Mit dem neuen Jahr: neue Hoffnung, neue Liebe und alte Illusionen. Auch 2013 beginnt wie jedes Jahr, nur sind wir ein Jahr älter und der Unschuld ein Jahr ferner. Doch wächst mit jedem Tag das Gefühl von Freiheit, Stärke und gerne würde ich an dieser Stelle Weisheit anbringen, paradoxerweise ist es jedoch passender von Jugendlichkeit zu sprechen. Auf dem Höhepunkt der Euphorie über Unbesiegbarkeit und Vorfreude auf das Kommende, kam ich vor Kurzem ins Gespräch mit einer älteren Dame, die mir all meine nicht vorhandenen Zukunftssorgen nahm, indem sie sagte: „...und wenn Sie später kein Geld verdienen, dann suchen Sie sich einfach einen reichen Gatten.“ So also, dachte ich und schüttelte mich. Auf diese Weise hatte ich mein Leben noch nicht betrachtet. Als hätte die gute Frau eine Lawine losgetreten, die mit Donnergetöse auf meine chaotische, fein ungeplante, ohne Plan-B verzierte Realität krachte, entwickelte sich Heirat als stürmisches Diskussionsthema bei verschiedenen abendlichen Zusammentreffen.

Nun möchte ich jedoch eines zu Anfang klarstellen: Dies ist kein pseudoromantisches Abstract aus dem Leben einer Studentin, welches mit den Worten „Ja, ich will.“ schließt. Vielmehr ist es ein Auszug unterschiedlicher biergeschwängerter Gesprächsverläufe, der die bunten Zukunftsvisionen einer Generation widerspiegelt, von der man meint, dass Tradition gestorben sei.

Es ist eine Generation, der die Welt zu Füßen liegt, die vor Möglichkeiten nicht weiß, wo sie beginnen soll und vor allem weniger als Generationen zuvor weiß, wie ihre Zukunft aussehen wird. Den Weg Schule, Ausbildung und Ehe gehen in unserer westlich-europäischen Welt meist nur Leute, die inzwischen am Stock laufen oder aus Hinterwaldhausen nicht herausgekommen sind. Trotz allem wollen doch die meisten im Bekanntenkreis heiraten, ausgenommen der Heiratsfeinde natürlich. Es soll etwas besonderes sein oder weil „...mein Freund schon so alt ist, dass er eh keine Frau mehr findet und wir schon sehr gut zusammenpassen.“ Die Hölle auf Erden für die Hochzeitshasser, ein kluges Argument für die Zukunftsängstler. Eines Tages allein zu sein, ist deren große Sorge. Heirat also als Mittel zum Zweck - pfui, wie unromantisch.  

Und trotz, dass der Großteil von uns Scheidungskind ist, der Zweifel kann über den Optimismus namens „große Liebe“ nicht siegen, denn diese eine Liebe ist anders als die der Anderen. Doch wenn die Liebe so groß ist, warum muss sie dann vor aller Welt dargestellt werden? Das Fest ist berauschend, das Essen gut und der Champagner fließt; das kann auch der größte Gegner nicht schlecht reden. Der noch ledige zukünftige Bräutigam sagt: „Wenn ich das Glück habe, eine solch große Liebe zu finden, dann soll es auch alle Welt wissen.“ Es soll etwas Außergewöhnliches sein. „Mich feiern lassen, will ich auch.“ sagt der Zyniker.  Das Fest als schlagendes Argument, doch das träumende Mädchen, im Körper einer emanzipierten Frau, ist empört. Der letzte Katholik ruft: „Die Kinder, die Kinder, sollen die denn als Bastarde geboren werden?“ Ja, die Kinder, es scheint um Erziehung gehen, vielleicht auch um Tradition.

Mir, für meinen Teil, bleibt nur Eines noch zu sagen: „Ja ich will“. Vielleicht aber auch nicht.