Manchmal passieren skurrile Sachen, wenn man nachts mit Freunden unterwegs ist und einen Unterschlupf sucht. Man pirscht die Straßen auf und ab und nimmt trotzdem alles wahr, was sonst nur wie die Lichter in einem Tunnel an einem vorbeirauschen würde. Irgendwann sieht man einen Schriftzug, der einen aus irgendwelchen Gründen plötzlich stehenbleiben lässt. Little Stage steht da in rot-blauen Leuchtbuchstaben. Jonasstraße 1, Berlin Neukölln.

Unversehens findet man sich dann auch gleich an der Bar wieder, schaut sich um und überlegt hin und her, ob man gehen oder bleiben soll. Musik läuft noch nicht, der Mann an der Bar erzählt aber, dass später gefreestylt wird. Gut, dann erst einmal ein paar Treppen tiefer. Dort kann man ziemlich gut rumlümmeln, Billard spielen oder fernsehen. Wenn oben auf der Bühne was los ist, wird aber alles per Live-Kamera nach unten gebeamt. Das ist dann auch ziemlich schnell soweit und weil es hier unten so verdammt gemütlich ist und es nun also praktischerweise diesen Fernseher gibt, versinkt man lieber im Ledersessel, als nach oben zu kraxeln.

Auf der Bühne sind inzwischen zwei Jungs dabei, sich mit Reimen zu überbieten. Einer von ihnen ist höchstens 16 und auch, wenn man von Rap überhaupt gar keine Ahnung hat, kann man sich ganz gut vorstellen, wie schwer es sein muss, einige Minuten am Stück Reime zu basteln, die auch noch eine Geschichte erzählen. Den beiden gelingt das ziemlich gut – keiner von ihnen hat irgendwelche Texthänger oder wiederholt ständig dieselben Sachen, zwei wesentliche Punkte beim Freestylen. Ein Freund hat mal erzählt, dass die Worte in dem Moment, in dem er die Bühne betritt, einfach zu ihm kommen. Er übt fast jeden Tag, auf dem Weg zum Bus oder beim Duschen. Er sagt, dass man sich eine Art Archiv anlegen muss im Kopf, ein Repertoire, auf das man dann einfach zurück greift. Davon, Texte aufzuschreiben um besser üben zu können, hält er nichts. Ein anderer Freund sagt indes, dass er es gerade wichtig findet, nicht nur zu freestylen, sondern auch zu texten – um ein besseres Sprachgefühl zu bekommen und das Jonglieren mit den Worten besser einprägen zu können. So richtig verstehen und erklären kann man solche unterschiedlichen Herangehensweisen vermutlich gar nicht; jeder funktioniert und lernt da anders.

In der Little Stage hat jeder die Möglichkeit, sich auszuprobieren, mit anderen zu messen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Beim Freestylen eben, aber auch zum Karaokesingen oder dem Jambalaya, das seit Ende des letzten Jahres jeden ersten Mittwoch im Monat einen bunten Teppich aus Musik, Theater, Tanz und Poetry knüpft, auf dem es sich wunderbar tanzen, lauschen oder fläzen lässt. Ein großes, aber sympathisches PS sei noch kurz hinterher geschoben: „Für Schnösel und Piefkes ist das kein Platz“, das macht die Homepage unmissverständlich klar. Aber die verirren sich aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso nicht hierher.

Nähere Infos unter: http://little-stage-berlin.blogspot.com