Dieser Tage darf sich bei den ganzen Affären um unseren lieben Herrn Bundespräsidenten schon einmal verwundert über die Stirn gestrichen werden, war er doch derjenige, der wie kein anderer das Wort der Affäre prägte. So ist er nunmehr nicht nur stärkster Mann – das sogar noch vor Angela – sondern auch schöpferischer Zeitgeist. Er hat einen Preis verdient, wobei dieser im eigentlichen Sinne den Medien verliehen werden dürfte, sind diese doch so kreativ im Umgang mit dem Bundespräsidenten und seinen Affären.

Auf den ersten Blick, so dachte ich bisher immer, wäre eine Affäre das, was man im Sprachgebrauch als Seitensprung, Betrug, Fremdgehen oder anderes bezeichnet. Also das, was zwischen zwei Menschen, die einander lieben, manchmal gar nicht so selten vorkommt. Gut, kommt auch in den besten Familien vor, doch wenn es im edlen Hause im Berliner Tiergarten im Schloss Bellevue kriselt, dann hat das schon etwas zu bedeuten – meinen schließlich auch die Medien.

Doch ist es nicht etwa der Bruch einer Liebesbeziehung, den Medien-Deutschland dieser Tage interessiert.

Die Kredit-Affäre

Zuerst einmal lohnt es sich, das Blatt der Geschichte von Anfang an los zu spulen und den Bundespräsidenten zu der ersten Wortschöpfung zu gratulieren: die Kreditaffäre.

Sicherlich, interessant scheint dieses Thema nicht wirklich zu sein, hat man doch keine Ahnung von Kreditumwandlungen, Privatkrediten, zinsgünstigeren Krediten. Ach, und von Ministergesetzen und von Politik schon mal gar nicht. Aber über das Wort „Affäre“ stolpert man – gewiss keine schlechte Überschrift für eine Zeitung, deren Absätze bröckeln. In diesem Fall interessieren sich dann nicht nur Business-Männer in Anzug und mit Schlips dafür, sondern auch die Tratschtanten dieses Landes. Wenn sogar die „Bunte“, „Gala“, „Bild der Frau“ ja sowieso, mit diesem Thema aufmischen, muss auch ein gewisser Klatschgehalt drin sein. Erschließen anderer Zielgruppen, so nennt man das im Marketingwesen.

Es dauerte nicht lange, schon redete man über ein Einfamilienhaus der Familie Wulff in irgendeinem Kaff. „Hässlich sieht es aus“, tratschen die Hausfrauen dieses Landes. So wirklich schön mag es auch nicht gewesen sein. Und so wirklich will auch kein Mensch glauben, dass dieses Häufchen Elend aus Backsteinen wirklich 500.000 Euro gekostet haben soll. Ja, und wieso die Presse sich nun wirklich an der Causa Kreditaffäre aufhängt, weiß so richtig auch niemand.

Die Urlaubs-Affäre

Kaum ein paar Tage später, gab es dann die nächste Affäre, nein, es dreht sich immer noch nicht um Busen-Betty aus Bellevue, sondern um Urlaube: die Urlaubsaffäre. Nun hat der Wulff auch noch Urlaub auf Maschmeyers Grundstück gemacht. Gleichzeitig starten die Lästermäuler, ihre Münder aufzureißen. „Läuft da was mit der Ferres?“, fragen sich wohl einige Frauen. Zur Erinnerung für jeden nicht Klatschinteressierten: Maschmeyer ist Veronica Ferres‘ Mann und zugleich noch ein mehr als erfolgreicher Unternehmer – er ist sowas, was man gerne reich nennt. „Doch was ist daran denn so schlimm, dass der Wulff da Urlaub gemacht hat? Keine Ahnung, wer weiß das schon?“ Aber vielleicht läuft ja was mit der Ferres, idyllisch stelle ich mir die Grillabende mit „Busen-Betty“ und „Vroni“ auf jeden Fall vor.

Die Medien-Affäre

Kommen wir nun zur wohl am einfachsten zu begreifenden Geschichte, die sich in den vergangenen Wochen um unseren Herrn von und zu Bundespräsidenten gemehrt hat: die Medien-Affäre. Kurz umrissen dargestellt, ist sie die Affäre, die auf die Kredit-Affäre folgte. Doch halt – zeitlich gesehen ist sie die Affäre, die eigentlich schon vor der Kredit-Affäre ihren Lauf nahm. In den Ring steigt auf der einen Seite Herr Diekmann aus der Chefetage der „Bild“-Zeitung, immerhin die erfolgreichste – pardon, auflagenstärkste – Zeitung im ganzen Land und auf der anderen Seite olle Christian. Gut, moralisch gesehen nehmen sich beide nicht wirklich viel. Doch ein bisschen Wehmut fühlt man schon in der Magengrube, wenn selbst der Deutsche Journalisten-Verband Christian Wulff rügt, er würde die Pressefreiheit nicht achten. Um kurz auf den Punkt zu kommen, haben beide aufgrund ihrer Blödheit eine Backpfeife verdient. Denn wer auf einmal nicht mehr nur (!) über die „Fesselsex-Oma“, den „Hamster-Dödel“ oder die „Terror-Witwe“ in gewohnt reißerischer Manier titelt, sondern in keiner Weise Stammtischparolen von sich gibt und sich auf einmal sehr sachlich hinstellt,  sieht sich auf einmal als Opfer. Wer über Pressefreiheit auf der einen Seite spricht und schreibt, sollte nicht vergessen, dass das ach so schutzlose Opfer kein geringerer ist als die „Bild“-Zeitung, die seit Jahren immer wieder Äußerungen von sich gibt, wo es sich ebenfalls lohnt über die Pflichten der Presse zu sprechen – aber das ist eine andere Geschichte, die in den Klatschzeitungen dieser Welt keinen Platz findet.

Ach ja, ein Wort zu Wulff sei gesagt. Sicherlich können wir es verstehen, dass man etwas nervös ist, wenn man weiß, dass die „Bild“-Zeitung über etwas sehr Prekäres von einem selber schreiben will, dass vielleicht den Job kosten könnte. Doch – eine direkte Frage sei gestattet – , lieber Herr Wulff, wieso wussten Sie davon, dass die „Bild“-Zeitung über diese Kredit-Affäre Bericht erstatten wolle? Ja, es ist spannend. Da scheint es so, als wäre Diekmann erst der Freund und dann der Feind. Nun ja, gleiches musste sich wohl auch zu Guttenberg schon eingestehen. „Die Bild ist und bleibt halt mächtig, kannste nichts gegen tun“, denken sich wohl nun einige. Aber wohl doch: Einfach mal die Klappe halten. So wie es einst der „Vater der Einheit“ Helmut Kohl, um es mit „Bild“-Worten zu beschreiben, mit dem ebenfalls mysteriösen „Spiegel“ gemacht hat. Gut, vielleicht mögen diese Worte für Klatschi und Tatschi nicht sehr interessant sein – geschrieben werden müssen sie dennoch. Aber nun, liebe Labertaschen der Republik, kommt wieder was für Euch.

Die Betty-Affäre

Vorweg sei gesagt, dass nachfolgende Meldung mehr Klatsch- als Informationsgehalt haben wird, also hinhören! Die Betty war Prostituierte. Na das ist doch mal was, oder? Gut, richtig fundiert ist das natürlich nicht, aber immerhin ein Gerücht, das in den Redaktionen des Landes die Schnüffelnasen aufhorchen lässt. Wirklich rausbekommen wird es keiner, allerdings liest sich „Bettina, pack deine Brüste aus!“ auf der Titelseite der „Bild“-Zeitung bestimmt gut.

Nach alledem sollte unser Wülffchen doch den Hut nehmen. Denkste! Der krallt sich an den genau den Sessel, in den schon vorher Weizsäcker, Herzog, Heuss und andere pupsten. Sie alle waren wahrscheinlich ehrenvoller als der jetzige Bundespräsident. Doch eines haben sie alle nicht getan: Ein Wort so geprägt, wie es Christian Wulff gemacht hat. Wir dürfen gespannt sein, welche weiteren Affären Schnüffelhase Diekmann als nächstes aufdeckt. In diesem Sinne: „Wulff dir deine Meinung!“