Elektronische Tanzmusik ist mit Recht nicht das erste, was einem einschießt, wenn man an Weihnachten und Besinnlichkeit denkt. Nun ist die ganze Kiste aber auch ungeachtet dessen, was in den letzten zwei Dezemberwochen so vor sich geht, eine sehr subjektive und die folgende Besprechung war so oder so längst überfällig. Das Album, um das es geht, kann man bereits seit Anfang November in den gut sortierten Geschäften erwerben. Darum nix wie los – es geht um Niconé und Sascha Braemers „Romantic Thrills“.

Erschienen ist die Scheibe auf Stil vor Talent, jenem Label, das neben schicken Baumwollbeuteln und netten Ohrwürmern von Oliver Koletzki natürlich noch einiges mehr zu beaten hat. Es ist unter anderem nämlich auch die gemütliche Heimat von Niko Schwind, Channel X, Dapayk Solo und eben: Niconé und Sascha Braemer. Um Irrungen und Wirrungen gleich vorzubeugen, bauen wir doch kurz einen kleinen Stammbaum dieser Labelkinder. Niconé, das sind Alexander Gerlach und Sascha Hirtenfellner. Zumindest dann, wenn man dem musikalischen Ast folgt. Neben den beiden – das sollte man deswegen erwähnen, weil Stil vor Talent ein Label ist, das sehr aktiv an der Schnittstelle von Musik und Mode agiert – gibt es auch noch Helena Kapidzic. Sie hat Niconé 2007 gemeinsam mit Alexander, hinter dem sich übrigens K-Pauls Kollege Lexy verbirgt, gegründet; seitdem sind da sehr schöne Sachen entstanden, sowohl musikalisch als auch modisch, und meist so, dass man genau hören und sehen kann, dass zwischen beiden Feldern keine Linie gezogen werden muss und sollte.
„Romantic Thrills“, das Niconé zusammen mit Sascha Braemer aufgenommen haben, ist ein erfrischendes Album, das sich aber beim besten Willen nicht in irgendeine Schublade rammeln lässt. Zuallererst ist es für den Club gemacht, für die Tanzfläche und die Tänzer. Es folgt dabei nicht jenem Partyimperativ, den die Jungs selbst im Interview „Technobummbumm“ genannt haben und der einem seit einigen Jahren ordentlich Rillen in den Gehörgang fräst, sondern navigiert sich sicher durch viele verschiedene Landschaften. Allein die Tracklist liest sich wie eine Geschichte, die von den kleinen und großen Ups und Downs des Lebens weiß: Dreamer, Little Love, Liar, Romantic Thrills, Run Away, Pianotic, Caje, Never, Not The End, Thank You 2011 – das klingt gleichsam nach schönen und blöden Momenten. Die Sounds geben diesen Erzählungen indes das entsprechende Klanggewand, arbeiten in nahezu jedem Track mit Vocals, rufen mal dickere, mal dünnere Beats herbei und lassen stets Platz für Elemente, die man erst einmal nicht erwartet hätte;  was als verspieltes House-Stück beginnt, dreht sich plötzlich in ein wildes Weltmusik-Geklöppel. So funktioniert „Romantic Thrills“ eigentlich auch dann am besten, wenn man es wie ein klassisches Hörbuch an einem Stück durchlaufen lässt und genau hinhört.