Kurz und knackig ist immer gut. Oder lang und wirr. Überhaupt scheint es dieser Tage kein rechtes Mittelding mehr zu geben, wenn es um die Namensgebung von Musikprojekten geht. Fenster haben es da ganz gut gemacht und ein Wort zum Namen gewählt, das im alltäglichen Sprachgebrauch schon ewig drin ist und so eingängig und vertraut wie auch fremd daherkommt.

Fenster – öffnet man es, strömt frische Luft hinein. Bisweilen aber auch Rauch oder Dunst, Kälte und Staub, kleine Fliegen oder klebrige Lebenszeichen von Pappeln. Schließt man es, ist‘s drinnen mollig warm. Oder eben stickig. Spiegeln kann man sich darin, wenn es dunkel wird. Andere hindurch beobachten. Und sogar sehen, was der Nachbar von oben bei geöffneten Scheiben tut, der spiegelt sich nämlich auch. Von draußen sieht es im Winter einladend aus, gemütlich. Und weil freies Assoziieren großen Spaß macht, aber eben auch nur ist, was es ist, hier noch ein bisschen handfeste Info dazu: das Wort kommt vom lateinischen „fenestra“, war historisch gesehen mal Ausguck, mal Belüftungselement, mal Zierobjekt. Wir haben es also mit einem eigentümlichen Ding zu tun.

Mit Fenster, der Band, ist es ganz ähnlich. Die Eigentümlichkeit, die zuerst einmal nur eine kurze Anekdote ist, beginnt damit, dass wir Fenster zum ersten Mal dort live gesehen haben, wo wenig später auch unsere Releaseparty stattfand – in der Neuköllner 129 Gallery auf der Emser Straße nämlich. Vielleicht ist das ein gutes Omen, wir geben Bescheid, wenn wir Näheres dazu wissen. Zurück zum Eigentlichen aber. Da standen sie also, irgendwann im Mai, sangen zarte schöne Lieder, untermalten sie mit Gitarren, Rasseln, Synthie und so mancher Gast dachte wohl schon: „Die werden‘s weit bringen“. Dass die Dinge in Berlin manchmal schneller gehen, als man Zukunft ausbuchstabiert hat, weiß man ja nun rund um den Globus. Bei Fenster ging‘s tatsächlich sehr fix. Gerade noch im kleinen Club von nebenan und durch einiges Geflüster (das natürlich schnell lauter werden wollte) von Ohr zu Ohr gegeben, sind sie nun bei Morr Music unter Vertrag, jenem sympathischen Label, auf dem auch Acts wie Contriva, Masha Qrella, Lali Puna, MS. John Soda oder The Go Find wohnen. Aber wo wir nun so schnell voran geprescht sind mit Labelnachbarn noch einmal kurz auf Anfang: Wer sind die überhaupt?

Nun, zuerst einmal sind Fenster JJ Weihl, ein Mädchen aus New York, und Jonathan Jarzyna aus Berlin. Musikalisch zueinander gefunden haben die Beiden wohl irgendwo zwischen Geisterwelt und Zauberwald. Das legen jedenfalls die Texte nah, die von Engeln und Träumen erzählen – was übrigens wieder schön zum Bandnamen passt, der ja ein ebensolches Dazwischen markiert, wie es Geister und Engel, Träume und Friedhöfe tun: Sie sind Teile der Gesellschaft, weil man sich über sie den Kopf zerbricht, ohne dass man sie jemals richtig (be)greifen könnte. Darum kann man sich auch so wunderbar in ihnen verlieren. Fenster kriegen die Übersetzung dieser Ideen in Lieder ziemlich toll hin – sie sind spannend, sie sind leicht und sie spielen mit den Geräuschen der Stadt. Schaut man sich die Tour an, die sie im Oktober hingelegt haben, weiß man, dass sie vermutlich keine Eintagsfliege sein werden. Dazu machen sie ihre Musik zu genau, zu überlegt – Tracks wie „Blue to White“, „The Hunter“ oder „Gespenster“ zeugen davon. Im März 2012 erscheint ihr erstes Album bei Morr Music.