Juri Bader (25) ist der Gründer des Musiklabels Beatbude. Zu dessen Künstlern gehört die Band Yeah, die dort ihre erste Platte „The Challenge“ herausgebracht hat. Slyle hat mit Juri und Florian König (22), Schlagzeuger von Yeah gesprochen: über Musik, Herausforderungen und Weltherrschaft.

Wie kamst du dazu, das Label Beatbude zu gründen?

Juri: Anfangs war das gar nicht großartig als Label gedacht. In meinem Umfeld war so viel Potenzial, so viele Leute machten gute Musik! Ich dachte mir, dass man daraus doch etwas machen muss. Es fing an mit einer einfachen Website, auf der man sich ein paar Lieder anhören konnte. Das war Anfang 2007. Mit der Zeit kamen immer mehr Künstler dazu und das Label Beatbude entstand.

Was macht euch besonders?

Juri: Beatbude ist am besten als Kollektiv zu beschreiben. Alle Künstler arbeiten irgendwie zusammen und  kennen sich über Ecken. Ist alles eine Familie. Wir stecken unser ganzes Herzblut in die Arbeit. Wenn’s drauf ankommt, ziehen wir alles voll durch. Da muss dann jedes Detail passen, in dieser Richtung könnte man uns wohl fast als etwas altmodisch beschreiben. Wir sind auch sehr detaillverliebt und achten auf Kleinigkeiten, das zeichnet uns aus. Die Platte von Yeah, „The Challenge“ haben wir extra am 12.12.12 herausgebracht, weil das so ein schönes Datum ist. Und wir legen uns nicht auf ein Genre fest. Es ist einfach ein oller Sound!

Wie ist Yeah denn eigentlich entstanden?

Flo: Ich bekam im März 2011 die Anfrage, in einem Stuttgarter Jazzclub zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber keine Band, da die Besetzung meines achtköpfigen Bandensembles Bewegung tut gut in ganz Deutschland verstreut war. Also entschieden wir uns mit einer kleineren Bandbesetzung dort zu spielen. Dann brauchten wir aber auch Lieder. Also habe ich mich mit den Jungs hingesetzt und in drei Wochen unser komplettes Repertoire erarbeitet, das jetzt auch auf dem Album ist. Im Laufe der Zeit arrangierten wir noch einiges, den Großteil unseres kreativen Outputs hatten wir aber in diesen drei Wochen.

Wie funktioniert das Songschreiben bei euch, wenn ihr alle so verstreut wohnt?

Flo: Die meisten Songs sind per E-Mail-Kontakt erarbeitet worden. Jeder brachte seine Ideen ein und hat sie den anderen geschickt. Das war teilweise auch ziemlich hart, wenn man total begeistert von einer Idee war und dann die E-Mails der anderen las, die das teilweise anders gesehen haben. Erst am Ende haben wir dann alles zusammengemischt. Herausgekommen ist das Album „The Challenge“.

Welchen Song auf dem Album mögt ihr besonders?

Flo: „Give an exam“, das finde ich soundmäßig ziemlich gelungen. Hier hört man den Disko-Einfluss sehr stark.
Juri: Das ist auch mein Lieblingstitel. Der knallt ganz gut und ist auch schön sauber. Obwohl „Emotional Place“ ein ziemlicher Hit ist. Viele sagen, den mögen sie am liebsten.
Habt ihr musikalische Vorbilder?
Flo: Der Jazzer Robert Glasper fällt mir spontan ein.
Juri: Musik aus den 70ern, 80ern und 90ern, inspiriert uns sehr. Diesen Einfluss bemerkt man bei uns z.B. an den alten Synthesizern, die wir benutzen oder etwas sperrige Taktarten wie den 7/8, zu dem es nicht unbedingt leicht ist, zu tanzen.
Flo: Die Tanzbarkeit haben wir mal ausprobiert! Nach einem Gig von Bewegung tut gut haben wir ein Stück im 7/4 Takt laufen lassen. Die Leute auf der Tanzfläche waren erst etwas irritiert, sind dann aber gut abgegangen!

Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben?

Flo: Ursprünglich wollten wir eigentlich Techno machen. Aber jeder hat seine eigenen Einflüsse mit reingebracht und wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass diese Mischung der verschiedenen Stile ziemlich cool ist, also haben wir uns darauf eingelassen. Herausgekommen ist eine Mischung aus Funk und elektronischer Musik, mit Jazz- und HipHop-Elementen der 70er/80er Jahre. Ich würde es als Jazzplatte mit repetierenden Momenten von elektronischer Musik beschreiben. Yeah verbindet klassische Jazzmusik mit moderner Clubkultur. Man kann über Musik sprechen, solange man möchte, aber man muss sich den Sound von Yeah einfach anhören und selbst entscheiden, ob sie einem taugt oder nicht.

Wieso eigentlich der Name Yeah?

Flo: Wir hatten einfach keine gute Idee für einen guten Bandnamen. Irgendwann viel uns auf, dass ein guter Freund von uns immer „Yeah!“ schrie, wenn er etwas besonders toll fand. Warum also nicht einfach Yeah als Bandnamen nehmen?  Das ist kurz und knackig, hat uns immer motiviert und bringt alles auf den Punkt.

Schreit er das immer noch?

Flo: Ja, das tun wir alle mittlerweile sehr oft, wenn uns eine musikalische Idee besonders gut gefällt.  Wichtig dabei ist, dass man das „Yeah!“ ganz breit sagt/ruft/schreit und ein bisschen dabei schwäbelt.

Und wie kommt ihr auf die Namen der Songs?

Flo: Ursprünglich wollten wir eigentlich Songs mit Text machen, fanden aber irgendwie keinen passenden Sänger, deswegen gibt es jetzt keine Vocals. Wir kamen dann auf die Idee, alle möglichen Textsamples zu sammeln und in die Tracks zu integrieren. Diese Samples sagen das, was wir mit den Songs ausdrücken möchten und daraus ergaben sich dann auch die Namen der Tracks.

Habt ihr ein Lieblingssample?

Flo: Das Sample von „Agent of Peace“ gefällt mir sehr gut. Wenn wir Musik machen, fühlen wir uns manchmal auch wie Agenten des Friedens.
Juri: Der allererste Satz auf der Platte: „The thing to do is to relax, and to take on the challenge“ sagt sehr viel aus. Genauso ist es doch: Man sollte cool bleiben, sich einfach mal zurücklehnen und die Herausforderung annehmen.

Auf welche Challenge bezieht sich denn der Albumtitel?

Flo: Der lange Weg, der ganze Prozess, bis die Platte entstanden ist, war eine Challenge. Es war nicht einfach, über die Entfernung zwischen den einzelnen Bandmitgliedern hinweg zu arbeiten. Dass wir es geschafft haben und zusammen dieses Album herausgebracht haben, darauf können wir stolz sein. Wir haben die Herausforderung gemeistert!

Wie geht es jetzt weiter?

Flo: Als nächstes steht die Produktion mit Bewegung tut gut an. Bei der Produktion wird sich der Fokus noch mehr auf ein minimalistisches Technokonzept richten. Repetition. Tanzen. Techno. Yeah!
Juri: Ansonsten kommt als nächstes ein neues Album von Superflip. „Gut oder Schlecht?“ wird das heißen. Anfang April dann die erste 7 Inch von Peder Wonder. Heißer Scheiß! Danach dann eine Kassette in kleiner Stückzahl. Das Afia Asabre Palast Orchester ist auch so gut wie fertig und von Synthie und Roland kommt bestimmt auch bald was. Konzerte gibt es alle paar Wochen im ganzen Land verteilt. DJ-Dinger vor allem hier in Berlin. Dranbleiben!

Und was sind eure Ziele?

Flo: Weltherrschaft!