Alles vegan, oder was?

Wenn Kim Gordon von Sonic Youth und Perry Farrell von Jane’s Addiction sich auf eine Schuhlinie einigen können, kann diese so schlecht nicht sein. Zumal John Fluevog sein gleichnamiges Label direkt 1970 gegründet hat und diese authentischen Einflüsse noch heute sichtbar sind. So steht man also vor zuckersüßen Damenpumps und groovy Männerbudapestern und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Flagshipstore in Gastown, Vancouver – einem weiten Raum mit Industrialcharme in der Stadt, in der John Fluevog seine Marke auch gegründet hat – ist eine ganze Wand dem Mantra hinter den Schuhen gewidmet: Die Produktion soll so umweltfreundlich wie möglich sein, damit die coolsten Schuhe, die man jemals gesehen hat, herauskommen. Eines interessiert mich vor allem an diesem groß gedruckten Text: Nicht alle, aber schon ziemlich viele der ausgestellten Schuhe sind vollkommen vegan hergestellt. Sie sehen aus wie schöne Lederschuhe, sind aber kein bisschen aus diesem Material.

Man liest das zurzeit öfter: „Vegane Mode“

Die britische Designerin Stella McCartney verzichtet schon seit Jahren komplett auf Pelz und Leder, was bei Sommerkleidern vielleicht nicht so schwierig ist, bei Schuhen jedoch schon. Zudem wurden 2013 erstmals von der Tierrechtsorganisation PETA UK Preise für tierfreundliches Engagement verliehen. Nicht nur McCartney nahm eine Auszeichnung mit nach Hause, sondern unter anderem auch Vivienne Westwood, Ted Baker, H&M, Topshop, New Look und Burton für verschiedene Produkte. Hier fallen keine Indienamen, die sich mit Größen wie Gordon gleichsetzen zu lassen. Mainstream it is.

Und irgendwie schwirrt dabei bald der Kopf über Ökobaumwolle, vegane Verarbeitung – die Bioecke im Supermarkt. Was früher Straight-Edge-Kids und Hippies vorbehalten war, hat nun im Mainstream Einzug gehalten. Doch kann jeder so konsequent den Trend vertreten wie die Hardcorefans? Muss man sich nicht wahnsinnig viel einschränken und enorm viel Zeit investieren?

„Jeder macht Diät, niemand isst mehr Fleisch“ – Marteria

Szenenwechsel. Abschiedsessen vor der großen Reise. Ich kenne B. seit Jahren und seit Jahren isst sie kein Fleisch. Dass ich in meinem Freundeskreis zur Fleisch essenden Minderheit gehöre, ist mir inzwischen durchaus bewusst. Ein einjähriger Verzicht auf tierische Produkte sorgte bei mir für akuten Eisenmangel, mein Arzt bestand darauf, mit dem fleischfreien Leben aufzuhören – ist man auf eine handelsübliche Kantine angewiesen, ist eine konsequente Ernährungsumstellung auch einfach schwierig. Selbst Kollegen mit Lebensmittelunverträglichkeiten probieren die wildesten Sachen aus, um sich irgendwie durch den vollgetakteten Tag zu bekommen. Mega Zeitinvestment fällt bei mir schon mal aus. Man muss wohl vollkommen dahinter stehen, um durchzuziehen. Und notfalls Tabletten schlucken.

Seit einem halben Jahr lebt B. nun völlig vegan. Den Sommer hat sie in einem Ashram verbracht, sie mochte Detox-Smoothies schon, bevor Modeblogger draufkamen, und sie ist eine der schönsten und modischsten Frauen, die ich kenne, talentiert und klug obendrein. Da es immer schwieriger ist, mit B. auswärts zu essen, sitzen wir in ihrer süßen Wohnung. Klar, inzwischen sprießen vegane Restaurants immer schneller aus dem Großstadtboden, aber welcher Student kann es sich andauernd leisten, in hippe Läden zu gehen, die man Wochen vorreservieren muss? Es gibt Zucchininudeln nach einem Rezept von Attila Hildmann. Nicht nur B. findet Hildmann toll, ganz Fernsehdeutschland ist in ihn verliebt. Er kochte mit Stefan Raab und gegen Alfons Schuhbeck. Vor allem aber nahm er absurd viele Pfunde durch seine Ernährungsumstellung ab. Dominierte noch letztes Jahr „Low Carb“ die einschlägigen Frauenmagazine und die Jahre zuvor die Methoden von David Kirsch und Dr. Robert Atkins, ist vegan nun angesagt, um die perfekte Bikinifigur zu erlangen. Und nicht nur das, ein Gesprächsthema hat man immer.

„Wie machst du denn dies und jenes?“

„Wie machst du denn jetzt das mit dem Sushi?“, frage ich B. also. „Mit Brokkoli“, antwortet B. und fängt an, zu schwärmen. Und irgendwie landen wir bei ihren 100 Sit-Ups täglich und ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Womit wir wieder bei den einschlägigen Frauenmagazinen wären – und die überwiegende Bevölkerung. Die macht gerade Sport, als würde sie dafür bezahlt werden. Und stärkt sich nach dem Dauerlauf mit veganen Snacks. An Nachhaltigkeit denkt dabei nicht unbedingt jeder.

Inzwischen sind wir bei unserer beidseitigen Ablehnung von Tierfellen angelangt – und beim zweiten Teller Zucchininudeln. Ziemlich lecker. Ob ich noch einen dritten Teller darf? Ich kenne genug, die sich jetzt trotzdem noch zügeln würden. Schlank und fit sein um jeden Preis, kein Genuss, solange kein Ernährungsexperte etwas anderes behauptet. Immerhin soll das nächste große Ding die Steinzeiternährung – auch „Paleo“ genannt und von Schauspieldarling Jessica Biel praktiziert – sein, also das komplette Gegenteil zum Veganismus – und vermutlich zu dem, was man wirklich damals gegessen hat.

Machen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt

Sicher, da gibt es ja noch die Frauen und Männer, die nicht gerade jedem Schönheitstrend unterliegen und die aber vielleicht auch gerne so interessant wären wie zum Beispiel B. Auf Fleisch oder sogar auf alle tierischen Produkte verzichtet bereits jeder zehnte Deutsche. Da sind auf jeden Fall auch Idealisten dabei – die, die wirklich durchziehen. In Dokumentationen sieht man Hunde, die vegan ernährt werden, Kinder und auch Schwangere wollen keine Kompromisse eingehen. Ob das dem Ungeborenen schadet? Eins ist klar: Es kommt stets darauf an, welchen Experten man erwischt und ob dieser pro oder contra ist. Und auch auf einen selbst, ob man nach Neujahrsvorsätzen und der Fastenzeit durchhält oder weitermacht. Nicht jeden muss es bei umgestellter Ernährung so schlecht gehen wie mir – er kann auch auf jeden Fall so strahlen wie B.. Und ganz verzichten sollte man ja auch nicht. Es gibt ganz fabelhafte vegane Cupcakes – und die sind mindestens genauso süß wie die Schuhe von John Fluevog.

Wanderlust

Trends kommen und gehen. Dass der gerade hippen Wanderei aber dauerhafte Daseinsberechtigung  gebührt, weiß Autorin Simone. Hier verrät sie, was für den Ausflug in die Berge unbedingt mit in den Rucksack sollte. Obendrein gibt’s was auf die Ohren.

„Und, was macht ihr am Wochenende so?“ Die erwartete Antwort: „24-Stunden-Rave, Game of Thrones’-Staffelmarathon, Burgeressen und klar, kiffen.“ Die immer öfter aufkommende Antwort: „Wir gehen wandern!“

Kurzum: Es sind nicht nur die Hardcore-Pärchen, die „schön wandern“ gehen. Immer mehr Cliquen mieten sich ihre unhygienischen Bettenlager irgendwo auf einem Gipfel und erzählen am nächsten Arbeitstag von ihren Irrwegen durch die Täler – und berichten genauso begeistert wie von ihrem letzten Absturz. Sicher, das Wandern ist wesentlich gesünder als Partymachen und passt zu unserem neuen, bewusst perfekten Lebensstil. Doch wenn man sich partout nicht mit dem neuen Lieblingshobby anfreunden kann? Diese richtigen Teile im Rucksack können auf jeden Fall zu einem gelungenem Wochenende in den Bergen beitragen.

mp3-Player. Die letzten Meter sind die Steilsten und so wie beim Joggen auch werden Motivationshymnen benötigt. Unsere ultimative Playlist für den Wanderurlaub:

Status Quo – „The Wanderer“ – Back to Back
Macht ähnlich gute Laune wie „I’m Gonna Be (500 Miles)“ (The Proclaimers - Sunshine on Leith) zum Loslaufen.

Hubert von Goisern – „Brenna Tuat’s Guat“ - EntwederUndOder
Sicher, es ist halt auch ein Wiesnhit. Aber nichts verspricht, das Gefühl durchs Grün so wiederzugeben, wie die Töne vom Akkordeon am Anfang.

Tomte – „& ich wander“ (Heureka)
Zumindest textlich der Soundtrack zur Nachtwanderung. Wer beim „Hoamatgfühl“ bleiben will, wählt Rainhard Fendrichs „Die, die wandern“ (Besser wird’s nicht).

Marteria – „OMG“ – Zum Glück in die Zukunft II
Der Blick vom Gipfel runter bringt euch immer noch nicht das erwünschte Feeling? Dann faken. Am besten mit diesem Spruch auf diesem Beat: „Oh mein Gott, dieser Himmel …“

Milky Chance – „Down By The River“ - Sadnecessary
Für den Morgen danach. Wenn man beim Sonnenuntergang aufwacht und runter ins Tal gucken kann. Ähnlich magisch: „Drive Darling“ (BOY - Mutual Friends)

Bandana. Das Bandana ist zurück auf den Köpfen der Stylomädels und -jungs und hält außerdem die Sicht frei. Ansonsten kann das gute, alte Yankees-Cap mal wieder rausgekramt werden.

Atmungsaktive Kleidung. Wer nach zwei Stunden schnaufend im eigenen Schweiß steht, wird es verfluchen, sich für unfunktionale Wäsche nur wegen der äußeren Ansicht entschieden zu haben. Es gibt auch coole Sportkleidung – oder zumindest solche, in der die weidenden Kühe einen nicht übersehen.

Mückenschutztuch. Wenn man das ganze Jahr über die eigene Haut pampert, sollte man nicht im Urlaub in den Bergen darauf verzichten. Also: Untussig Sonnencreme auflegen und die Haut  gegen fiese Mückenstiche schützen.

Praktikables. Reisenähzeug nimmt keinen Platz weg und könnte der Retter in der Hose-beim-Ausrutschen-aufgerissenen-Not sein. Und sicher, fließend Wasser findet man inzwischen auf allen Hütten. Die Beautyroutine sollte man jedoch reduzieren – auf Lipgloss, dessen Verpackung zugleich ein Handspiegel ist.

Fantasy-Lektüre. Wer immer noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, stundenlang bergauf zu rennen, der sollte seine Fantasie anstrengen und vielleicht damit den ein oder anderen ebenfalls Wandermüden anstecken. Nach nur wenigen Minuten kann man sich wieder wie damals mit sieben im imaginären Elbenwald fühlen. Wessen Gehirnzellen zu rostig sind, kann auf der Hütte bei der Brotzeitpause schnell nachschmökern.

Energy-Riegel. Das Ziel ist noch viel zu weit weg und daher sollte man neben ausreichend Wasser Nervennahrung für besonders anstrengende Abschnitte nicht vergessen. Das Handy wird auf dem Wandertag eh nicht funktionieren und eine Pizza würde sowieso nicht geliefert kommen. Man wird sich selbst danken.

Und wer willst du sein?

Heute mal jemand ganz anderes sein: Cosplay macht‘s möglich. Die Kultur des Cosplays – eine Wortschöpfung des Englischen „Costume Play“ – entstand in Japan bereits in den 90er Jahren und bezeichnet junge Leute, die sich als fiktive Figuren verkleiden. Doch diese langjährige Tradi​tion bleibt in Deutschland dem Mainstream noch immer weitestgehend verborgen – und das trotz vorherrschendem „Do it yourself“-Overload! Autorin Simone hat sich in der Szene mal umgehört.

Eine deutsche Filiale einer Buchhandelskette, zweiter Stock, das schlecht sortierte Manga-Regal. Davor: Ein junger Mann, etwa Anfang 20, trägt Katzenohren zur normalen Straßenkleidung. Neben ihm steht eine junge Frau, etwas älter, vielleicht so Mitte 20. Ihr silbernes Haar ist künstlich, wirkt aber täuschend echt, ebenso wie ihre weiße Augenfarbe, die perfekt mit ihrem kunstvoll arrangierten Kleid harmoniert. Beide unterhalten sich angeregt. Eine ältere Frau bleibt stehen, muss zweimal gucken, geht dann weiter zu den Kinderbüchern. Vergisst diese Begegnung vermutlich wieder ganz schnell. Das was sie gesehen hat, sind zwei Cosplayer.

Es gibt in Deutschland unzählige, einmal jährlich stattfindende Conventions, doch dafür muss man schon in die Großstädte wie München, Dortmund und Frankfurt pendeln. Auch die Gamescom und die Buchmesse sind inzwischen bevölkert von Menschen in Kostümen. Es ist eine kleine Gemeinschaft, die die Fortschritte ihrer Arbeiten auf Tumblr und eigenen Facebookseiten teilt – und noch immer unter dem Radar fliegt.

Übung macht den Meister

„In Städten, in denen Conventions etabliert sind, freuen sich die meisten Leute sogar darüber, die Community einmal im Jahr zu sehen“, erzählt Eva. „Am Ungewöhnlichsten ist es sicher, wenn man privat zu einem Shooting geht und dafür verkleidet ist – oder schon am Fotos machen ist. Viele Menschen fragen dann natürlich interessiert nach und staunen darüber, wie vielseitig das Hobby ist, wenn man es ihnen erklärt.“

Eva und Anna nennen sich gemeinsam „Peilosistas“, getrennt „E-Chan“ und „Artflower“. Sie kennen sich seit 2008. Vor dem Cosplay haben beide Theater gespielt, was sie dann wegen Arbeit und Uni aufgeben mussten. Sie vertreten Deutschland 2014 beim World Cosplay Summit in Nagoya, wo sie sich der weltweiten Cosplay-Konkurrenz stellen werden. 22 Nationen sind anwesend. Eva hat 35 Kostüme auf dem Buckel, Anna sogar 45. Am längsten dauerte der Herstellungsprozess der Kostüme für das WCS-Finale. Anna‘s „The Earthy“ hat mehr als 300 Stunden durch seine vielen langwierigen Techniken verschlungen. „Unsere beiden ‚Super Mario‘-Prinzessinnen dagegen haben pro Kleid nur etwa vier Stunden gedauert“, erklärt sie.

So what you got a crew? I’ve got a crew, too!

„Ob es wichtig ist ein Team zu bilden, das hängt wohl auch von der Persönlichkeit der Cosplayer ab“, meinen sie. „Es gibt Menschen, für die es doch wichtig ist, eine andere Person um sich zu haben, und dann wiederum gibt es Einzelgänger. Es kann Spaß machen, in Teams zu sein, weil man bei Fotos mehr Möglichkeiten hat, weil man seinen Spaß teilen kann, weil man sich für Auftrittsfindung ergänzt und gegenseitig motiviert.“

Ist man doch erst einmal alleine, findet man Anleitungen für das detailgetreue Nachbauen vom freizügigen „Princess Leia“-Bikini bis hin zur romantischen Disney-Prinzessin im liebevoll gestalteten Cohaku Magazin. Und dennoch fühlt man sich als Anfänger schnell hilflos, aufgrund der Masse an perfekt inszenierter Fotos – und der scheinbaren Unerreichbarkeit eben jener Protagonisten. Deshalb raten die Peilosistas: „Wichtig ist auch, sein Selbstbewusstsein nicht nur ans Cosplay zu kuppeln. Versteckt euch nicht hinter dem Kostüm und dem Charakter! Das braucht ihr nicht. Cosplay ist ein wunderbares, kreatives Hobby, das wunderbare Freundschaften entstehen lassen kann und in dem ihr euch selbst weiterentwickeln könnt. Aber denkt dran: Lasst das Cosplay Hobby sein – und ihr werdet lange Spaß damit haben.“

Wer dem Anfangsstadium entwächst und sich sicher auf der Bühne fühlt, für den ist es auch die ultimative Schauspieldisziplin: Der Cosplayer bleibt in seiner Rolle. Spielt er eine stumme Computerspielfigur, wird er nicht sprechen. Ist er ein kämpferischer Anime-Star, muss er die Posen draufhaben. Im Wettbewerb zitiert er Monologe oder singt. Das hat wenig mit Mittelalterkämpfen im Wald von Rollenspielern zu tun, sondern mit der Perfektionierung verschiedener Künste.

Forever young mit Cosplay

Der Wunsch nach Veränderung des eigenen Ichs und fingerfertiges Können schlummern in vielen von uns, die wir noch Handarbeits- und Werkunterricht in der Schule hatten, als Kinder in unseren Rollen rumgetobt sind und später die Theater AG besucht haben. Ob wir es entdecken, ist wiederum die andere Frage. Es kann also auch eine Bewahrung des Kindes in einem selbst sein.

Die Peilosistas sind sich einig: „Ja, Cosplay kann zur Realitätsflucht werden, so wie vieles andere auch, wenn man es übertreibt – egal ob lesen, Sport oder in den Medien gerne als Exempel statuiert: Computerspiele. Gerade junge Menschen, die noch in der Selbstfindungsphase sind, sehen in der Cosplay-Szene eine Möglichkeit, sich auszuprobieren, den gerade in der Pubertät auftretenden Problemen zu entkommen und Gleichgesinnte zu treffen. Dadurch, dass die Cosplay-Szene noch ein recht unbekanntes Nischendasein fristet, ergibt sich hier natürlich auch die Möglichkeit, ein ‚besonderes‘ Hobby zu haben, mit dem man sich von anderen vielleicht abhebt. Aber das ist alles nichts Negatives, sondern ist beispielsweise im Gegensatz zum Komasaufen ein besonderer Weg, erwachsen zu werden.“

Selbst ist die Frau

Für diejenigen, bei denen es nicht „Klick“ macht, wenn sie eine Naht auftrennen müssen, gibt es fertige Kostüme aus der ganzen Welt zu ordern, vom kleinen Kostenpunkt bis zum großen Geld, je nach Aufwand. Auch die Perückenindustrie hat den Trend erkannt, wobei high-advanced Cosplayer Zubehör wie ihre Kontaktlinsen oft noch aus dem Ausland beziehen müssen. Portale wie Etsy und Dawanda sind voll mit fertig geschneiderten Kleidern und passendem Schmuck.

Bei Etsy und Dawanda stehen die Macher zu ihren Shops und ihrer Liebe zum Stricken, ziehen ihren Partnern selbstbedruckte Pullis an oder verteilen selbstbewusst Flyer für ihre Waren – auch eine Art, sich selbst zu präsentieren. Handarbeit bei Frauen ist nicht länger verpönt, seit Feministinnen wie die „Rausfrauen“ Guerilla-Knitting betreiben. Schneiderhilfe bietet übrigens das coole Magazin Cut.

Crossplay

Handarbeit baut Stress ab – keine Realitätsflucht, aber Ablenkung vom Alltagswahnsinn – und weist vor allem ein Ergebnis vor, das uns der hundertste Tweet nicht liefern kann. Zudem sind die Magical-Girl-Anime-Reihen emanzipiert wie wenig anderes im Fernsehen. So lautet der Text von „Moon Pride“, dem Titelsong der neuen „Sailor Moon Crystal“-Serie: „Wir sind keine hilflosen Mädchen, die den Schutz von Männern zu benötigen.“

Apropos Männer: Die sind nicht nur Katzenohren und Straßenklamotten. Die können sich einen Spaß mit all den großen Waffen, den furchteinflössenden Filmcharakteren und vor Kräfte strotzenden Posen machen und Gefallen an den passenden Materialien zum Bearbeiten finden: Holz, Metall, thermoplastischen Kunststoffe, Pappe, Gießharz, Silikone und mehr. Aber auch mit Gender-Bending: Das sind dann die Männer, die eine Frauenuniform in Männerkleidung umwandeln. Nichts ist unmöglich in dieser Welt.

Ich habe nicht das Gefühl, abliefern zu müssen – Nougatundmarzipan im Interview

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Die Indievidualisten kommen – Indie-Vidualists im Interview

Sicher, wir alle lieben Musik und Mode mehr als so einiges auf dieser schönen Welt – andernfalls wären wir bei SLYLE vielleicht nicht richtig aufgehoben. Wir lieben die Kreativität und das Weltenbummeln.. Und vor allem lieben wir es, dieses verrückte Ding in einer großen Gruppe durchzuziehen. Lisa aus München sah das ähnlich und so bloggt sie seit Januar 2013 mit Freunden auf ihrem Blog indie-vidualists.blogspot.co.at. Dort präsentieren sie neben ihren jüngsten Fashion-Fundstücken auch Gespräche mit Newcomern und alten Hasen des Showgeschäfts.

SLYLE: Könnt ihr euch noch erinnern, wie das damals alles angefangen hat?

Lisa: Ich habe den Blog zusammen mit einer anderen Freundin gestartet, Anny. Da sie in Wien wohnt und ich in München, hat sich das Ganze ein wenig schwer gestaltet und es lief darauf hinaus, dass ich zu 95 Prozent alles alleine machte. Nun haben wir beschlossen, dass sie ihren eigenen Blog führt und ich indie.vidualist zusammen mit meinen zwei besten Freundinnen Sandra und Tanja weiterführe.

Ihr habt große Namen im Musikgeschäft interviewt wie The Kooks, Kate Nash und Miles Kane. Studiert ihr Journalismus oder wie kommt es, dass ihr euch in solche Interviews stürzt?

Nein, keiner von uns studiert Journalismus, aber ich sehe so ziemlich alle Musiker als normale Menschen – egal, ob sie fünf oder fünf Millionen Fans haben. Und bis jetzt waren alle auch super nett zu uns! Keiner von ihnen hatte irgendwelche Star-Allüren, alle waren bodenständig und super liebenswert. Kate und ich kannten uns schon von früher, als sie mich im November 2012 mich an meinem Geburtstag auf die Bühne geholt hat und mir „Happy Birthday“ gesungen hat. Daher war es wirklich sehr cool und hat viel Spaß gemacht, sie zu interviewen. Mit Miles war es etwas… schwierig, würde ich sagen (lacht). Ich bekam einen Anruf, dass das Interview klappen würde, fünfzehn Minuten bevor es beginnen sollte, und war überhaupt nicht vorbereitet. Ich habe meine Fragen auf dem Weg zum Veranstaltungsort erdacht. Ich bin ein riesiger Fan von ihm, also war ich sehr aufgeregt. Aber er war sehr liebenswert und nett, somit legte sich diese Nervosität ziemlich schnell.

Lisa, du hast selbst ein eigenes Musikprojekt. Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, es hilft, über Musik zu schreiben, wenn man ein wenig vom Musikmachen an sich weiß. Hat es dir geholfen, selbst zu singen und am Brighton Institute of Modern Music studiert zu haben, wenn es darum ging, eine Konzertrezension zu verfassen?

Lisa: So würde ich es nicht sagen, aber die Interviews beinhalten immer die Frage wie „Welchen Rat würdest du jüngeren Musikern geben?“. Das hilft auf jeden Fall mir persönlich in Sachen Musik sehr weiter. Und yeah, es freut mich, dass du dir meine paar Aufnahmen angehört hast!

Was sollte zurzeit auf unserer Playlist sein?

Lisa: „Bad Habit“ von The Kooks. Unglaublich toller Song!
Sandra: Die „Thoughts“ EP von Michael Schulte. Auch die Newcomer aus München, The Capitols, mag ich zurzeit sehr.
Tanja: Das Album „Fanfare“ von Vern Asbury. Wir lieben es alle drei sehr!

Der Herbst naht. Welche Modetipps habt ihr für die kalte Zeit?

Alle: Wear whatever the fuck you want! Sei individuell! (lachen)

Wenn ihr die Wahl habt, würdet ihr lieber zur Berlin Fashion Week oder zu den NME Awards?

Lisa: NME Awards, ganz sicher. Da sind wir uns alle drei einig.

Eine eurer Blogkategorien heißt „Inspirations“ – was inspiriert euch?

Lisa: Viel. Viele Musiker wie Kate Nash und die Kooks. Auch Johnny Marr, The Smiths, die Gallaghers... Aber auch Fotografie und Filme.
Sandra: Die Natur, sich mit Leuten zu unterhalten, einfach raus zu gehen und was zu tun!

Welche Orte mögt ihr in eurer Stadt München am liebsten?

Alle: Einen CD-/Bücherladen namens „Music & Books“ in München. Wir lieben es dort, es fühlt sich wie Zuhause an. Und das Atomic Café. Es ist der beste Indieclub überhaupt. Wir haben dort massige Bands gesehen und es war immer toll. Den Sommer verbringen wir am liebsten beim Theatron im Olympia Park.

Website: www.indie-vidualists.blogspot.co.at

München-Marathon – Unterwegs in München

München ist mehr als nur Wiesn und „O’zapft is“. Autorin Simone lebt seit sechs Jahren in der Stadt und kennt alle Vorurteile. Aber auch: Alle Vorteile.

So wie einst der frühe Vogel

Den München-Marathon sollte man am besten mit einem zuckerhaltigen Großfrühstück amerikanischer Art starten. „Donuts & Candies“ bietet neben – genau, Donuts und Candies – großartige Cronuts sowie Arizona Icetea.

Georgenstraße 41, 80799 München

Wer sich für ein Bavarian Breakfast entscheidet: Weißwürste darf man bis zum Glockenschlag um 12 Uhr verzehren, allerdings nur „gezutzelt“.

Gasthaus Zur Brez’n, Leopoldstraße 72, 80802 München

Der Fernsehturm liebt die Sonne

Die Trambahn bringt einen schnell zum Olympiapark. Das beeindruckende Areal besticht vor allem im Sommer, wenn auf dem Olympiasee die Enten und Schwäne schwimmen (Tretbootfahren ist ebenso möglich wie das Beiwohnen kostenloser Freiluftkonzerte während der Theatron-Musik-Sommer-Zeit) und sich die Sonne in den ikonischen architektonischen Bauwerken spiegelt: Olympiahalle, Olympiastadion, Fernsehturm, BMW Welt, Vierzylinder und BMW Museum.

Spiridon-Louis-Ring 21, 80809 München

Tagsüber im Museum

Zurück mit der Trambahn, diesmal ins Museumsviertel. Das Museum Brandhorst sticht zwischen der Alten und Neuen Pinakothek hervor und präsentiert Warhol, Hirst und Co.

Theresienstraße 35, 80333 München

Wer danach eine Stärkung braucht, bleibt in Schwabing und geht zu Sushiya, wo man in schöner Atmosphäre leckeres Sushi verdrücken kann.

Amalienstraße 89, 80799 München

Shoppingparadies Glockenbachviertel

Fernab von der High Street, die in diesem Fall die Kaufinger Straße ist, wo sich Marken wie Forever 21 und Warehouse – und auch American Apparel um die Ecke – finden lassen, gibt es noch ein kleines Boutiquen-Paradies rund um den Gärtnerplatz: Vintageläden voller herrlicher Dirndl und tollem Krimskrams, den coolen Fred-Perry-Flagshipstore und Stylo-Shops wie Rocket (inklusive Cheap-Monday-Sortiment) finden hier alle ihren Platz. Unbedingt eine Heiße-Schokolade-Pause im Café Trachtenvogl einlegen und zurückgelehnt in Omas schönsten Möbeln die Einkäufe zählen.

Reichenbachstraße 47, 80469 München

Probier’s mal mit bayerischer Gemütlichkeit

Sommerzeit ist Biergartenzeit! Und die genießt man am besten im Englischen Garten unter dem Chinesischen Turm. Doch auch am Viktualienmarkt lässt es sich schön draußen sitzen. Wer den Abend nicht bayerisch gemütlich ausklingen lassen mag, sondern lieber zappeln will, wird sein Glück bei Bob Beaman finden.

Gabelsbergerstraße 4, 80333 München

Wer es nicht so mit elektronischer Musik hat, kann bis Ende des Jahres noch im legendären Atomic Café zu Indietönen abhotten. Gerade hier ist der aufgestellte Polokragen, den man Münchnern gerne vorwirft, aufs Äußerste verpönt.

Neuturmstraße 5, 80331 München

Müssen alle mit

Festivaltage sind Matschtage. Wochenenden voller Freiheit – völlige Unbefangenheit, totale Euphorie, maximales Ausrasten. Dennoch: Ganz so unvorbereitet sollte man nicht in die Festivalsaison starten. Sonst steht man mit Sonnenbrand zweiten Grades alleine irgendwo im Nirgendwo, ohne Chance auf Wiederkehr und nur der Tinnitus redet mit einem. Da hilft dann die ganze Euphorie nichts. Die wichtigsten Items für den Ausflug im Uhrzeigersinn.

Handy. Das Mobiltelefon ersetzt nicht nur die Kamera, sondern könnte möglicherweise der Draht zu den verlorengegangenen Freunden sein – oder zur besorgten Mutter. Allerdings sollte man sich nicht immer auf ein gutes Netz im Bühnenbereich verlassen und lieber noch einen Notfalltreffpunkt vereinbaren.

Tuch. Ein hübscher Schal hält nicht nur beim Regenschauer warm und trocken – zumindest für kurze Zeit – sondern er schützt über den Kopf gebunden auch vor Sonne. Ansonsten pimpt er jedes Outfit.

Süßigkeiten. Wer in der ersten Reihe steht und den Eismann schon länger nicht gesehen hat, wird sich selbst für die Mitnahme von Naschereien dankbar sein, wenn der Bauch knurrt und die Kehle trocken wird. Die Mitnahme von Kaugummis danken einem die Mitmenschen sicher auch.

Ohropax. Die Soundanlage bei Festivals kann ordentlich durchpusten. Daher sollte man in Hinblick auf sein fünfzigjähriges Selbst vorsichtshalber mal den Gehörschutz in Raveroptik einpacken.

Taschentücher. Für Heuschnupfengefährdete und für die Trips zum Dixiklo immer hilfreich.

Make-Up. Für die Mädels: Eine leichte BB-Cream macht keinen Aufwand und Glitzerstaub zaubert für die Augen einen schönen Aufschlag.

Accessoires. Ein Haarband hält den Blick frei und frönt dem in diesem Jahr erneut angesagten Hippiestyle. Armbänder im Bohostil sind unkomplizierte Stylingmethoden, wenn der Rest bereits schmutzig geworden ist.

Edding. Nicht nur für die Jungs: Lustige Sachen möchte sich schließlich jeder auf die Haut malen. Oder die Signatur eines Musikergottes abgreifen.

Lesestoff. Wenn die Freunde nicht mit zu Marcus Wiebusch gehen wollen – warum auch immer – und um einen herum alle knutschen, kann man sich die Wartezeit hervorragend zum Beispiel mit den „Matsch-Memoiren“ vertreiben. Auch auf der Rückfahrt zum Lautvorlesen geeignet.

Sonnencreme. Weil das Wetter unberechenbar sein kann. Und Sonnenbrand doof ist.

Pflegelippenstift. Damit man beim Knutschen nicht wegen zu spröder Lippen versagt.

Regenmantel. Weil das Wetter unberechenbar sein kann. Und Mülltüten als Ersatz doof sind.

Geld. Falls doch endlich der Eismann in Sicht ist oder man sich ein Bandshirt holen möchte.

Desinfektionsmittel. Siehe: Trip zum Dixiklo.

Jutebeutel. Um das alles lässig zu verpacken.

Weitere nützlichen und unnützlichen Infos für ein gelungenes Festivalwochenende gibt es im Buch „Matsch-Memoiren“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag).