...sind wir! Wir sind schnell gelangweilt, haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, können uns nur schwer konzentrieren und wählen deshalb die Piratenpartei. Was aber viel spannender ist: Wir sind die letzte Generation, die ein Leben ohne Internet kennt. Eine Typisierung aus erster Hand oder warum der Generationskonflikt heutzutage ein digitaler ist:

Die Menschen stumpfen ab. Ein normaler Vorgang, wenn einem Sachen einfach, digital und online zur Verfügung gestellt werden. Unser Gehirn gleicht so einem riesigen Schrottplatz, aus dem wir uns das Wissen heraussuchen müssen, das uns wichtig erscheint. Das menschliche Gehirn funktionierte einst wie eine große und aufgeräumte Bibliothek. Es funktionierte ein wenig wie die Suchmaschine Google. Wir geben ein paar Schlagwörter ein und finden die Sachen, die wir brauchen. Ich meine, heute hat sich unser Gehirn dem digitalen Zeitalter angepasst und präsentiert sich wie das Internet selber. In der Schule, Uni oder einem anderen Bildungsinstitut sitzen wir mit unseren Smartphones. „Wie hieß noch einmal der berühmte Wissenschaftler, der den freien Fall beschrieb?“ Wir geben „freier Fall“ und „Wissenschaftler“ in unsere damals noch als „Handy“ bezeichneten Geräte ein und es dauert nicht lange, bis wir des Rätsels Lösung gefunden haben: Ein Wikipedia-Eintrag liegt in digitaler Form vor uns, der uns sagt, dass es Galileo Galilei war. Schon kann man vor dem Lehrer, dem Dozenten oder dem Professor mit ,seinem‘ Wissen glänzen. Ich ertappe mich oft selbst dabei, diese Methode anzuwenden. Oft kratze ich mir danach kurz den Kopf, weil mich etwas das schlechte Gewissen plagt, schließlich wusste ich die Antwort auf die Frage nicht selber, sondern die Wikipedia-App. Das verfliegt allerdings ungefähr genauso schnell, wie es gekommen ist – wir leben ja schließlich in einer schnelllebigen Welt. Was ich damit meine ist, dass sich die Menschen in ihrer Gewöhnung an das Internet angepasst haben.

Vor ein paar Jahren plagte noch der Schweinehund als es hieß, du sollst ein Referat vorbereiten oder eine Facharbeit schreiben. Sofort wusstest du, dass du dich durch unzählige Lektüre würdest kämpfen müssen. Das bleibt uns dank der digitalen Welt erspart – zum Glück. Und auch empfinde ich es als Vorteil, wenn ich mich verlaufen habe und mich von meinem iPhone orten lassen kann, damit ich wieder den richtigen Weg finde. Oder auch wenn ich im Supermarkt stehe und vergessen habe, ein Rezept aus dem Kochbuch aufzuschreiben. Eine Sucheingabe später finde ich eine Liste von Lebensmitteln, die ich für das gewünschte Gericht brauche. Das digitale Zeitalter vereinfacht uns vieles, das ist klar, doch meine Termine trage ich immer noch in einen Kalender aus Papier ein, weil ich sie mir so besser merken kann, wie es meine Vorrednerin in der letzten Ausgabe schon beschrieben hat. Wir schlagen uns die Hände über den Kopf, wenn wir hören, dass Piloten ein Flugzeug kaum noch richtig ohne den Autopiloten steuern können. Doch wir funktionieren genau nach diesem Muster.

Das Problem, das eben auch ich in der Veränderung der Welt durch die Digitalisierung sehe ist, dass ich heutzutage nicht mehr meine Wohnung verlassen muss, weil ich alles ,online‘ machen kann, sei das eine Überweisung, ein Einkauf oder aber eine wichtige Konferenz, die ich jetzt über Skype abwickle.

Was daraus resultiert, ist eine mangelnde Wertschätzung. Und das in jedem Bereich. Früher hätte ich für eine Zeitung oder ein Magazin Geld ausgegeben, heute habe ich die App von „Süddeutsche“, „n-tv“ und „FAZ“. Wenn ich heute in ein Café gehe, hole ich mir also nicht die Zeitungen vom Stapel, sondern benutze die vorher angesprochenen Apps. „Das Web ist das, was du daraus machst“, schreibt sich in der letzten Zeit Google als Werbespruch auf die Fahne. Recht hat sie wieder einmal, die Suchmaschine. Schließlich haben wir dem Internet oder der digitalen Welt zu viel Spielraum gegeben. Ich bin froh, dass die Kinder unserer Schulen noch Zeugnisse nach einem Schulhalbjahr bekommen und ihre Zensuren nicht aus dem Zentralnetzwerk der Einrichtung ziehen müssen, wie es jetzt schon fast alle Studenten machen müssen, wenn sie eine Zensur nach einer Klausur oder einem Semester erfahren wollen. Allein diese Wertschätzung der eigenen Leistung geht vollkommen verloren, weil wir die Zensuren nicht mehr auf Papier, sondern auf einem Display sehen. Und das Schlimme daran ist, dass sich diese verlorene Wertschätzung auf die Generation unserer Großeltern übertragen hat. Denn wenn ich ihnen zeige, welch ach so tolles Bild ich fotografiert habe, zeige ich ihnen ein Bild auf meinem Smartphone. Schnell merke ich, dass ich sie deswegen nicht so richtig dafür begeistern konnte, weil sie mir keinen Glauben schenken, dass ich das Bild mit großer Leistung schießen musste oder gar, dass es überhaupt von mir kommt. Sie sind unsicher und ihnen wird nachgesagt, dass sie keine Affinität zu eben solchen Geräten haben. Dabei sind sie einfach nur skeptisch gegenüber der digitalen Welt oder eben gegenüber jenem Foto, das ich damals mit meinem iPhone geschossen hatte. Ganz im Gegenteil zu uns; wir glauben heute teilweise jeden Schwachsinn, der bei Wikipedia steht ohne weiter zu recherchieren. Sogar ein Klick auf die unten angegeben Quellen scheint uns zu viel. „Copy & Paste“ wird es richten. Es mag vielleicht ein sehr triviales Beispiel dafür sein, wie ein Wert einer Sache verloren geht, wenn man ihn schnell und einfach einfangen und archivieren kann. Doch der menschlichen Leistung scheinen die vielen Megabytes nicht gerecht zu werden – zumindest bei unseren Großeltern und vielleicht auch noch bei unseren Eltern. Denn dafür reicht selbst das große Rechenzentrum von Facebook nicht aus, welches bald in Nordschweden errichtet werden soll. Die Erinnerungen ihrer Generationen sind einfach zu groß, als dass man mal eben auf „Speichern unter“ drücken könnte.