Geschichten von Herrn K.

Wahrscheinlich kennt jeder die Werbung im Fernsehen, bei der die Suppe des großen Lebensmittelherstellers Maggi angeblich derartig gut schmeckt, dass sich im Löffel sogar ein Knoten bildet. Das magische Maggi, denkt man sich. In Wirklichkeit allerdings steht Uri Geller hinter dem Trick. Uri Geller, mindestens so berühmt wie der kleine Küchenhelfer aus dem Hause Maggi, der uns mit seiner bräunlich Sippe jede Suppe schmackhaft macht oder besser gesagt, alles gleich schmecken lässt – nach Maggi.

Gut, was hat denn nun der Quotenbrecher „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ mit dem magischen Maggi-Löffel zu tun? Ganz einfach: beide schmecken, mit Verlaub, kacke. Wo am Ende Brigitte Nielsen mit ihren Augenringen Fange spielen kann und ein Ebenbild zu unserer Bundeskanzlerin gibt, wurde der Löffel ganz und gar nicht von Uri Geller in der Maggi-Werbung verbogen, sondern ist nichts weiter als ein schlechter Marketing-Gag. Gut, nun kennen wir auch nicht die Verkaufszahlen von Maggi, dafür aber die vom Dschungelcamp. Ohne Zahlen nennen zu wollen, die Einschaltquoten liegen beim Z-Promi-Camp mehr als gut und erreichen Rekordhöhen.

Ailton spielt mal wieder mit seinen Speckröllchen, No-Name Micaela lässt wieder einmal ein Stück mehr ihrer Intimfrisur zum Vorschein kommen und der Vincent, der philosophiert wieder einmal über die schönsten Tiere der Welt: die Raben. Und, als ob das nichts gewesen wäre, legt sich „Rocker“ Martin Kesici furzend auf seine Matte. Bloß gut, dass es noch kein Geruchsfernsehen gibt. Ja, dann wäre da noch die Ramona Leiß (wer ist das?), Radost Bokel (wtf???) und Kim Debkowski (WER????). Nach einer doppelten Portion Doppel-Z-Promis, kommt dann also noch Jazzy von „tic tac toe“ dazu, die uns an die ganz schlimmen Teenie-Jahre in den 90ern erinnert, Rocco Stark, der mit dem einzig wahren schönen männlichen Körper – neben Heulsuse Daniel Lopes, der mal irgendwann bei einer der hundertausend DSDS-Staffeln mitgemacht hat – er wurde Siebter, oder so.

Brigitte Nielsen ist die einzig wahre Hollywood-Größe

Hach, das heutige Dschungelcamp ist doch auch nicht mehr das, was es mal war. Wo früher noch Caroline Beil von den Straußen gepickt wurde und Daniel Küblböck sich als starker Mann präsentierte, sehen wir heute nur noch eine Frau, die sich mit 50 als lesbisch outete und die einzig wahre Hollywood-Größe, Brigitte Nielsen. Das war die, die eine Schönheitsoperation nach der anderen machte. Hoffen wir für sie, dass sie nicht das billige Silikon aus Frankreich abbekommen hat. Die Geschichte von Ramona Leiß bewegt – ungeachtet der Tatsache, dass sie natürlich auch im Dschungelcamp sitzt – mehr. Warten wir also auf die spannende Geschichte, die Katja Burkhard mit der 12-Uhr-Tagesschau für Arbeitslose auf „Punkt 12“ macht. Da zeigte sich eine ebenfalls ältere Frau mit einem schönen Rücken-Gesicht und veränderter Stimme, die einem was davon erzählte, wie ihre Familie mit der schlimmen Krankheit, lesbisch zu sein, umgeht. Also bitte RTL, wenn ihr schon versucht, Aufklärungsarbeit zu leisten und einen wirklichen Beitrag zur Toleranz leisten wollt, dann sucht Euch demnächst eine Person, die sich auch im Fernsehen zeigt – so wie Ramona Leiß im Dschungelcamp. So denken die Leute vor den Fernsehern dieses Deutschlands ja noch, dass Homosexualität heilbar wäre und dass die Erde eine Scheibe ist. Traurig, traurig, wie man mit den Menschen umgeht. Gut, aber nun zurück zum Dschungelcamp.

Zu so einer richtigen Lach-Show gehört natürlich auch ein schlagfertiges Moderatoren-Team. Und wer sollte das anderes sein als Moppel Dirk Bach und Ex-Pilotin Sonja Zietlow, die schon mit anderen intellektuellen Shows wie „Der Schwächste fliegt“ glänzte. Wenigstens ist sie dem Sender treu geblieben und zeigt sich schon seit Längerem auf der Mattscheibe von RTL. Ja, wäre da noch Dirk Bach, der übrigens ebenfalls wie Ramona Leiß homosexuell ist. Nein – das muss an dieser Stelle gesagt sein – wir sind keinesfalls homophob, allerdings juckt es ein wenig im großen Zeh, wenn RTL auf der einen Seite bei „Punkt 12“ eine große Story um die Homosexualität macht und diese wie eine Krankheit behandelt und auf der anderen Seite einen schwulen Moderator auf die Hängebrücke stellt. Verzeihung, aber es gleicht einem Wunder, dass diese Brücke dieses Gespann aushält.

Gut, wir dürfen auch nicht vernachlässigen, dass wir in Zeiten, in denen „Fernsehen bildet“ den absoluten Nullpunkt unserer Intelligenz erreicht haben. „Fernsehen bildet“, sagte einst Nadine bei der Top-Sendung Frauentausch. Und nicht zu vergessen, dass „Schinkenwors“ Vitamine enthält. Ein Graus, dieses deutsche Fernsehen.

Mehr Worte braucht dieser Rundumschlag nicht, schließlich haben wir dafür Marcel Reich-Ranicki.

Psychologisch wertvoll

Um den angeblichen Bildungsfaktor im Dschungelcamp anzusprechen, so dürfte höchstens ein psychologischer Wertschatz darin gesehen werden. Es war dort sehr schön zu sehen, wie Gruppendynamik funktioniert. Naja, und weil es letztes Jahr so gut funktioniert hat, gibt man dieser bildungsreichen Sendung einen Platz in den Zeitungen dieser Welt. Kein Wunder, dass dann also die halbe Welt zuschaut. Was ist mit den Top-Themen der vergangenen Wochen? Wulff, Eurokrise und ja, selbst „Wetten, dass…“ scheint wichtiger als dieses Programm des Piratensenders zu sein. Aber wollen wir nicht zu sehr in die Kerbe hauen.

Doch wieso gehen diese ach so berühmten Personen in den Dschungel? Doch nicht etwa, um zu üben für den Ernstfall, falls im Dezember doch die Welt untergeht, oder? Nein, natürlich nicht. Denn alle, die jemals diesen schweren Gang in den australischen Urwald angetreten haben oder antreten, leiden hier im prüden Deutschland unter der vielmals als „Arbeitslosigkeit“ bekannten Krankheit. Es ist spannend, wenn man unsere – Verzeihung – „Stars“ dort ihre Geschichten erzählen hört, wenn sie da vor dem Lagerfeuer sitzen und ihre Bohnensuppe auslöffeln. Selbsthilfegruppe für Pomis sozusagen. Der einzige, so scheint es, der einmal einen sehr guten Spruch abgelassen hat, war der Rabenvater Vincent, der sich darüber äußerte, dass  keiner im Camp ein Promi ist, sondern dass diese allenfalls das Prädikat „bekannt“ erfüllen – mit Ausnahme von „Hollywood-Größe“ Plaste-Nielsen natürlich.

„Die Menschen werden von keinem Medium verdummt. Sie werden nur in ihrer Dummheit bestätigt.“ – Gabriel Laub

Und weil Dirk Bach dann manchmal auch etwas Gutes vom Zettel abliest, soll auch ein Zitat von ihm hier Platz finden: „Wir hatten an einem Tag so einen Mitgliederschwund – man nennt uns schon die FDP von RTL.“ Nein, auch wenn ihre Zuschauer kurz nach Ihrer Show im RTL „Nachtjournal“ über die neuesten Ereignisse in der Politik aufgeklärt werden, sie haben einfach eine derart schlechte Sendung, bei der es sich lohnt, sich fremd zu schämen. Eine wirkliche Weisheit brachte einst der Journalist Gabriel Laub: „Die Menschen werden von keinem Medium verdummt. Sie werden nur in ihrer Dummheit bestätigt.“