Aufgrund der Witterungsbedingungen basteln wir mit Bagatellchen. Und natürlich nicht nur deswegen, sondern auch, weil das Weihnachtsfest sich nicht mehr nur im Supermarkt in Form hunderter komischer Schokomänner ankündigt, sondern nun so richtig ernsthaft näher rückt. Und weil es nun endgültig zu kalt ist, ein Bier oder einen Apfel unter freiem Himmel zu verzehren, ersetzen wir einfach fix das Bier durch einen Tee und rufen frohen Mutes aus: Manege frei für das Slyle-Bastelstudio.

Funktionieren kann das natürlich nur, wenn man kundige Menschen an der Hand hat, die im Basteln gut sind. Wir haben uns dafür Bagatellchen rausgesucht, zwei Mädchen, die wir in Berlin kennen gelernt haben und die schönen Emailleschmuck machen. Eines von ihnen ist Silke. Sie ist Mitte 20, studiert an der FH Potsdam Wandmalereirestaurierung und hat, wie sie bei Kaffee und Kuchen erzählt, schon immer gern gebastelt und genäht. Der andere Teil von Bagatellchen, Sophie nämlich, lebt im Moment in Amsterdam, aber dazu kommen wir später noch einmal. Zunächst zurück zu Silke: Vor etwas mehr als vier Jahren, im August 2007, hat sie einen Shop bei Dawanda eröffnet, jener Internetplattform für Selbstgebasteltes, die in den folgenden Jahren förmlich überrannt wurde. Dort hat sie, damals noch allein, aber bereits mit dem schönen Namen ‚Bagatellchen‘ im Gepäck, Textiles verkauft, vor allem Taschen. Das lief gut und hätte vermutlich lange so weitergehen können, wenn nicht Sophie im Amsterdamer Rijksmuseum, in dem sie ein Praktikum machte, mit Emaille in Berührung gekommen wäre, einem amorphen Stoff aus anorganischen Substanzen wie Oxiden und Silikaten, der beim Schmelzen glänzend wird. Genau da war auch gleich das Problem: Wie, ja wie, sollte man die Sache mit dem Schmelzen daheim hinbekommen? Voilà, mit einem Ofen! Nur, dass der dummerweise reichlich teuer war, weil hier natürlich nicht von einem normalen Backofen die Rede ist, sondern einem kleinen Muffelofen, der solide 800 bis 900 Grad heiß wird. Wie der Zufall es wollte, hatte Freund und Helfer Ebay aber einen solchen just im Angebot und nach einigen schlaflosen Nächten und spannungsvollen letzten Minuten ging das kleine Teil an die Bagatellchen-Mädchen. Das war Ende 2009. Bei Emaille-Hiller wurden Kupfer, Farben und Emaillepulver bestellt und schon ging es los. Eine erste kleine Kollektion, vor allem von Ohrringen, wurde in aller Eile produziert, im Freundeskreis herumgezeigt und schließlich für so gut befunden, dass die nächste Entscheidung eigentlich nicht mehr schwer fiel: Silkes Dawanda-Shop wurde reaktiviert und mit den Schmuckstücken gefüttert. Neben der Internetpräsenz haben Bagatellchen aber immer auch Wert darauf gelegt, in der echten Welt, in der man rumlaufen und Gebasteltes anfassen kann, präsent zu sein. Auf Märkten wie dem Flowmarkt am Neuköllner Maybachufer oder auch einem kleinen feinen Geschäft in Dresden, das auf den hübschen Namen „Buttendorf“ hört. Dass solch ein paralleles Bedienen zweier verschiedener Kanäle ein sinnvoller Weg ist, leuchtet natürlich rasch ein, wenn man sich Dawanda einmal genau ansieht: Sucht man dort nach „Ansteckern“, was schon eine recht spezifische Anfrage ist, spuckt der Online-Laden allein über 14.000 Ergebnisse aus. Silke spricht an dieser Stelle von „Übersättigung“ und davon, dass der Markt 2007 noch um einiges übersichtlicher war, aber auch davon, dass „das trotz allem ein recht lobenswerter Trend ist, auch wenn ziemlich viel abgekupfert wird.“ So ist es, und davon einmal abgesehen, haben Bagatellchen noch ein weiteres Ass im Ärmel, das nur versteht, wer sich mit Handarbeit ein klitzekleines bisschen auskennt. Silke erklärt nämlich, dass bei ihr und Sophie tatsächlich alles Handarbeit ist: „Wir machen alles selber und kleben nicht nur fertige Dinge aneinander. Für einen Ring entsteht aus einer Kupferplatte ein Rohling, auf den Emaillepulver und destilliertes Wasser aufgetragen werden. Das Pulver gibt es in verschiedenen Farben und man kann mehrere Farbschichten übereinander brennen.“ So erklären sich auch die feinen Malereien auf den Haarklemmen, Ohrringen und Ringen. Auf die Frage, wie es weitergehen soll, hat Silke auch keine so genaue Antwort. Dass es weitergehen wird mit Bagatellchen, ist klar, aber da Sophie nun erst einmal in Amsterdam lebt und es eben auch immer noch andere kleine und große Baustellen im Leben gibt, wird sich zeigen, wieviel wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren zu Gesicht und hoffentlich auch an Finger und Haar bekommen werden. Erst einmal ist Silke eifrig am Werkeln – es ist ja auch Winter, da macht das Spaß. Am 27. November kann man sie mit einem Stand auf dem Neuköllner Ladenmarkt in der Altenbraker Straße 26 besuchen. Im Warmen, bei Tee und Kuchen. Wer aber denkt, dass eisige Temperaturen irgendjemanden abhalten könnten, einen Ohrring von Bagatellchen zu erwerben, der irrt schwer: Silke erzählt uns zum Abschied, dass gerade im Winter viele Leute den Weg auf Outdoor-Märkte suchen. Vielleicht – Entschuldigung für diesen kitschigen Schluss – weil ihnen beim Anblick der filigranen Basteleien warm ums Herz wird.