Wie ein konservativer Politiker es immer wieder schafft, unsere innersten Gefühle auszusprechen.

Manchmal ist das Herz dem Kopf in Sachen Rationalität um Meilen voraus. Der Kopf oder auch „Das Gehirn“ genannt, fälschlicherweise das Zentrum des menschlichen Verstandes, kann nämlich auf ziemlich unreife Gedanken kommen: „Kopf sein“ heißt manchmal eben einfach „Kindskopf sein“. Das Herz muss dann als die gute Seele des Körpers intervenieren, dem Kopf gut zureden und alles wieder heile pusten. Das Herz ist nun einmal viel erfahrener als der Verstand, der, wenn er denn wieder überschäumt, gleich alles mit einem wilden blubbrigen Meer braun-blauer, gärender Brause bedeckt.

Ähnliches Interventionsverhalten konnte laut Spiegel Online letztens bei unserem Kanzleramtsminister Ronald Pofalla beobachtet werden. Dessen aus „kleinen Verhältnissen“ stammendes Herz hatte schon immer wegen Pofallas Entscheidung, der CDU beizutreten, die Augen verdreht, doch ließ gewähren, als es sich so unsterblich in ein süßes blondes Parteimitglied der Jungen Union verliebt hatte. Anscheinend langte es ihm dann doch und griff nach einer Sitzung der nord-rheinwestfälischen Landesgruppe, ganz nach Herzensmanier, keulformartig in die Karriere seines Wirts ein. Es konnte die Dummheiten der Kollegen einfach nicht mehr ertragen: „Der macht mit seiner Scheiße die Leute verrückt“ soll Pofalla über seinen Parteifreund Wolfgang Bosbach gewettert haben. Danach platze ihm sogar „Ich kann seine Fresse nicht mehr sehen“ heraus.

Da hat das Herz des Diplom-Sozialpädagogen gesprochen. Es wollte sagen: „So jetzt ist aber Schluss mit dem CDU-Blödsinn, den ich mir die letzten 36 Jahre anhören musste.“ Bosbach, der neben Muslimen, Freiheit und Paintball-Spielen nun auch die EU hasst, war einen Schritt zu weit gegangen. Er hat den sonst so unschuldigen Pofalla mit seinen Äußerungen derart gereizt, dass dieser seine Abscheu nicht mehr zurückhalten konnte.

Die Medien vermarkten sich geschockt. Pofalla, in Fachkreisen auch Prollfalla genannt, habe über die Strenge geschlagen. So könne man mit dem sich verdient gemachten Abweichler Bosbach nicht umgehen. Es gebe doch schließlich auch Meinungsfreiheit (da hätte Bosbach sich fast in sein eigenes Bein gebissen). Wir machen jetzt von selbiger Gebrauch und haben jedenfalls nichts dagegen, wenn Prollfalla sein Herz sprechen lässt.

Zumal es ja nicht das erste Mal war, dass Prollfalla von dem CDU-Haufen genug hatte. Guttenbergs parteiinterner Name „Rumpelstilzchen“ soll angeblich von ihm stammen und Norbert Röttgens Wahl zum CDU-Landesvorsitzenden in NRW versuchte er fast manisch mit aller Kraft zu verhindern. Endlich ein konservativer Politiker, der sich für die Menschen einsetzt.

Auf Youtubes „Wall of Suggested Shame“ hat sich der sonst so zurückhaltende Politiker ohnehin einen festen Platz gesichert. Sein „Uuuund weil es nicht klappt!“-Video erreichte Kultstatus und fast 50.000 Klicks. Wenn unser Sprachrohr auf die Kacke haut, dann richtig. Er spricht uns aus der Seele. Spricht, wie unser Orphan-Orakel Sarrazin aus, was wir kleinen Leute uns nie zu denken geträumt haben. Wir kleinen Leute, wie Prollfalla selbst einmal einer war, (vor der Sache mit den Steuern). Er spricht Gedanken aus, zu denen uns einfach das nötige Niveau fehlt. Doch jetzt können wir es auch sagen.

„Bosbach, wir können deine Fresse nicht mehr sehen!“. Dieser Satz war nach seiner Veröffentlichung plötzlich in aller Munde. Nun ist er wieder ein wenig verstummt. Bleibt uns nur noch, auf Prollfallas hoffentlich bald erscheinenden Bildband: „Bosbach schafft sich ab“ zu warten, während wir gespannt von weiteren Herzensangelegenheiten unserer Spitzenpolitiker träumen.