auf ausverkaufter Wiese. Das Festival empfiehlt sich erneut als Sammelstelle kleiner Labels, die ihre Künstler ins Rennen um die Herzen der treuen Besucher schicken.

So ist das Immergut eine Fundgrube an frischen Bands – und erster Indikator für den bevorstehenden Festivalsommer. Als jetzt auch noch das sonnige Wetter passte, war das Komplettpaket der Freude geschnürrt: Am frühen Nachmittag ging es zum Anbaden an einen der vielen Seen in der unmittelbaren Umgebung, am Nachmittag konnte den Lesungen gelauscht werden, ehe am Abend die Bühnen bespielt wurden. Unter anderem mit sanftmütigen Klängen von Hundreds, Real Estate und Girls in Hawaii. Judith Holofernes, gut bekannt als Frontfrau von Wir sind Helden, präsentierte sich mit ihren ersten Schritten als Solokünstlerin dem Publikum. Wem das alles zu ruhig war, fand mit Cloud Nothings und Die! Die! Die! auch schrammeligen Rock im Festivalprogramm.

Das Altbekannte

Jedes Immergut braucht seine Homecoming-Band. Die Gruppe Slut aus Ingolstadt reiht sich nahtlos ein in die Garde um Readymade, den Sportfreunden Stiller oder Beatsteaks, die als Bands der ersten Stunde das Immergut zu dem gemacht haben was es heute ist. Melancholischer Rock weicht auf dem neuen Album auch mal elektronischen Einflüssen. Maßgeblich daran beteiligt ist der Produzent Tobias Siebert, der von der Band ins Boot geholt und dem Publikum als weiterer Gitarrist vorgestellt wurde. Sanft gerockt wurde also auch weiterhin (nur) an den Gitarren, Innovationen gab auch beim diesjährigen - sage und schreibe - 20-jährigen Bühnenjubiläum der Band nicht zu sehen. Slut bleiben Slut.

Zu Bonaparte - auch alte Bekannte des Immerguts - muss angesichts der steilen Karriere nicht mehr viel gesagt werden. "Sie" sind eigentlich und vor allem "er", nämlich der Schweizer Tobias Jundt, der mit seinen energiegeladenen Auftritt und einer grandiosen Bühnenshow einfach unglaublich viel Spaß bereitet.

Das Überraschende

"Nanu?", wird sich der ein oder andere gedacht haben, "Feine Sahne Fischfilet spielen auf dem Immergut!". So richtig passen die soliden Punkrocker mit Ska-Einschlägen nicht ins sonst übliche line up des Festivals. Doch Passgenauigkeit ist ohnehin nicht die Stärke der Ostseejungs, meint auch der Verfassungschutz von Mecklenburg-Vorpommern. Dieser hatte die Band 2011 in ihrem Bericht als linksextrem eingestuft. Den Musikern gefiel das gar nicht, auch wenn es ihrer Bekanntheit sicher nicht geschadet haben dürfte. Deftige Texte in Deutsch, Bekenntnisse gegen Nazis und dafür, einfach mal die Sau rauszulassen zu dürfen: Dazu hatten Feine Sahne Fischfilets eine Schar an treuen Fans gleich mit im Gepäck - die das Festzelt zum beben brachten.

Soulig bis krakehlig schmettert Samuel T. Herring, der charismatische Frontmann der US-Amerikanischen Band Future Islands, seine ganze Leidenschaft ins Mikro zum verträumten Synthpop-Rhythmus. Irgendwas passt bei dieser Band ganz gewaltig gut zusammen. Das meinen auch die Besucher und fordern euphorisch ihre Zugabe ein. Mehr als einen Titel ließ der Zeitplan des Festivals aber leider nicht mehr zu. Future Islands gehören sicher zu den Überraschungen des Immerguts.

Das Finale

Mit FM Belfast ist der perfekte Soundtrack gefunden zu dem es sich hervorragend für alle Marathonläufe Deutschlands trainieren ließe. Treibend und energiegeladen, so präsentierte sich die Gruppe schon einmal vor vier Jahren auf dem Immergut. Nun waren sie zur besten Zeit auf die Hauptbühne geladen um das finale Feuerwerk zu zünden. Dies ist den Isländern sichtlich gelungen. Apropos Isländer: Kann mir eigentlich mal jemand verraten, aus welcher heißen Quelle dieser Insel ständig neue Musikgrößen emporsprudeln?

Das Bleibende

Der Immergutrocken e.V. organisiert jährlich am letzten Maiwochenende das Festival und legt dabei viel Wert auf Details. Kein großer Biersponsor verstellt die Sicht auf das Wesentliche. Hier hat Popkultur ein würdiges Zuhause. Und so geht es mit dem Gefühl zurück, an einer wahrhaft immerguten Sache teilgenommen zu haben. Auf ein Wiedersehen!

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