Ein echter „Ur-Berliner“ ist Yves Macak. Der 37-Jährige machte bei dem Comedy-Wettbewerb „Comedy Star(ter)s“ auf dem Pay-TV-Sender „Sky“ mit und setzte sich in der von Desirée Nick moderierten Show durch. Ab März kann man ihn nun im Programm des Spartensenders „Sky Comedy“ sehen. Im Interview mit SLYLE erzählt er, dass er eigentlich Rockstar werden wollte und dann Kindererzieher wurde.

Du bist nicht nur Comedian. Was machst du in der Zeit, in der du nicht auf der Bühne stehst und die Leute zum Lachen bringst?

Eigentlich bin ich staatlich geprüfter Erzieher und habe mich vor zwei Jahren selbstständig als Musik- und Theaterpädagoge gemacht. Vormittags arbeite ich in der Kita und nachmittags in Schulen.

Und wie sieht das Programm aus, wenn Du mit Kindern zusammenarbeitest?

Dann mache ich musikalische Früherziehung, bringe ihnen ein paar Lieder bei und wie man einen Rhythmus schlägt.

Du warst auf vielen offen Berliner Stand-Up-Bühnen. Sogar in der „Talentschmiede“ des renommierten Quatsch Comedy Clubs. Hast Du da Deine ersten Erfahrungen gesammelt?

Eigentlich ja. Also so richtig bühnentechnisch bin ich gleich in die Vollen gegangen. Das war so, dass ich 2003 bei einem Berliner TV-Sender ein Moderatoren-Casting gewonnen hatte. Einer der Redakteure sprach mich dort an, dass ich ,echt ein lustiger Typ‘ wäre. ,Wir haben im Quatsch Comedy Club so eine Open Stage – die heißt Talentschmiede.‘ Dann bin ich dahin gegangen und wir haben ein paar Sachen ausprobiert, bei denen man unter die ersten Drei kommen muss, dann wird man noch einmal eingeladen. Und wenn man es dann noch einmal schafft unter die ersten Drei zu kommen, dann ist man im Jahresfinale. Und das habe ich gewonnen. Zeitgleich war ich noch bei der hauseigenen Improvisationstruppe und dachte, dass ich es geschafft hätte – aber nein, so war dem dann doch nicht. Doch ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass die Sachen, die ich auf der Bühne gemacht habe, nicht ganz authentisch waren und habe da dann an mir selbst gearbeitet und erstmal fünf Jahre pausiert und fest in einer Grundschule als Erzieher gearbeitet. Und dann kam der Punkt, an dem ich gedacht habe, dass ich das jetzt noch einmal probieren sollte.

Konntest Du dich denn nicht identifizieren mit deinem Bühnenprogramm oder wieso hast Du erstmal eine Pause eingelegt?

Damals konnte ich das nicht, weil es inhaltlich etwas ganz Anderes war, als ich es jetzt mache. Das war nicht so personifiziert, denn in meinem jetzigen Programm erzähle ich, was mir passiert und damals war das recht allgemein gehalten und hatte keine richtigen Konturen.

Improvisierst Du Dein Programm?

Ein gewisser Teil ist immer improvisiert. Der beste Vergleich ist der mit den Lianen. Du hast diese Strippen, das sind deine festen Gags und wie du dahin kommst, ist jedes mal ein bisschen anders.

Du füllst also die Zwischenräume?

Ja, ich fülle das. Man kann es auch auf das Publikum angleichen. Und echte Stand-Up-Comedy hat immer viel mit Improvisation und vor allem viel mit dem Publikum zu tun, weil ich bei vielen anderen in Deutschland das Gefühl habe, dass es im Prinzip wie ein Gedichtvortrag ist. Es sind auswendig gelernte Sachen, die auch gar nicht auf das Publikum eingehen. Das versuche ich nicht zu tun.

Du versuchst es nicht zu tun? Was meinst Du damit?

Das bedeutet, dass es manchmal natürlich schlecht machbar ist. Mein Programm besteht auch zu einem großen Teil aus Musik und da hast du nicht viele Möglichkeiten, weil es dort feste Strukturen gibt. Und um richtige Improvisationscomedy zu machen, braucht man einfach zwei oder drei Personen mehr, damit es richtig flutscht, denn dort ist das Publikum noch mehr mit eingebunden. Und da alleine eine Geschichte vorzutragen, kommt irgendwie nicht gut. Und Sketche kommen besser an als Stand-Up-Sachen.

Das Geschäft der Stand-Up-Comedy ist doch in den letzten Jahren geboomt: Cindy aus Marzahn zum Beispiel.

Ja, das ist sicherlich richtig. Aber man merkt, dass in dem Geschäft mehr Masse als Klasse vorhanden ist. Und die erste Generation hatte noch dieses Neue. Heute musst du als Stand-Upper wesentlich individueller sein, du musst viel genauer wissen, was du eigentlich machst, denn je mehr der Markt überflutet ist, umso kritischer wird auch das Publikum. Man lacht nicht mehr, es ist verdammt schwer Menschen für sich zu begeistern. Auch diese Typen-Comedy ist überfüllt, wie beispielsweise Ausbilder Schmidt oder Cindy aus Marzahn. Die spielen eine Figur. Und diese bedienen als Figuren eine gewisse Klientel. Doch bei ihnen besteht das Problem, dass wenn sie ihre Uniform ablegen, die Frage hochkommt, ob er dann noch genauso gut ankommt. Ich gehe lieber als ich auf die Bühne und mache dann Stimmung und Dialekte nach, aber ich kann immer wieder in mich selbst reingehen – und das nimmt man mir dann ab.

Glaubst Du, dass die Identifikation auf der Bühne durch die Kinder kommt, mit denen Du fast täglich zusammenarbeitest? Schließlich sind Kinder ja die größten Kritiker, sagt man zumindest.

Ja, das sage ich selber auch. Es ist schwerer vor Kindern zu bestehen als vor Erwachsenen, auch wenn es die meisten Leute nicht glauben. Im Allgemeinen ist Humor eine sehr differente Sache, denn was dem einen gefällt, muss wiederum dem anderen nicht gefallen. Und wenn ich mir überlege, was mir in meiner Kindheit gefallen hat und worüber ich heute lache, dann muss ich sagen, dass wir alle viel zu kopflastig geworden sind. Ich bin ein unglaublicher Fan vom Jim Carrey, denn ich mag es, wenn jemand eine Fresse zieht und dämliche und geile Körperbeherrschung hat, die er dann wieder verulkt. Man muss alles miteinander vermischen. Und wenn ich jemanden 90 Minuten sehe, dann will ich selber Abwechslung haben. Und ich bin generell so, dass ich auch immer versuche es aus der Sicht zu sehen, wie mich andere sehen.

Hast Du durch Deine jüngsten Erfahrungen bei „Sky“ dein Programm selbst verändert?

Ja, das merke ich auch in der Musik. Denn eigentlich wollte ich Rockmusiker werden, bin dann aber Erzieher geworden. Die Geschichte erzähle ich dann auch auf der Bühne. Ich achte jetzt einfach mehr auf meine Stimme, denn diese muss sehr klar und verständlich sein. Ich versuche genau dieses Zwischending zu bekommen, dass man sich Sachen mehrmals angucken kann. Ich möchte Leute zum Lachen bringen und eine gute optische Performance liefern. Die ganzen Geschichten, die ich auf der Bühne erzähle, sind mir tatsächlich auch so passiert. Natürlich gebe ich die mit einem kleinen Quäntchen der Übertreibung wieder. Deswegen kann ich jetzt auch im Vergleich zu vorher authentischer wirken.

Wie sehen die alltäglichen Geschichten, die Du auf der Bühne vorträgst, dann aus?

Beispielsweise kannst du nicht einmal 15 U-Bahnstationen mit der Bahn durchfahren, ohne dass zwei „Motz“-Verkäufer und drei Musiker vorbeikommen. Oder eine Schlange im Supermarkt, wo nur alte Omas vor dir stehen und es dauert und dauert. Über solche Sachen halt.

Fragt man sich da nicht einmal irgendwann, ob man so etwas bringen kann?

Nein, alles natürlich nicht. Aber es gibt ein paar Gesetzmäßigkeiten, die du bei der Comedy beachten muss und dann kann dir eigentlich nichts passieren. Schwarze sollten über Schwarze Witze machen, Dicke über Dicke und sei selbst immer das Opfer deines Sportes, weil du dann keinen verletzen kannst und auch keine grenzwertigen Reaktionen hervorrufen wirst.
Ein Bekannter von mir ist Jude und macht es beispielsweise so, dass er auf der Bühne zum Anfang sagt „Wir machen jetzt einen Deal: Für die nächsten 45 Minuten verzeihe ich Ihnen Auschwitz und Sie mir Michel Friedmann.“ Dieser Mensch polarisiert.
Ich will nicht polarisieren. Viele Kollegen sagen, dass man polarisieren muss um erfolgreich zu sein. Ich teile diese Meinung nicht.

Wieso nicht?

Ganz einfach. Ich habe als Inhalt meiner Programme etwas, was die Hälfte der Gesellschaft hat: Kinder. Und für Musik begeistert sich eigentlich auch jeder, dann noch die Alltagsprobleme hinten ran, weil es jeder weiß, wie nervig es ist, wenn man an der ellenlangen Schlange an der Kasse beim Supermarkt steht. Warum soll ich denn dann polarisieren? Menschen, die polarisieren, müssen sich die Sympathien doch viel härter erarbeiten.

Hast Du schon einmal auf Bühnen Dein Programm vorgetragen, wo das Publikum nicht „aktiv“ war?

Ja, sicher. Da hättest du einen Reißigballen durch den Wilden Westen jagen können. Aber solche Erfahrungen sind gut.

Worauf kommt es als Comedian an?

Wichtig ist, dass du eine Nummer hast, die du ganz oft spielst. Wenn du auf die Bühne kommst, gibst du dir erst einmal die Blöße. Wenn das Publikum nicht so reagiert, wie du es gern hättest, dann sagt dir in dieser Situation jeder Profi, dass du genau dann einen Schritt auf das Publikum zugehen sollst. Aber wenn du genau in dieser Situation anfängst zu polarisieren, dann bist du verloren. Eine Situation, an die ich mich noch gut erinnere: Ein Typ geht auf die Bühne bei der „Talentschmiede“, reißt zwei unglaublich grottenschlechte Witze, keiner lacht. Wieder der Reißigballen und auf einmal meint er „Berliner halt.“ Der war tot, das kannst du nicht machen. Greif doch nie dein eigenes Publikum an, ich schieße mir ja auch nicht bei einem Hundertmeterlauf auf der Zielgeraden in beide Beine.

Kann man von dem Comedian-Job leben?

Unter einer Bedingung kannst du das. Das Einzige, was wirklich funktioniert, ist das 90-Minuten-Soloprogramm, was du haben musst. Weil wenn du alleine auftrittst, musst du dir die Gage nicht teilen, du kannst rumreisen, bist auf niemanden angewiesen und ziehst einfach deine eigene Show durch. Wenn du alle drei Tage einen Auftritt hast, dann kann man schon davon leben. Aber du brauchst eine gute Agentur und ein sehr gutes Soloprogramm halt. Auch mit diesem lasse ich mir sehr viel Zeit, weil ein halbgutes empfiehlt man nicht weiter. Meine 90 Minuten sollen abwechslungsreich sein.

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Es gibt immer zwei Fälle, den schlechten und den guten. Der schlechte: Dass mich meine Frau verlassen hat, ich mittelloser Erzieher bin, der immer noch in Kitas sein Unglück macht. Der bessere Fall: Wenn ich ein paar gute Soloprogramme hätte und damit meine Familie über die Bühne zaubern könnte.

Die abschließende Frage: Wann fängt Deine Show auf „Sky“ an?

Mitte März, der genaue Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest. Immer 20.15 Uhr, Montags auf „Sky“.