Nachdem der vollständige – inklusive  des in Klammern gesetzten aberkannten Doktortitels – Name des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg abgeschrieben wurde, darf sich über die Stirn gestrichen werden, wenn kein Zitierfehler bei seinen 15 Wörtern und Namen dabei gewesen ist. Allein 101 Zeichen ergibt das beim Wörterzählen. Sicherlich würde ein Zitierfehler wieder einmal in die gleiche Kerbe schlagen, wie sie schon am Anfang des Jahres 2011 ausgehöhlt wurde. Allerdings bietet es auch einen Anreiz, da Guttenbergs Interview-Buch – damit auch ja keine Stellen vom Autor verändert werden können – vielerlei Teile aufweist, über die es sich lohnt zu diskutieren. Da es ein Interview-Buch ist, kann spekuliert werden, ob zu Guttenberg auf Nummer sicher gehen wollte. Es geht allerdings vielmehr um den Inhalt, der nun wirklich von ihm stammt, schließlich steht hinter dem Buch der Chefredakteur der renommierten „Zeit“, Giovanni di Lorenzo, der das Interview mit zu Guttenberg im Oktober in einem Londoner Hotel geführt hatte.

In dem Buch „Vorerst gescheitert“ begibt sich zu Guttenberg auf eine Reise mit dem Knüppel der Kritik. Zwar macht er in einer politisch korrekten Art und Weise deutlich, dass er viele Fehler bei der Doktorarbeit gemacht habe, allerdings kritisierte er zunehmend die Universität Bayreuth und die Kommission der Universität: „Die Universität war in der Sache leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei“, sagt der 39-jährige CSU-Politiker. Er kritisierte sie zudem darin, dass es der Universität nur um den Verlust von Forschungsgeldern gegangen wäre. Er verteidigt außerdem seine Doktorarbeit: „Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist“.  Damals rechtfertigte er sich außerdem, dass er es unter dem familiären und politischen Stress nicht geschafft habe, seine Dissertation korrekt anzufertigen. Er selbst bezeichnete sich als „hektischen und unkoordinierten Sammler“. Dumm nur, dass die „Welt am Sonntag“ unter der Berufung auf die Internetplattform „GuttenPlag“, zeigte, dass der Ex-Minister auch an anderer Stelle nachweislich abgeschrieben hatte, wenngleich nicht im wissenschaftlichen Dienst, sondern für „politische Papiere“, wie Guttenberg auf Nachfrage der „Welt am Sonntag“ selbst sagte. Hierbei gibt es in den Dokumenten üblicherweise keine Fußnoten, jedoch eine lose Aneinanderreihung von vielfachen wörtlichen Übernahmen. Also genau die gleiche Technik, die Guttenberg den Doktorgrad kostete. Scheint also so, dass zu Guttenberg bei der Anfertigung seiner Dissertation vielleicht schon unter politischem und familiärem Stress gestanden hat, allerdings zeigt die weitere Plagiats-Offenbarung, dass seine Systematik den von ihn genannten Gründen nicht geschuldet war und es scheint auch, dass seine Weise, Dokumente anzufertigen, von ihm sehr häufig angewendet wird.

Vor der Veröffentlichung des Buches Ende November wurde öffentlich darüber diskutiert, ob zu Guttenberg in die deutsche Politik zurückkehrt. Nachdem das Buch „Vorerst gescheitert“ herauskam, scheint eine Rückkehr: vorerst gescheitert.
Denn zu Guttenberg griff in dem 207 Seiten schweren Interview-Buch nicht etwa nur die Universität Bayreuth an, sondern auch die eigene Partei CSU, die „von einer Infektion befallen“ sei. Er wirft ihr vor, dass  sie keine Volkspartei sei und sagt, dass dieser Anspruch „wie die Verhöhnung früherer Träume“ wirkt. CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnete zu Guttenbergs Aussagen als „völlig daneben“. Er selber sei „zur Zeit“ noch CSU-Mitglied und er sagt, dass er sich eine Rückkehr in die deutsche Politik noch vor der Bundestagswahl 2013 vorstellen könnte. Das wollten im März diesen Jahres noch 62 Prozent der Deutschen. Jetzt wollen dies nur noch 49 Prozent, laut einer vom „Stern“ in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage.

Und wird den Gerüchten Glauben geschenkt, dann gründet zu Guttenberg sowieso seine eigene Partei – das würden ihm zumindest 30 Prozent der Deutschen zutrauen. Hoffentlich trägt die dann nicht so viele Namen in sich, wie der von zu Guttenberg selber: Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiher von und zu Guttenberg – und diesmal ohne in Klammer gesetzten Doktortitel. Ende Januar allerdings gibt zu Guttenberg ein richtiges Comeback auf großer Bühne: Beim Aachener Karnevalsverein wird er bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst eine Laudatio auf Ottfried Fischer halten. Der Karneval bietet für zu Guttenberg wahrscheinlich eher den Rahmen, als es die Politik tut, denn im Moment ist er leider nicht viel mehr als eine Lachfigur.