Wenn man am Sonntag verkatert mit zwei großen schwarzen Kreisen um die Augen und gefühlten zwei Kilogramm Glitzer in den Haaren aufwacht, weiß man, dass der letzte Abend keine normaler war. Rekapitulieren fällt schwer. Mit Blick auf den riesigen Stapel Funkel-Klamotten neben dem Bett denken wir jedoch, dass diese Geschichte nicht einfach verloren gehen darf. Wir erinnern uns: Man sagte uns, wir sollten über zwei Studenten berichten, die einen Modeblog betreiben. Wir sollten zu ihrer Wohnung in Moabit fahren und bei Panda klingeln.

Die Panda Kids heißen Laura und Joost und führen uns durch ihre weitläufige Panda-WG. Eigentlich eine typische Altbauwohnung: ein langer Flur, hohe Decken, große Zimmer, wenige Möbel. Laura flitzt in einem Cocktail aus aufgeregten Gesten und abgeklärten, müden Augen mit ihren krümelmonster-blauen Haaren zwischen Spiegel, Badezimmer und lustiger Lady-Gaga-Geschichte umher. In Joosts Zimmer umkreisen Heimorgel, Vintage-Klamotten und Kinderschulranzen ein paar Buffalos, die er mit blinkenden Diskokugel-Spiegelchen beklebt hat. „Wir gehen heute zur Join the Sparkle-Party“, sagt er begeistert und fügt hinzu, es sei die beste Party des Jahres. „Sparkle“ heißt funkeln und wir sind froh, dass wir heute zufällig unsere einzigen Glitzer-Klamotten tragen.

Gegründet haben sich die Panda-Kids vor ungefähr einem Jahr. Joost und Laura kannten sich aus der Uni, wo sie gemeinsam Chinesisch-Kurse besuchten. Schnell wurde klar, dass sie eine Idee teilen: Als leidenschaftliche Partygänger wollten die beiden nicht einfach immer nur „dabei sein“, sondern das Nachtleben aktiv mitgestalten: Sie starteten ihren Blog Chloroformtv.de und machen seitdem kurze, witzige Videos über die Party- und Modewelt Berlins.

Plötzlich steht Laura in der Tür mit einem großen Schmink-Etui. „Die Panda-Augen sind dran“, verkündet sie strahlend. Wie Profis stattet sie uns in nur wenigen Minuten mit schwarzen Augen und zusätzlichem Glitzer für die Party aus.
Jetzt kann es losgehen und wir machen uns zusammen mit ihren Freunden auf den Weg zu Monster Ronsons auf der Warschauer Straße.

In der Schlange vor dem Club treffen wir Larry, einen sehr exaltierten Typ in einem BH, der alles liebt und umarmt was ihm vor die Nase kommt. Die Panda Kids danken es ihm mit Begeisterung und Panda-Liebe. Diese Liebe startet und endet meistens mit einem lauten „Ahhh!!!“

Ein bisschen Larry steckt in in den meisten Männern und Frauen, die wir an diesem Abend treffen. Ganz viel zum Beispiel in dem letzten Gewinner des Space-Cuffs-Wettbewerbs, einer Drag Queen mit so viel Herz, dass es von der Panda-Umarmung beinahe gebrochen wird. Verletzlichkeit und Herzlichkeit sind etwas, was die Atmosphäre an diesem Abend beflügelt. Das und die ausgefallenen Kostüme. Wir sehen einen glitzernden Space-Soldaten hier, einen goldenen Metall-Druiden dort und einen gelben Klaus-Nomi hinter der mit viel Liebe und Sparkle dekorierten Theke. Die Deko und die Kostüme scheinen fragil, nur für diesen einen Abend gemacht. Joosts Spiegelsteine hingegen kleben fest und unverwüstlich auf den hohen Plateauschuhen. Wir sind begeistert, schauen den Performances zu, bewundern die Poletänzer, hüpfen zu Live-Musik. Jeder ist sehr offen und freundlich. Wir fragen uns, wie die Pandas da rein passen.

Pandabären sind extrem selten. Vom Aussterben bedroht. Ein Grund, weshalb sie von vielen Menschen geliebt werden, ist ihre Schönheit. Ob die Bären von ihrer Ausstrahlung wissen, bleibt ungeklärt. Diese Panda Kids scheinen etwas darüber zu wissen. Das lässt sie und die anderen anwesenden Blogger hier so herausstechen. Gerade als Joost und Laura diesen einen Typen vom Exberliner mit dem Nasenring begrüßen, schaut Frank von „I Heart Berlin“ eher kühl herüber. Irgendwie sind sie alle Panda-Kinder heute Abend. Die Blogger. Sie scheinen beruflich hier zu sein, bewegen sich gekonnt auf der Zuschauertribüne, können sich deshalb aber auch nicht gehen lassen: Nichts ist so prekär wie das Sehen und Gesehenwerden auf der Zuschauertribüne, während die Schauspieler dem Publikum ihr Herz ausschütten.

Uns gefällt dieses Theater jedenfalls sehr und wir beziehen es beim Disco-Tanzen sicher in die Auswahl der besten Parties des Jahres mit ein. Versprochen. Derweil heißt es für die Pandas harte Arbeit für ihren Blog. Es werden die üblichen Verdächtigen der Szene begrüßt und Interviews mit den Stars und Sternchen der Nacht geführt. Dazu halten sie zum Beispiel der Frontfrau von der Band „Italoporno“ ein riesiges Schaumstoff-Mikrofon unter die Nase, schenken ihm vor der Kamera ganz viel Panda-Liebe und fragen ihn über das aus, was am Ende als lustiger O-Ton auf dem Youtube-Video Platz haben könnte. Auf ihrem Blog Chloroformtv.de finden sich so nun schon  Veröffentlichungen wie „How To Be a Panda“ oder „Water Your Mind Garden“. Alles ziemlich witzig, süß, crazy und mit viel ostasiatischem Jugendcharme.

Mit der Zeit wird uns dann auch klar, wie die Pandas in diese Welt der zarten Draq-Queen-Seelen hineinpassen. Die Blogger sind gerngesehene Gäste, denn sie verleihen den Parties weniger zusätzliche Öffentlichkeit als vielmehr Relevanz. Wir leben in einem Medienzeitalter und manchmal fühlt es sich an, als hätten Ereignisse gar nicht stattgefunden, wenn nicht irgendwo über sie berichtet wurde. Sei es auf Partyfotos.de, Facebook oder eben den zahlreichen Blogs. Vielleicht sind es sogar die Blogger selbst, die diese Sparkling-Party überhaupt existieren lassen. Wir hoffen jedenfalls, dass ihr Leuchten mit Hilfe der Panda Kids noch in 1000 Jahren zu sehen sein wird.