Tommy San im Interview

Die Gitarre auf dem Schoß, das Herz am richtigen Fleck: Bei Tommy San beschleicht uns das Gefühl, dass er einfach das macht, was er will. Und genau das gefällt uns so gut, dass wir unbedingt herausfinden mussten, wer denn jene Songs schreibt, die die halbe Slyle-Redaktion mittlerweile mitgrölen kann.

Slyle: Fangen wir von vorne an... Wie kamst Du zur Musik? War ein musikalischer Haushalt mit Blockflötenzwang schuld? Oder hast Du zu viel "Guitar Hero" gespielt?

Tommy San: Wir hatten damals ein kleines Keyboard, auf dem ich irgendwann einfach angefangen habe aus Langeweile herumzuklimpern. Nach und nach habe ich mir immer mehr beibringen können und irgendwann musste ein richtiges E-Piano her.

Apropos "Guitar Hero": Wenn man Dich live sieht fällt sofort auf, dass Du Deine Gitarre nicht so hältst wie es ein klassischer Gitarrenlehrer empfehlen würde. Wie kam das zustande?

Da ich meine musikalische Ader am Klavier entdeckt habe und dadurch Gitarrengriffe unheimlich schwer nachvollziehbar finde, musste ich mir eine simple Methode ausdenken. Und nichts ist leichter zu verstehen, als dass der tiefste Ton wie beim Klavier links ist und der höchste rechts. Zur Gitarre habe ich übrigens gegriffen, als ich über längeren Zeitraum kein Klavier zur Hand hatte.

Für die, die noch nicht in Deine Platte reingehört haben: Was beschäftigt Dich in Deiner Musik?

Ich verarbeite in meinen Liedern Geschehnisse und denke mir teilweise auch Geschichten aus, die mich aber irgendwo auch widerspiegeln.

In Deinem ersten Song „Poeten“ singst Du von einer Suche, die in anderen Songs noch durch Sehnsucht ergänzt wird. Was genau suchst Du – und hast Du "es" bis heute gefunden?

Dazu muss ich sagen, dass ich früher ganz fest im christlichen Glauben verwurzelt war, da ich so aufgewachsen und erzogen wurde. Durch Erlebnisse und viel Nachdenken bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich nicht mehr glauben kann. Das ist verdammt schwer für mich gewesen und diese Lücke ist schwer zu füllen. Wenn man eine Weltanschauung und ein Weltbild hat, das anfängt zu bröckeln und nicht ersetzt werden kann, steht man erstmal mit leeren Händen da und fragt sich: Was soll das Ganze? Wo ist hier der Sinn ?

Auch Frauen und Liebe sind immer wieder ein zentrales Thema. Hängengeblieben ist uns natürlich die Zeile "Denn ihr seid ja schöner und das reicht ja". Was hat es damit auf sich?

*lacht*

Ich bin der Meinung, dass ich eigentlich tiefgründige Gedanken habe, aber bei der Frage habt ihr mich erwischt. Also das ist ganz oberflächlich gedacht darauf bezogen, dass es Frauen bei der Partnerwahl eigentlich leichter haben als Männer. Der Satz klingt einfach gut. Aber ich persönlich glaube übrigens auch nicht, dass es Frauen "nur" mit ihrer Schönheit einfacher haben.

Ist es Dir ein Bedürfnis mit Deiner Musik in die Öffentlichkeit zu gehen, oder machst Du Musik in erster Linie für Dich und freust Dich, wenn doch mal jemand zuhört?

Es ist total schön, wenn Leute meine Musik gerne hören und es genießen. Ich liebe es Leuten vorzuspielen, die meine Lieder gern haben und auch mitsingen können. Von daher: definitiv für die Öffentlichkeit!

Weih' uns doch ein bisschen in Deinen Schreibprozess ein. Fallen neue Songs bei Dir quasi vom Himmel oder musst Du Dir viele Gedanken am Schreibtisch machen?

Meistens höre ich ein zufälliges Lied, das mir gefällt. Mal melancholisch, mal freudig. Dazu läuft dann ein Film vor meinem inneren Auge ab und manchmal gelingt es mir, dieses in Worte zu fassen. Das passiert von alleine. Manche Lieder stehen dann schon nach 5 Minuten, andere brauchen Monate, bis sie fertig sind. Ich wünschte, ich könnte so schnell texten, wie ich Melodien erfinden kann.

Wie aufgeregt bist Du noch vor Gigs?

Wenn ich weiß, die Leute kennen mich und wollen mich hören, dann freue ich mich. Da ist dann keine Nervosität. Vor fremden Leuten ist es aber immer wieder eine Herausforderung. Da ich kaum Cover und hauptsächlich eigene Songs spiele, hoffe ich natürlich, dass sie ankommen. Bei Stimmungsliedern, die im Radio rauf und runter laufen, weiß man ja, dass sie gut ankommen. Bei eigenen muss man das erst herausfinden.

Kannst Du Dich für Radio begeistern oder läuft da nur Mist?

"Nur Mist" möchte ich jetzt nicht sagen. Aber ich find schade, dass uns dort zu viel Einheitsbrei vorgespielt wird. Hat ein großer Musiker erstmal einen Vertrag, kann er raushauen, was die Label und Manager verlangen – und es landet immer im Radio. Das nervt, denn man sollte unbekannten Musikern auch die Chance geben ihre bestens Songs im Radio zu spielen.

Mit welchem Künstler würdest Du gerne mal die Bühne teilen?

Ehrlich gesagt mit Milky Chance. Ich kenne Philipp noch von früher und habe mal mit ihm Musik gemacht. Damals saß ich am Klavier und er am Schlagzeug. Bin gespannt, was dabei heute herauskäme.

Wo würdest Du gerne mal live spielen?

Auf großen Festivals *lacht*. Veranstaltungsorte wüsste ich jetzt nicht spezifisch...

Erzähl uns von Deinem schönsten und beeindruckendsten Erlebnis mit Musik!

Das war einer unserer Label-Abende. Da hat das Publikum angefangen, meinen damals noch ganz neuen Song "Mann Sein" laut mitzusingen.

Deine aktuelle Platte ist eine reine Singer-Songwriter-Platte. Bleibst Du Dir auf der nächsten Veröffentlichung treu? Und wenn nein, welche Überraschung hast Du parat?

Ich bleibe mir immer treu. Und das bedeutet: Freude an der Musik plus authentische Lieder schreiben. Die Stilrichtung wird sicherlich variieren. Ich mache einfach gerne Musik. Da ich Schlagzeug und Klavier seit meiner Kindheit und jetzt zusätzlich noch Gitarre spiele, kommen da viele verschiedene Musikeinflüsse hervor. Metal, Rock, HipHop, Klassik und Pop.

Und dazu passend zum Abschluss: Deine Musik in drei Worten!

Kann man hören.

Zugegeben: Das war echt schwer... Ich möchte auch immer bescheiden sein. Und deswegen passen diese drei Worte, denke ich.

Vielen Dank, Tommy.

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Interview: Raphael Comodo

Er ist ein Singer-Songwriter mit brasilianischen Wurzeln. Momentan wohnt Raphael Comodo quasi im Tonstudio, wo er an seinem zweiten Album arbeitet. Offen für fast alle Musikgenres hat er sich selbst keiner bestimmten Richtung verschrieben. Die Musik klingt deswegen nach vielen Einflüssen von der ganzen Welt. Slyle hat ihn zwischen Gitarrenkoffer und Klavier zum Interview getroffen.

Wie würdest Du Deine Musik beschreiben?

Was den Stil meiner Musik betrifft will ich gar nicht zu spezifisch sein. Ich denke es ist eine Mischung aus Gitarren-Musik, Singer-Songwriter, Pop und Rock. Ich versuche nicht ein spezielles Genre zu bedienen. Vielleicht ändert sich das aber in Zukunft und ich fixiere mich mehr auf eine Stilrichtung. Ich würde auch behaupten, dass ich mich in einer Suchphase befinde. Und weiterentwickeln tut man sich ja hoffentlich immer.

Was bedeutet Musik für Dich? Was ist Deine Intention?

Die Bedeutung von Musik ist glaube ich für jeden eine ganz persönliche und unterschiedliche Sache. Für mich hat Musik einen besonders großen Stellenwert. Ich glaube, dass mit Musik vieles sehr viel einfacher geht. Man kann mit der Musik bestimmte Gefühle abrufen, sich in verschiedenste Stimmungen bringen oder sehr persönliche Assoziationen hervorrufen. Ich hoffe einfach mit meiner Musik genau diese Punkte zu erreichen. Nichts würde mich glücklicher machen als das andere Menschen mit meiner Musik etwas persönliches verbinden und sie dann zuhören, um das Persönliche wieder in Erinnerung zu rufen.

Wie kam es zur Leidenschaft Musik?

Ich hatte schon immer viel mit Musik zu tun. Sowohl in meiner alten Heimat in Brasilien als auch hier in Deutschland. Ich habe verschiedene Instrumente ausprobiert und würde am liebsten alle gut spielen können. Angefangen Musik in einer Band zu machen habe ich als Schulkameraden mich fragten, ob ich Lust hätte bei einem Klassenprojekt mitzumachen. Daraus entstand dann eine Band und neue Projekte wurden geboren, bis ich dann letztes Jahr Lust hatte mein erstes Soloprojekt zu starten.

Woher kommen die Ideen für Deine Songs? Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Das ist immer sehr unterschiedlich. Manchmal fange ich mit einem Song an, wenn ich auf der Gitarre oder am Klavier vor mich hin klimpere. Dann gefällt mir ein Riff oder eine Melodie und darauf baue ich dann auf. Manchmal ist es auch eine Textzeile, die mir einfällt und die ich dann versuche zu vertonen. Manchmal dauert es länger, manchmal dauert es nur ein paar Minuten, bis man eine grobe Idee vom Song hat. Meine Inspirationen, bzw. meine Einflüsse sind natürlicherweise die Musik selbst. Es ist sehr schwer etwas vollkommen neues zu schaffen. Aber ich bin der Meinung, dass das Meiste was wir heute hören eine Abwandlung von bisher Dagewesenem ist. Was ich allerdings überhaupt nicht negativ bewerte.

Hast Du Vorbilder?

Nein eigentlich nicht direkt. Ich bewundere viele Musiker, die einfach gute Musik machen und etwas von ihrem Handwerk verstehen. Mir geht es dabei weniger um das Theoretische, sondern eher um das Vermitteln einer Gefühlsebene. Aber spannend finde ich trotzdem, wenn sich Komponisten viele Gedanken machen, welchen Ton sie gerade für welchen Zweck aufschreiben.

Kannst Du uns Musiker nennen, die du bewunderst?

Ich bin ein großer Fan der Band Muse. Matthew Bellamy und die zwei anderen Jungs von Muse sind richtig gute Songwriter. Sie bedienen sich aus verschieden Genres und schaffen es immer ihren eigenen Stil zu bewahren. Es gibt noch viele andere Künstler und Komponisten, die ich hier nennen könnte. Von Komponisten der klassischen Musik über amerikanische Jazz-Musiker, brasilianischer Populärmusik bis hin zu deutschem Punkrock. Ich höre einfach sehr viel verschiedene Musik und verweigere mich einem Musikgenre nur sehr selten. Deshalb gibt es auch viele Musiker und Komponisten, die ich sehr bewundere.

Was steht als nächstes an? Hast Du laufende Projekte?

Zurzeit arbeite ich an meinem zweiten Album, welches voraussichtlich im August erscheinen wird. Bei diesem Album habe ich im Gegensatz zum ersten mit mehreren Musikern zusammen gearbeitet, was dem Ganzen einen neuen Touch gibt. Ich bin sehr zufrieden mit dem was bisher herausgekommen ist und kann es kaum erwarten das fertige Produkt zu hören. Ich hoffe dann bei diesem Album mit einer ganzen Band auf der Bühne stehen zu können. Daraus entstehen auch oft viele gute Sachen.

Wo siehst Du Dich in drei Jahren?

Ich hab gelernt, dass sich vieles sehr schnell ändern kann. Ich kann nicht sagen was ich in drei Jahren machen werde oder wo ich dann stehe. Ich hoffe es geht in eine Richtung, die mit der Musik zu tun hat. Auf jeden Fall möchte ich musikalisch professioneller arbeiten können und mehr Auftritte machen.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg!